Lokales

Keine Angst vorm Panaschieren

Bei der Europawahl und den Kommunalwahlen stimmen die Kirchheimer bis zu fünf Mal ab

Bloß nicht den Überblick verlieren, lautet die Devise am 7. Juni. Denn wer an diesem Tag zur Wahl geht, füllt mehr als einen Stimmzettel aus. Damit die Wahl nicht zur Qual wird, hat Antje Dörr mit Kirchheims Wahlamtsleiter Jochen Schilling über Panaschieren, Kumulieren und Unechte Teilortswahl gesprochen.

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Wer oder was steht am 7. Juni zur Wahl und wie viele Stimmen habe ich jeweils zur Verfügung?

Am 7. Juni finden die Kommunalwahlen statt, also die Wahl der Gemeinderäte, der Ortschaftsräte, des Kreistags und des Regionalparlaments. Dazu kommt die Europawahl. Dort hat jeder Wähler eine Stimme, dasselbe gilt für die Regionalwahl. Bei der Wahl zum Kreistag sind sieben Stimmen zu vergeben. Bei der Wahl zum Kirchheimer Gemeinderat entspricht die Anzahl der Stimmen der Zahl der Sitze, also 32. Dasselbe Prinzip gilt auch in den anderen Kommunen. In den Teilorten kommen noch die Wahlen zum Ortschaftsrat hinzu. Die Ötlinger haben dort 18 Stimmen zu vergeben, die Jesinger zwölf und die Naberner und Lindorfer zehn.

Worauf muss ich bei der Stimmabgabe achten?

Der Wähler hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Erstens: Er gibt einen Stimmzettel unverändert ab. Damit erhält jeder Bewerber auf der Liste jeweils eine Stimme. Man kann aber auch einen Stimmzettel verändern oder „à la carte“ aus den verschiedenen Wahlvorschlägen seinen eigenen Stimmzettel zusammenstellen. Hier kommt das Kumulieren und Panaschieren ins Spiel. Kumulieren, zu Deutsch häufeln, bezeichnet die Abgabe mehrerer Stimmen für einen Kandidaten. Der Wähler darf aber maximal drei Kreuzchen hinter einen Namen machen. Panaschieren oder mischen bedeutet nichts anderes, als dass sich der Wahlberechtigte aus allen Listen die Kandidaten heraussuchen kann die er kennt, oder die er für geeignet hält. Er kann also Kandidaten einer Liste auf eine andere übertragen. Dabei muss er aber darauf achten, die 32 Stimmen nicht zu überschreiten.

Was hat es mit der Unechten Teilortswahl auf sich?

Die Unechte Teilortswahl wurde in Baden-Württemberg eingeführt, um die Vertretung der Interessen der Bürger in Vororten auch in personeller Hinsicht zu berücksichtigen. Bei reiner Mehrheitswahl oder Verhältniswahl würden viele Vororte oder Gemeindeteile keinen Vertreter in den Gesamtgemeinderat entsenden können, weil die Zahl ihrer Wahlberechtigten im Vergleich zur Gesamtzahl in der Gemeinde zu gering ist.

Obwohl ich keine Briefwahl beantragt habe, wurden mir Stimmzettel zugeschickt. Warum?

Jeder Wahlberechtigte erhält in diesen Tagen die Stimmzettel per Post, unabhängig davon, ob er Briefwahl beantragt hat, oder nicht. Die Bürger sollen dadurch die Möglichkeit bekommen, die Zettel in aller Ruhe auszufüllen und am Sonntag ins Wahllokal mitzubringen. Einzige Ausnahme sind die Europawahlstimmzettel – die gibt es erst im Wahllokal. Durch dieses Verfahren werden die Wahllokale am Wahltag erheblich entlastet, denn das Ausfüllen dauert seine Zeit. Allerdings dürfen die ausgefüllten Wahlzettel nicht an das Wahlamt geschickt werden. Wer am 7. Juni verhindert ist und dennoch wählen gehen will, muss Briefwahl beantragen.

Wo und bis wann kann ich Briefwahl beantragen?

Der Antrag befindet sich auf der Rückseite der Karte, die jedem Wahlberechtigten zugesandt wurde. Wer damit bis zur letzten Minute wartet, muss spätestens am Freitag, 5. Juni, bis 18 Uhr persönlich ins Kirchheimer Rathaus kommen. Briefwahl kann auch online unter www.kirchheim-teck.de beantragt werden.

Ab wann gibt es die Ergebnisse?

Am Sonntag nach Schließen der Wahllokale werden dort die Stimmzettel zur Europa- und Regionalwahl ausgewertet. Ab Montag werden zuerst die Kreistagswahl und im Anschluss daran die Stimmzettel zur Gemeinderatswahl und den Ortschaftsratswahlen elektronisch ausgezählt. Mit dem Ergebnis der Kreistagswahl ist voraussichtlich ab Montagnachmittag, mit dem Ergebnis der Gemeinderatswahl ab Dienstagvormittag zu rechnen. Weitere Informationen gibt es online unter www.kirchheim-teck.de unter Aktuelle Themen/Kommunalwahlen und Europawahl.

Am Wahltag sind in Kirchheim rund 29 500 Wahlberechtigte aufgefordert, bei der Gemeinderats- und Kreistagswahl ihre Stimmen abzugeben. Bei der Europawahl und der Regionalwahl sind es rund 2 000 Wahlberechtigte weniger, da Unionsbürger bei der Regionalwahl nicht wahlberechtigt sind und bei der Europawahl in der Regel die Abgeordneten ihres Herkunftslandes wählen. Lediglich fünf Unionsbürger aus Kirchheim haben einen Antrag gestellt, um die deutschen Abgeordneten wählen zu dürfen. Am Wahlsonntag und an den Folgetagen werden rund 400 ehrenamtliche Wahlhelfer in 36 Wahlbezirken und im Wahlamt eingesetzt. Im Jahr 2004 lag die Wahlbeteiligung bei der Europawahl und der Regionalwahl bei rund 52 Prozent, bei der Kreistagswahl bei knapp 50 Prozent und der Gemeinderatswahl bei starken 50 Prozent.