Lokales

Keine generelle Winterreifenpflicht oder doch?

Schneeflöckchen, Weißröckchen wenn es schneit und der Wagen an der Steigung hängen bleibt, ist es zu spät, wenn ein Polizist kommt: "Die rund 313 000 Autofahrer im Bereich der KfZ-Innung Nürtingen tun gut daran, sich beizeiten Gedanken darüber zu machen, wie sie diesmal durch den Winter kommen", sagt Alfred Hiller, Pressesprecher der Innung.

NÜRTINGEN "Den Buchstaben des Gesetzes nach besteht zwar keine generelle Winterreifenpflicht, aber die Pflicht, Winterreifen auf dem Auto zu haben, wenn's schneit. Wenn die fehlen, kann's zwischen 20 und 40 Euro Bußgeld kosten." Und nicht vergessen: "Auch das Frostschutzmittel in der Scheibenwaschanlage ist bei Minustemperaturen jetzt Vorschrift."

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Der Gesetzgeber hatte ein Problem: Es gibt keine Definition, was ein Winterreifen eigentlich ist. Deswegen lassen sich Winterreifen auch nicht vorschreiben. Bei Frostschutzmitteln ist das einfacher. Deswegen der Kunstgriff mit der juristisch fein ziselierten Formulierung: "Bei Kraftfahrzeugen ist die Ausrüstung an die Wetterverhältnisse anzupassen. Hierzu gehören insbesondere eine geeignete Bereifung und Frostschutzmittel in der Scheibenwaschanlage. In der Praxis heißt das, wer an Eis- oder Schneetagen ohne "geeignete Bereifung" erwischt wird, zahlt: 20 Euro, wenn's nur der Polizei auffiel, 40 Euro, wenn andere aufgehalten wurden.

Aber was ist geeignete Bereifung? Alfred Hiller als Experte nennt drei verschiedene Reifenarten, mit denen der Autofahrer auf der sicheren Seite ist: "Winterreifen mit dem Schneeflockensymbol, die sogenannten M+S-Reifen, bei denen die Abkürzung für Matsch und Schnee steht, sowie Ganzjahresreifen." Mit allen drei Typen ist man bei einer Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern vor Bußgeld sicher: "Um bei Schnee und Eis sicher zu fahren, sollte der Reifen aber mindestens vier Millimeter Profiltiefe haben."

Die Schneeflocke auf der Reifenflanke, umrahmt von einem Berg, ist das neueste Symbol. Ab 2007 soll sie Pflicht sein, um den echten Winterreifen zu kennzeichnen, im Handel sind Reifen mit dieser Markierung schon jetzt. Wer M+S-Reifen kauft, muss aufpassen: Es gibt Modelle, die unter sechs, sieben Minusgrad versagen, wie die Reifentester melden.

Dabei sind niedrige Temperaturen eigentlich die zweite Domäne des Winterreifens: Je nach Reifenmischung sind sie in der kalten Jahreszeit ab einem bestimmten Temperaturpunkt um die sechs Grad herum besser als Sommerreifen. Wo genau dieser Punkt liegt, hängt von der Gummimischung ab. Deswegen fahren Formel-1-Piloten in Schlangenlinien ihre Reifen warm, um den richtigen "Grip" zu haben. Und wir? "Kalte Reifen hat jeder von uns, jeden Morgen, aber deswegen in Schlangenlinien zu fahren, kann ich keinem raten", sagt Alfred Hiller.

Die richtigen Reifen aufs Auto zu montieren dagegen ist ein guter Rat, an den er sich selber hält: "Spätestens am 1. November habe ich Winterreifen auf dem Auto'', sagt er: "Das hat sich bewährt, da gibt es keine Überraschungen. Aber natürlich gibt's für ganz Sparsame auch eine Alternative: Wer auf Winterreifen verzichten will, muss sein Auto bei widrigen Straßenverhältnissen stehen lassen ", zitiert Alfred Hiller Verkehrsminister Tiefensee. Wer fahren und sichergehen will, braucht aber Winterreifen und zwar relativ zügig: "Wenn's schneit kommen alle."

pm