Lokales

Keine Entmündigung des Patienten

Die hausarztzentrierte Versorgung soll vermeiden, dass der Patient doppelt untersucht wird. Die Behandlung des Patienten soll besser koordiniert werden, um insgesamt Kosten einzusparen. Bisher fehlt jedoch der Beweis, dass diese Ziele tatsächlich erreicht werden können.

ESSLINGEN Die Techniker Krankenkasse (TK) möchte Gewissheit haben und startet jetzt ein Hausarzt-Modell in Nord-Württemberg, an dem sich auch 113 Hausärzte im Kreis Esslingen beteiligen, davon 22 aus Kirchheim.

Anzeige

Gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Nord-Württemberg wurde ein Modell ausgearbeitet, bei dem sich die teilnehmenden Patienten dazu verpflichten, im Krankheitsfall zunächst den Hausarzt aufzusuchen. Der Hausarzt nimmt eine Art Lotsenfunktion ein und entscheidet, ob und an welchen Facharzt überwiesen wird. Der Patient wird dabei aber nicht entmündigt und kann sich in akuten Fällen auch direkt an einen Facharzt wenden. Ist bei schweren Erkrankungen ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus angezeigt, soll die Zweitmeinung eines geeigneten Facharztes klären, ob tatsächlich alle ambulanten Möglichkeiten ausgeschöpft wurden.

"Wir möchten mit dem lokalen Versuch hier in Nord-Württemberg zunächst Erfahrungen sammeln. Bestätigt es sich, dass die hausarztzentrierte Behandlung besser ist und sich Kosten sparen lassen, werden wir über eine bundesweite Lösung entscheiden", so Bettina Bruder, Sprecherin der TK in Esslingen. Einen Vorteil sieht die TK schon jetzt: Unnötige Krankenhausaufenthalte werden künftig vermieden.

Die an dem Projekt beteiligten Kassen neben der TK die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK), die Gmünder Ersatzkasse (GEK), die Hamburg Münchner Krankenversicherung sowie weitere Ersatzkassen haben sich auf einen einheitlichen Bonus verständigt: Versicherte, die an dem Hausarzt-Modell teilnehmen, brauchen bei ihrem Hausarzt keine Praxisgebühr zu bezahlen, und das bis zu vier Mal im Jahr. Bei allen Facharztbesuchen ohne Überweisung muss die Praxisgebühr jedoch bezahlt werden. Seit April können sich die mehr als 70 000 Versicherten im Kreis für dieses Modell einschreiben lassen.

Patienten, die sich einschreiben möchten, brauchen einen Hausarzt mit Sitz in Nord-Württemberg, der für das Projekt zugelassen ist. Bisher nehmen etwa 1000 Hausärzte daran teil. Ein Verzeichnis im Internet unter der Adresse www.tk-online.de/lv-badenwuerttemberg gibt Auskunft welche Ärzte teilnehmen.

pm