Lokales

Kein synthetischer Pflanzenschutz notwendig

Filderkraut hat seit Generationen weit über die Fildern hinaus einen guten Namen. Auf den tiefgründigen Lößlehmböden der Filderebene gedeiht es bestens.

KREIS ESSLINGEN Nicht ganz verschont bleibt der Krautanbau von Krankheiten und Schädlingen. Dass diese nicht unbedingt mit synthetischen Pflanzenschutzmitteln bekämpft werden müssen, zeigt das Landwirtschaftsamt im Esslinger Landratsamt alljährlich bei der Krautsamenbeizung, die den Landwirten angeboten wird.

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Dieses Jahr findet die Heißwasser-beizung am Dienstag, 30. Januar, bei der Firma Schumacher in Filderstadt-Bernhausen, Plieninger Straße 40, statt. An diesem Tag können gut gekennzeichnete Krautsamensäckchen, fest zugenäht und mit einkalkuliertem Platz zum Quellenlassen der Samen, zwischen 7.30 und 9 Uhr abgegeben und um 11 Uhr wieder abgeholt werden.

Von besonderer Bedeutung ist die Beizung für das Spitzkraut, da bis heute das Saatgut in den meisten Fällen selbst nachgezogen wird. Viele landwirtschaftliche Betriebe bauen seit Generationen ihre eigene Spitzkrautsorte an. Bei der Krautsamenbeizung werden die Kohlsamen mit heißem Wasser behandelt. Pilze, die im oder am Samen sitzen und zum Beispiel die Umfallkrankheit (Phoma) auslösen, werden dabei abgetötet.

Die Leinensäckchen mit den Samen werden zunächst in kaltem Wasser eingeweicht, dann in 40 Grad warmem Wasser angewärmt und schließlich bei einer Wassertemperatur von 50,5 bis 51,5 Grad 20 Minuten in einem Bottich umgerührt. Die Temperatur muss dabei laufend mit einem Thermometer kontrolliert und in diesem Bereich gehalten werden. Ist das Wasser kälter, werden die Pilze nicht vernichtet, ist es wärmer, verliert der Samen seine Keimfähigkeit. Anschließend wird das Saatgut in kaltem Wasser abgeschreckt und danach zurückgetrocknet. Dieses wirkungsvolle Verfahren ist schon über viele Jahre bekannt. Es wurde bereits 1923 von Professor Rademacher, Universität Hohenheim, beschrieben.

Die Geschichte des Krautanbaus reicht weit länger zurück. Schon vor 500 Jahren beschäftigten sich Mönche des Klosters Denkendorf mit der Züchtung des weißen Spitzkrautes, das sich als Besonderheit der Filderebene entwickeln sollte. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts verdoppelte sich die Krautanbaufläche nahezu. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging der Krautanbau wieder zurück. Dies betraf insbesondere das Spitzkraut, da es für die maschinelle Verarbeitung weniger geeignet ist. Von der einstigen Vielzahl an Sauerkrautfabriken sind noch drei in Betrieb. Heute werden rund 400 Hektar Weiß- und Rotkohl angebaut, davon etwa zehn Prozent Spitzkraut. Das Filderspitzkraut wurde von Slow Food inzwischen auch in seine Arche des guten Geschmacks aufgenommen.

pm