Lokales

Keine Gewinne zu erwarten

Der Schlierbacher Wald hat die letzten 15 Jahre besonders unter dem Orkan Lothar und der nachfolgenden Borkenkäferplage gelitten. Das ist das Ergebnis der neuen Forsteinrichtung, die in der jüngsten Gemeinderatssitzung vorgestellt wurde.

VOLKMAR SCHREIER

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SCHLIERBACH Zwar sind die durch den Sturm entstandenen Freiflächen wieder aufgeforstet, doch bis diese Jungbestände Gewinn für die Gemeinde abwerfen, werden noch viele Jahre vergehen. Nach der vorgestellten Nutzungsplanung für die kommenden zehn Jahre werden sich Kosten und Ertrag des Gemeindewalds im besten Fall ausgleichen.

Nur noch 20 Prozent des Gemeindewaldes seien Bestände, aus denen ein guter Ertrag erwirtschaftet werden könne, führte Oberforstrat Hermann vom Regierungspräsidium Tübingen aus. Weitere 30 Prozent der Waldfläche seien so weit, dass immerhin ein kleiner Ertrag aus ihnen herausgeholt werden könne. Die übrigen Flächen seien Jungbestände. "Jährlich ein ausgeglichenes Betriebsergebnis zu erwirtschaften wird kaum möglich sein", erklärte er den Gemeinderäten. Dafür könne in den nächsten Jahren einfach zu wenig Holz eingeschlagen werden, denn der Holzvorrat habe sich durch die Sturmschäden deutlich verringert.

Insgesamt werde sich der für die nächsten zehn Jahre geplante Hiebsatz auf 3800 Erntefestmeter verringern. Im Vordergrund stehe nun die Pflege und der Erhalt der Bestände, was Kosten verursache, aber erst langfristig Gewinne abwerfe. Ein weiteres Problem sei der Wildverbiss an jungen Bäumen, der stark zugenommen habe. Mittlerweile würden sogar junge Fichten verbissen, was ein deutliches Zeichen für einen zu hohen Wildbestand sei, machte Hermann deutlich.

Angesichts dieser Zahlen kam Bürgermeister Paul Schmid nicht umhin, darauf hinzuweisen, dass der Gemeindewald keinesfalls zum Zuschussbetrieb werden dürfe. "Wir werden nicht die Steuern erhöhen, um den Waldbestand zu erhalten", macht der Rathauschef den Standpunkt der Verwaltung deutlich. "Zuschüsse für den Wald sind in den nächsten Jahren nicht drin", so Schmid. Der Wald müsse neben der ökologischen eben auch eine wirtschaftliche Funktion erfüllen. Deshalb, so der Bürgermeister, müsse schlimmstenfalls auch über eine Privatisierung des Waldes diskutiert werden.

"Bei Ihrer Argumentation brauchen wir gar keine Bäume mehr zu pflanzen", entgegnete Kurt Moll von der CDU. Eigentum verpflichte, und: "Der Wald ist nicht nur dann eine gute Sache für die Gemeinde, so lange das Geld herausplätschert", plädierte Moll für eine langfristige Sichtweise. Die Pflege des Gemeindewalds sei eine Zukunftsinvestition für die kommenden Generationen. Sicherlich sei ein ausgeglichenes Betriebsergebnis erstrebenswert, aber hier könne man ja auch mal etwas zuschießen.

Sein Kollege August Leins von den Freien Wählern konnte sich dieser Sichtweise nur anschließen, wollte aber von Oberforstrat Hermann wissen, was gegen den Wildverbiss unternommen werden könne. Um dem Wildverbiss Herr zu werden, empfiehlt Hermann eine deutliche Reduzierung des Wildbestands. Die Empfehlung laute, die Abschüsse um 20 Prozent zu erhöhen. Der Gemeinderat stimmte der Forsteinrichtung für die kommenden zehn Jahre bei einer Enthaltung zu.