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Kein "Konfetti auf den Jesus"

"Macht Ihr da Remmidemmi?" " Schmeißen die Konfetti auf den Jesus?" Auch wenn am Sonntag, 19. Februar, die Wernauer Narrenmesse dieses Jahr zum dritten Mal stattfinden wird, gibt es noch Vorbehalte gegen sie. Klar ist: Auch wenn etwa ein Drittel der Besucher im Häs erscheint, wird selbstredend kein Konfetti in der Kirche geschmissen.

REGINA SCHULTZE

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WERNAU "Für uns ist das ein Innehalten, bevor die Fasnet beginnt", sagt Beate Müller. Die Religionslehrerin, die früher in Wernau unterrichtet hat und das heute in Reichenbach tut, mutiert seit zehn Jahren in der närrischen Zeit zur Hexe. Sie war die Geburtshelferin der Narrenmesse, die im Jahr 2000 Premiere feierte. "Wir wollen zeigen, dass die Narren nicht nur festen, sondern auch ernstere Themen haben", sagt Rita Zink, Zunftmeisterin der Wernauer Narren.

Nur alle drei JahreObwohl sie ausgesprochen erfolgreich ist, wird die spezielle Art des Gottesdienstes wegen der enormen Vorbereitung nur alle drei Jahre organisiert. Ein achtköpfiges Team überlegt ein Motto dieses Jahr lautet es "Begegnungen" sucht Lieder aus und überlegt zusammen mit dem katholischen Pfarrer Wolfgang Schrenk den Ablauf der Messe, die am Sonntag, 19. Februar, in der Kirche Sankt Magnus in Wernau stattfindet. Der große Umzug ist dann sechs Tage später am Samstag, 25. Februar.

"Ich bin kein geborener Narr", gesteht Pfarrer Schrenk, "ich bin in einem evangelischen Flecken groß geworden." Dennoch erkennt er an, dass die Messe handgemacht und in der Mitte der Narrenzunft ebenso wie auch in der Mitte der Gemeinde platziert sei. "Wäre sie das nicht, hätte ich ein Problem." So beschreibt er die Messe als "heiter, aber mit Tiefgang".

Volle Kirche garantiertSind die Kirchen zu Weihnachten traditionell voll, so sei die Narrenmesse voller. Darum wird auch der ursprüngliche Plan nicht umgesetzt, abwechselnd in Sankt Magnus und der Erasmuskirche zu feiern. Letztere bietet 800 Plätze, Sankt Magnus hat immerhin 200 mehr. Wer einen von ihnen ergattern will, muss dennoch rechtzeitig da sein. Die Neuerung in diesem Jahr: Nicht nur schauen und zuhören, sondern mitmachen ist angesagt. "Wir wollen, dass die Menschen gemeinsam mit uns feiern", erläutert Beate Müller das Ziel.

Zwar singt der 26-köpfige Narren-Projektchor unter Leitung von Wolfram Bolsinger sieben Lieder. Vier weitere Lieder sollen aber von allen Kirchgängern mitgesungen werden. Bei "Lobet den Herren" sollen zuerst Mitglieder der verschiedenen Wernauer Chöre aufstehen und mitsingen. Wenn alles klappt, stehen zum Schluss alle und singen.

Auch das Symbol des Netzes, das alle trägt, wird in der Messe eingesetzt: Nachdem am liebsten alle Ministranten mitgemacht hätten, dürfen nun zumindest 60 von ihnen Netzteile von hinten aus über die Besucher spannen. Auch für diesen Teil ist selbstredend keine Probe mit 1 000 Statisten möglich, und man wird sehen, ob sich jemand verheddert.

Derweil probt der Projektchor fleißig jeden Montagabend im Vereinshaus Löwen, enthusiastisch angespornt von Wolfram Bolsinger, von Beruf Musiklehrer und Leiter des Erasmus-Kirchenchors. "Mund auf, Mund auf, Mund auf!" übertönt er die zehn Männer und 16 Frauen vor sich und beschwört sie mit Händen und Füßen. Die sind nach Schulterkreisen, "Brrr"- und "Sch"-Lauten zum gesungenen "Blablabla" und einem wohligen "Ahhhh" übergegangen. Wie die Lieder zu den Aufwärmübungen klingen, kann man sich dann bei der Messe anhören.

INFODie Narrenmesse beginnt am Sonntag, 19. Februar, um 9 Uhr in der Kirche Sankt Magnus in Wernau.