Lokales

Kein Verständnis für mehr Lärmbelästigung

Eine klare Position hat die Gemeinde Lenningen zum Thema Erweiterungsplanung des Flughafens in Echterdingen: Sie lehnt sie zum Schutz ihrer Bürger kategorisch ab, da die Lärmbelästigung enorm zunehmen würde.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN "Es ist wichtig, sich schon zu diesem frühen Zeitpunkt zu positionieren", ist Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht der Ansicht. Die Argumentation, die Erweiterung des Stuttgarter Flughafens sei als Wirtschaftsfaktor von großer Bedeutung, hat sich für ihn in Luft aufgelöst. Ein Gutachten, das die Flughafen Stuttgart GmbH selbst in Auftrag gegeben hat, habe dem Airport noch genügend freie Kapazitäten bescheinigt. "Wir sprechen hier nicht von mehr Frachtflugzeugen, sondern von Passagierflugzeugen, denn bei letzterem wird Geld verdient", verdeutlichte Michael Schlecht.

Das ist für den Schultes ein Widerspruch in sich. Auf der einen Seite würden Milliardenbeträge in die Schienen investiert, um Zugverbindungen gegenüber dem Flugverkehr konkurrenzfähig zu machen, und auf der anderen Seite würden Billigflüge subventioniert. Der Erweiterungsbau würde ein Vielfaches dessen kosten, was er in Zukunft erwirtschaftet. Die Kosten für eine zweite Start- und Landebahn liegen bei "600 Millionen Euro plus X".

"Warum gibt es kein landesweites Verkehrskonzept?", wundert sich Michael Schlecht. Unterm Strich könne Stuttgart weder mit Frankfurt noch mit München konkurrieren, da dort bereits die vierte, beziehungsweise dritte Startbahn im Gespräch sei. Die Geschäftsführung des Flughafens fordert zudem eine Verkürzung des Nachtflugverbots.

Die Freigabe für den Luftverkehr über dem einstigen Truppenübungsplatz Münsingen bekommen alle Bewohner des Lenninger Tals mit. "Es ist eindeutig mehr geworden", sagte Michael Schlecht. Da sämtliche Flugkorridore schon jetzt belegt seien, müsse zwangsläufig eine neue Schleuse her. "Wo könnte die besser verlaufen, als dort, wo bisher offiziell noch kein Korridor eingerichtet ist?", fragte er weiter und gab die Antwort selbst: über dem Lenninger Tal

"Auf der einen Seite werden wir nahezu zu Tode geschützt und dann werden wir ab 2015 mit zunehmend Lärm konfrontiert", wetterte der Schultes im Hinblick auf das Vogelschutzgebiet weiter. Wenig befriedigend wäre eine solche Entwicklung auch im Hinblick auf das künftige Biospährengebiet Schwäbische Alb.

Michael Schlecht befürchtet jedoch nicht nur eine erhöhte Belästigung in der Luft, sondern auch auf der Bundesstraße durch Lenningen. Da die Region Stuttgart schnell die Hand für Investitionen heben würde, müsste Lenningen den Ausbau des Flughafens auf den Fildern auch noch mitfinanzieren. "Bei allem Verständnis für die Wirtschaft, die Kapazitäten reichen auch in Zukunft aus", so der Bürgermeister. Amüsiert ist er über das zur Schau gestellte Entsetzen der Landesregierung. Diese will von den Erweiterungsplänen der Flughafen GmbH nichts gewusst haben. "Ohne Rückendeckung wird solch ein Luftballon nicht in der Öffentlichkeit losgelassen", so die Überzeugung von Michael Schlecht.

Die Diskussion um den Sonderlandeplatz Hahnweide ist seiner Ansicht nach geradezu eine "Lachplatte" im Vergleich zur zweiten Startbahn in Echterdingen. Ein Schelm sei, wer Böses dabei denke: Würde in Kirchheim ein Sonderlandeplatz eingerichtet, wäre diese Strecke für andere Flughäfen nicht mehr offen.

"Der Wirtschaftsfaktor wird zu hoch gekocht. Es geht eindeutig um höhere Passagierzahlen. Ist das erstrebenswert?", fragte der Schultes in die Runde. Aus diesem Grunde müsse Lenningen klar signalisieren, dass die Gemeinde weder einer zweiten Startbahn zustimme noch einer Verkürzung des Nachtflugverbots. "Lärm ist eine der größten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Umweltbelastungen für die Menschen", zitierte Michael Schlecht in diesem Zusammenhang das Umweltministerium Baden-Württemberg.

"Das ist eine reine Prestige-Sache", steht für Karl Boßler fest. Für einen richtigen Flughafen sei auf den Fildern jedoch nicht genügend Platz. Gegenüber München oder Frankfurt könne Stuttgart nur drittklassig sein. "Soll mit dem Ausbau den kleineren Flughäfen wie Friedrichshafen das Leben schwer gemacht werden?", wunderte er sich über das Vorgehen der Landesregierung.

Die Abstimmung war eindeutig im Gemeinderat. Alle Bürgervertreter sind sowohl gegen einen Ausbau des Flughafens als auch gegen eine Verkürzung des Nachtflugverbots. Ferner legitimierten sie ihren Bürgermeister, dem Aktionsbündnis gegen den Ausbau des Stuttgarter Landesflughafens beizutreten, dem schon BUND, NABU, Verkehrsclub Deutschland und die Schutzgemeinschaft Filder angehören.