Lokales

Keine andere Behandlung als die "Normalen"

Bei der Suche nach angemessenem Wohnraum und einem Arbeitsplatz am besten auf dem ersten Arbeitsmarkt stehen psychisch Kranke vor besonderen Problemen. Den "Tag der seelischen Gesundheit" am kommenden Sonntag nahmen die "Arche" in Notzingen, die Tagesstätte des Kirchheimer Reha-Vereins und der Sozialpsychiatrische Dienst Kirchheim zum Anlass, auf diese Probleme aufmerksam zu machen.

JOACHIM KRUG

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KIRCHHEIM Die Arche, der Reha -Verein und der Sozialpsychiatrische Dienst gehören dem Gemeindepsychiatrischen Verbund Kirchheim (GpV) an, dessen Arbeitsschwerpunkt die Sicherstellung und Vernetzung bei der Versorgung chronisch psychisch Kranker ist. Der seit 1999 bestehende GpV wird vom Land favorisiert sowie politisch und fachlich unterstützt. Günstigen Wohnraum für psychisch Kranke zu finden, ist für die GpV-Vertreter Jochen Schmölders, Gisela John, Sybille Walter und Stefan Leidner eine besondere Herausforderung, die ihr ganzes Engagement beansprucht. Psychisch Kranke haben es besonders schwer, eine Wohnung auf dem freien Wohnungsmarkt zu bekommen, weil sie mit psychopathisch Erkrankten oft gleich gesetzt werden.

Die Arche bemüht sich seit einiger Zeit, auf dem allgemeinen Wohnungsmarkt zusätzlich Wohnungen zu kaufen oder zu mieten, um sie dann an ihre Klientel weiter zu geben. Da die Wohnform der Wohngemeinschaft (WG) heutzutage nicht mehr als die geeignete Wohnform angesehen wird, bedeutet die eigene Wohnung auch für psychisch Kranke ein wichtiges Stück Normalität und Teilhabe am sozialen Leben. Der GPV versucht darüber hinaus, zusätzliche Gebäude für Tagesstätten zu finden, das Wohnungsproblem in die Kirchengemeinden zu tragen und auf diesem Gebiet mit den Stadtverwaltungen und Bürgermeistern der Region ins Gespräch und zur Zusammenarbeit zu kommen.

Der GpV will aber auch die Bevölkerung über psychisch Kranke aufklären, das Problem also nicht rei-ßerischen Fernsehsendungen überlassen, und die Kontakte zwischen Kranken und Gesunden verbessern. Erfreulich sei, dass das Versorgungsnetz psychisch Kranker enger werde, Ausraster seien von den Kranken so gut wie nicht zu erwarten, sie seien überwiegend mit sich selbst, oft auch gegen sich selbst, beschäftigt. Die GpV-Mitarbeiter helfen durch entsprechende Gespräche, akute Krisen zu verhindern.

Wichtig sei für die Kranken ein geregelter Tagesablauf und eine sinn-erfüllte Beschäftigung. Diese auf dem ersten Arbeitsmarkt auszuüben, sei der Idealfall.

Bedauerlicherweise werde es immer schwerer, nicht nur für psychisch Kranke, in den ersten Arbeitsmarkt zu kommen, die Zahl entsprechender Nischen nehme ab. Auch die Zahl der Arbeitsplätze in betreuten Einrichtungen, dem zweiten Arbeitsmarkt, werde geringer.

Dem GpV, der sich ausschließlich mit Erwachsenen beschäftigt, gehören weitere Einrichtungen an, die Betroffenen offen stehen und an die sie vermittelt werden. Es ist dies im Kreis Esslingen unter anderen die Tagesstätte und Werkstatt in Dettingen, die Samariterstiftung in Oberensingen sowie das Kreiskrankenhaus Nürtingen und der evangelische Kirchenbezirk Kirchheim.

Der GpV sieht es als seine Hauptaufgabe an, verstärkt aufzuklären, und zwar dahingehend, dass psychisch Kranke nicht anders behandelt werden sollten als die "normalen" Menschen.