Lokales

"Kein Wettrüsten"

Im Esslinger Rathaus wird die Forderung, Stadt und Kreis müssten sich in der Krankenhauspolitik auf einen gemeinsamen Kurs einigen, immer lauter. Der aktuelle Konkurrenzkampf helfe niemandem, erklären dazu die Stadträte ebenso wie Finanzbürgermeister Bertram Schiebel.

HERMANN DORN

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ESSLINGEN Das neue Modell des Landratsamts, wonach ein Partner für die drei kreiseigenen Krankenhäuser Ruit, Plochingen und Kirchheim-Nürtingen gesucht wird, (der Teckbote berichtete) lässt auch im Esslinger Rathaus aufhorchen. Pläne des Kreises für eine gemeinnützige GmbH und eine Kooperation werden als logischer Schritt eingestuft. Stadträte und Schiebel bleiben aber skeptisch.

Um den Wettbewerb zwischen Krankenhäusern des Kreises und der Stadt zu stoppen, müsse erst eine belastbare Vertrauensbasis hergestellt werden, heißt es. Versäumnisse der Stadt vermögen deren Vertreter nicht zu erkennen. "Mit der Entscheidung, unseren Eigenbetrieb spätestens 2009 ebenfalls in eine GmbH zu überführen, haben wir die Weichen für Kooperationen längst gestellt", so Schiebel. Wenn es um die Krankenhauspolitik des Kreises geht, hält sich das Esslinger Rathaus mit Angriffen auffallend zurück. Man wolle künftige Verhandlungen nicht belasten, erklären die Akteure. Solche Vorsicht kann aber nicht von der Verärgerung über das Landratsamt ablenken.

Die jüngsten Investitionen des Kreises in Herzkatheterlabore in Ruit und Kirchheim werden als unfreundlicher Akt gegenüber dem Esslinger Klinikum gewertet, das auf diesem Feld sehr gut aufgestellt ist. Edward-Errol Jaffke, Vorsitzender der CDU-Fraktion, spricht von einem "Wettrüsten" und warnt vor den Folgen: "Wenn wir uns mit dieser Konkurrenz schwächen, stärken wir nur die Kliniken in Stuttgart." Stadt und Kreis, so Jaffke, müssten sich endlich einigen, wer welche Schwerpunkte setzt.

Handlungsbedarf sieht auch Dieter Deuschle (Freie Wähler), der sich allerdings keinen Illusionen hingibt. "Die finanziellen Folgen der Konkurrenz nähern sich der Schmerzgrenze", meint er. Der Leidensdruck sei aber noch nicht so groß, dass mit raschen Ergebnissen gerechnet werden könne. Otto Blumenstock (SPD), der als Kreisrat wie als Stadtrat mit dem Thema befasst ist, begrüßt den Vorstoß des Landratsamts. "Die SPD-Fraktion im Gemeinderat ist dafür, die Kooperation offensiv anzugehen", sagt er. Während Jaffke, Blumenstock und Deuschle schonend mit dem Landkreis umgehen, wird Carmen Tittel (Grüne) deutlicher. Sie wirft dem Landratsamt vor, die Rolle des Esslinger Klinikums als Haus der Zentralversorgung nicht anerkennen zu wollen und mit fragwürdigen Alleingängen die kreiseigenen Krankenhäuser über Gebühr aufzurüsten. Wenn der Kreis an diesem Kurs festhalte, werde es schwierig, sich zu verständigen. Am Ziel gibt es für sie aber keine Zweifel. "Die Kliniken gehören unter ein gemeinsames Dach."