Lokales

Keine Lösung zum Nulltarif

Provisorium für weitere Kindergartengruppe in Nabern scheint Stadträten zu kostspielig

Nabern braucht dringend eine weitere Kindergartengruppe für unter Dreijährige. Darüber besteht Einigkeit. Eine behelfsmäßige Containeranlage könnte den Raum dafür schaffen. Jetzt liegen die Kosten auf dem Tisch: Sie werden mit über 100 000 Euro veranschlagt. – Zu viel für ein Provisorium, so der Tenor der Stadträte.

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Irene Strifler

Kirchheim. Fakt ist: Die Zahl der Kindergartenkinder in Nabern steigt. Wie Ortsvorsteher Clemens Moll vor dem Technischen Ausschuss des Kirchheimer Gemeinderates ausführte, liegt dies am Zuzug ins neue Baugebiet Braike und am Generationenwechsel in vielen Gebieten. Mit einer neuen Gruppe für unter Dreijährige und verstärktem Mittagessenangebot will man der Nachfrage gezielt Rechnung tragen. Problematisch dürfte vor allem das nächste Jahr werden, da sehr wenig Kinder in die Schule wechseln. Die Zeit drängt also.

Um der vorübergehenden Raumnot abzuhelfen, soll eine Containeranlage im Garten aufgestellt werden. Das Mieten der Container für ein bis zwei Jahre und die erforderlichen Bauarbeiten werden die Stadt laut aktuellen Berechnungen der Verwaltung 108 000 Euro kosten.

Der Ortschaftsrat Nabern hatte bereits einstimmig sein Plazet gegeben, doch im Technischen Ausschuss des Kirchheimer Gemeinderates herrschte Unverständnis. Es könne doch nicht sein, wunderte sich Sabine Bur am Orde-Käß von den Grünen, dass sich in Nabern für etwa 15 Monate keine andere Unterbringungsmöglichkeit für eine Kindergartengruppe finden lasse. Sie erkundigte sich nach interkommunalen Lösungen mit Bissingen oder dem Dettinger Kindergarten auf dem Guckenrain. Auch Dr. Silvia Oberhauser von der Frauenliste tat sich damit schwer, für eine Interimslösung so viel Geld auszugeben. Sie regte an, Kooperationen mit Freien Trägern abzuklopfen und verwies auch auf die Möglichkeit, einen Waldkindergarten einzurichten. Andernorts gebe es für derlei Einrichtungen lange Wartezeiten. „Diese Variante ist nicht durchdacht worden“, mahnte sie die Verwaltung und bat um detailliertere Untersuchungen. 100 000 Euro seien schließlich keine Peanuts, und nur wenn wirklich alles andere ausscheide, dürfe man in diesen sauren Apfel beißen.

Ratskollegen aus anderen Fraktionen beteiligten sich am spontanen Brainstorming: Mathias Waggershauser von der CDU liebäugelte mit einem Bauwagen, und SPD-Fraktionsführer Walther Aeugle kam die leere Dependance der Schafhof-Grundschule in den Sinn, die man möglicherweise umsetzen könne.

Die Verwaltung rechtfertigte die Kosten für die Containeranlage. Immerhin handle es sich um 4,5 Container, die neben einem Sanitärbereich auch eine Ruhezone umfassen. Allein die Erschließung macht schon fast ein Drittel der Gesamtsumme aus. Manche der in die Runde geworfenen Anregungen konnten allerdings nicht umgehend überzeugend entkräftet werden. Zum Thema interkommunale Kooperation verwies Bürgermeister Günter Riemer auf das Motto „Kurze Beine, kurze Wege“, das die Kindergartenkonzeption naheliegenderweise prägt.

CDU-Chef Helmut Kapp aus Nabern, dessen Fraktion meist mit spitzem Bleistift rechnet, verteidigte die Containerlösung indem er darauf hinwies, dass diese billiger werde, je länger die Container benötigt würden. Und wie viele Kinder den Kindergarten in zwei Jahren wirklich besuchen wollen, könne heute tatsächlich keiner wissen.

Peter Bodo Schöllkopf hob die Entscheidung auf eine andere Ebene: Nabern sei ohnehin gebeutelt, argumentierte der SPD-Stadtrat. Er verwies auf den verschobenen Neubau der Gießnauhalle sowie den noch fehlenden Straßendeckbelag in der Braike und warnte, es komme nicht gut an, wenn man nun an den Kindern spare.

Ehe es zu einer Grundsatzdiskussion kommen konnte, machte Bürgermeister Riemer einen Vorschlag, der alle zufriedenstellte: Das Thema kommt in der Gemeinderatssitzung am morgigen Mittwoch erneut zur Sprache, und bis dahin will die Verwaltung organisatorische Alternativen abklären.

Der Kindergarten Nabern ist für drei Gruppen ausgelegt und wird aktuell von zwei Regelgruppen und einer altersgemischten Gruppe genutzt. Ab September soll es eine Regelgruppe, eine Ganztagesgruppe, teils mit Mittagessen, eine altersgemischte Gruppe sowie zusätzlich eine Kleinkindgruppe in Nabern geben.