Lokales

Keine kurzen Röcke

In Frankreichs Schulen ticken die Uhren anders. Das stellten die Kirchheimer in Rambouillet fest. Nicht nur die Zeiteinteilung war ungewohnt, auch Regeln und Ausstattung der "colleges" waren den Schülern fremd .

Wenn man die deutschen Schulen mit den französischen vergleicht, fallen gravierende Unterschiede auf. Schon mit drei Jahren lernt der französische Nachwuchs im Kindergarten lesen und schreiben. Nach der "ecole primaire", die der deutschen Grundschule entspricht, gehen alle für vier Jahre auf eine Gesamtschule, das "collège". Bei ihrem Besuch am "Collège Catherine de Vivonne" wunderten sich die Kirchheimer Gymnasiasten über die vielen Unterschiede.

Schon bei der Ankunft sahen die Kirchheimer den hohen Zaun, der die Schule umschließt. Um während der Schulzeit das Grundstück verlassen zu können, muss man mit seinem Stundenplan belegen können, dass die Unterrichtszeit beendet ist. Auch bei einem Besuch im Unterricht fiel die Disziplin der französischen Schüler auf: Niemand redete unaufgefordert. Wenn die Schüler aufgerufen wurden, standen sie auf, um dem Lehrer die Antwort zu geben. Doch anders als in Deutschland wurden sie mit ihrem Nachnamen und mit Madame oder Monsieur angesprochen sowie gesiezt.

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Mützen, bauchfreie Tops und kurze Röcke sind nach der Kleiderordnung verboten. Als eine deutsche Gymnasiastin mit einem langen Rock zur Schule kam, wunderten sich die französischen Schüler über ihre Kleidung, die an deutschen Schulen gar nicht aufgefallen wäre. An französischen Schulen sind viel mehr Leute beschäftigt: Es gibt eine Krankenschwester, einen Wachdienst, eine ausgebildete Bibliothekarin und Pädagogen. Jedoch sind die Lehrer, im Gegensatz zu hier, nur für ihren Unterricht zuständig und müssen sich nicht auch noch um die Aufsicht der Schüler kümmern. Diese Aufgabe übernehmen Studenten, die sich so ihr Studium finanzieren können.

Die französischen Schulen sind Ganztagesschulen, wo es in einer Kantine auch warmes Essen für alle Schüler gibt. Witzig fanden die Deutschen, dass das Ende der Stunde durch Musik angekündigt wurde. Gar nicht amüsiert dagegen waren sie, dass die Schüler jeden Tag außer mittwochs bis 17 Uhr Unterricht haben und anschließend Hausaufgaben erledigen müssen. Allerdings beginnt die Schule auch erst um 9 Uhr.

Sicher hat dieses Schulsystem Vorteile, doch die Schüler der Kirchheimer Schlossgymnasiums waren sich einig, dass die deutschen Schulen besser sind, da es dort mehr Freiheiten gibt.