Lokales

Kein unbeschriebenes Blatt

Zwei 19- und 25-Jährige aus Esslingen sollen am 5. August 2003 auf dem Parkplatz eines Köngener Einkaufszentrums eine 60-jährige gehbehinderte Kundin mit Waffengewalt überfallen und um 200 Euro beraubt haben. Wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes und wegen verschiedener Drogendelikte sitzen die beiden jetzt auf der Anklagebank einer Strafkammer am Stuttgarter Landgericht.

KÖNGEN/STUTTGART Der hauptangeklagte 29-jährige Elektriker ist den Gerichten kein Unbekannter mehr: Mehrfach wurde er wegen Diebstahl, Betrugs- und Drogenvergehen belangt und sitzt gerade eine Strafe wegen anderer Verurteilungen ab. Wegen der neuerlichen Vorwürfe hat die Staatsanwaltschaft Überhaft für ihn angeordnet.

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Er soll zusammen mit seinem 25-jährigen Komplizen, einem Koordinations-Schleifer, der sich allerdings derzeit auf freiem Fuß befindet, am Mittag des 5. August vor drei Jahren vor einem Köngener Einkaufsmarkt eine Kundin brutal überfallen haben. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft habe man zuerst auf dem Kundenparkplatz gemeinsam Ausschau nach einem geeigneten Opfer gesucht. Dann habe man die gehbehinderte 60-Jährige beobachtet, wie sie gerade eingekaufte Waren in ihr Fahrzeug einlud und sich dann ans Steuer setzte und wegfahren wollte. In diesem Augenblick wurde eine Türe des Fahrzeugs aufgerissen. Dann soll einer der Angeklagten dem Opfer eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht gesprüht und sie mit einer Art langer Nadel bedroht haben. Die Beschuldigten sollen dann aus dem Fahrzeug der verängstigten Frau die neben ihr liegende Handtasche genommen und daraus aus der Geldbörse 200 Euro geraubt haben. Die Tasche habe man später auf der Flucht weggeworfen, heißt es in der Anklage.

Doch dieser Vorwurf ist nicht der einzige, den die Strafkammer zumindest gegen den einen Angeklagten zu verhandeln hat: Der 29-Jährige, der wie sein mutmaßlicher Komplize drogensüchtig ist, soll im Oktober vergangenen Jahres in und um Plochingen größere Mengen Kokain und Heroin gewinnbringend verkauft haben. Den Stoff, so die Anklage, habe er zuvor bei einem Dealer in den Niederlanden eingekauft.

Der Prozess, der gestern begann, wird die Stuttgarter Richter einige Zeit beschäftigen. Während der Hauptangeklagte ein Geständnis ablegen will, und sein Mitbeschuldigter seine Beteiligung zwar nicht abstreitet, aber bei einem "gemeinschaftlichen Raub" nicht aktiv dabei gewesen sein will, geht es auch noch um die Einbeziehung mehrerer Haftstrafen bei dem 29-Jährigen. Der sitzt nämlich derzeit Haftstrafen wegen Drogenhandel und Betrug ab, die nach dem Raub an der Frau begangen wurden. Wegen der Tat in Köngen aus dem Jahre 2003 wurde er erst am 16. November letzten Jahres überführt und festgenommen. Der 25-jährige mutmaßliche Mittäter war hingegen erst am 27. April diesen Jahres ermittelt und dann verhaftet worden. Da sein Tatbeitrag jedoch weniger schwer wiegt, wurde der Haftbefehl gegen ihn vorläufig außer Vollzug gesetzt. Er hat eine feste Arbeit und einen festen Wohnsitz, was automatisch eine Fluchtgefahr verringert.

Beide Angeklagten hatten offensichtlich den Köngener Raubüberfall verübt, um an Bargeld zur Beschaffung von Drogen zu kommen. Ob sie zum Tatzeitpunkt unter Drogenentzug standen, soll ein Sachverständiger klären. Die 60-jährige Frau selbst wird als Zeugin erst am 21. August vor Gericht erscheinen, da sie derzeit gesundheitlich angeschlagen ist.

wic