Lokales

Keine Mautpreller, dafür insgesamt mehr Verkehr

Das Ergebnis der Verkehrszählung auf der B 465 in Lenningen stellte Michael Kohn, Sprecher der Arbeitsgruppe Verkehr und Mobilität, während der jüngsten Sitzung des Gemeinderates vor. Maßgeblich daran beteiligt war auch die damalige Klasse 8 c der Lenninger Realschule mit ihrem Klassenlehrer Daniel Hinze. Die Jugendlichen haben 24 Stunden in Schichten den Verkehr gezählt.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN Wie viel Fahrzeuge am 10. Mai einschließlich der Nachtstunden des 11. Mai durch Lenningen gefahren sind, haben die Schülerinnen und Schüler haargenau im Viertelstundentakt 24 Stunden lang dokumentiert. "Strichlisten wurden von 7 bis 7 Uhr geführt", erklärte Michael Kohn. Die drei Zählstellen befanden sich in Unterlenningen am Rathaus und am Backhaus sowie an der B 465 zwischen Oberlenningen und Gutenberg vor der Abzweigung nach Grabenstetten.

"Wir haben aus zwei Gründen gezählt: Zum einen, weil wir der Meinung sind, dass die Belastung an der B 465 extrem hoch für die Anlieger ist, und zum anderen wegen der Einführung der Lkw-Maut", so der Sprecher. Präzise Vergleichszahlen gibt es nicht, da nur Zahlen aus dem Jahr 2000 an der Schlatterhöhe und in Unterlenningen vorliegen. "Man kann jedoch sagen, dass der Verkehr generell massiv zugenommen hat. Waren es an der Schlatterhöhe vor fünf Jahren 162 Lkws und Lastzüge, haben wir am Fuß der Grabenstetter Steige 766 gezählt", sagte Michael Kohn. In Unterlenningen hatte das Straßenbauamt im Jahr 2000 insgesamt 797 Lkws notiert. "Dieses Jahr waren es heftig mehr: exakt 1114", erläuterte der Agenda-Sprecher.

Die Frage nach den Mautprellern konnte er klar beantworten: "Es gibt zwar einige, aber es sind wenig. Unsere Bedenken haben sich also nicht bestätigt." Hinzu kommt, dass Anfang Mai die Arbeiten an der neuen Messe beim Flughafen richtig angelaufen sind. Nachfragen der Verwaltung haben ergeben, dass dadurch der nahegelegene Steinbruch überdurchschnittlich frequentiert wurde. "Sind es an normalen Tagen rund 280 Abfertigungen, waren es am 10. Mai etwa 440", sagte Lenningens Bürgermeister Schlecht.

Auf der B 465 gibt es kaum einen Zeitraum, wo gar nichts los ist. Insgesamt haben die Schüler am Rathaus in Unterlenningen in beiden Richtungen 10 830 Fahrzeuge gezählt. Es gibt absolute Spitzenzeiten wie beispielsweise morgens zwischen 7.45 und 8 Uhr in Richtung Brucken und zwischen 16 und 19 Uhr in Richtung Oberlenningen. Morgens um 5 Uhr geht der Verkehr richtig los, während es zwischen 0.30 und 4.15 Uhr relativ ruhig ist. Aus der Zählung lassen sich auch Schichtzeiten von Firmen erkennen. "Wir haben 110 Fahrzeuge innerhalb einer Viertelstunde gezählt, was bedeutet, dass alle 3,5 Sekunden ein Auto oder Lkw die Strecke passiert. Wer da über die Straße will, muss sich beeilen", sagte Michael Kohn. Wegen der Lkws wählte die Agenda-Gruppe bewusst einen Wochentag aus. Aus diesem Grund ist der Stop-and-Go-Verkehr an schönen Wochenenden, bedingt durch Alb-Ausflügler, nicht berücksichtigt.

Michael Kohn ist der Ansicht, dass die B 465 für den Durchfahrtsverkehr unattraktiv gemacht werden sollte, beispielsweise durch Rückbau oder Parkplätze, was dem örtlichen Handel zugute kommen würde. Dadurch könne auch der Nahverkehr gestärkt werden. "Es gibt keine Busverbindung zwischen dem Lenninger Tal und Nürtingen", gab er in diesem Zusammenhang zu bedenken.

"Es ist schwierig, aus dieser Verkehrszählung Schlüsse zu ziehen", sagte Michael Schlecht. Ein Rückbau einer Bundesstraße sei nahezu nicht realisierbar, zudem kann dies die Gemeinde nicht entscheiden. "Wir haben viel Binnenverkehr auch was die Lkws anbelangt. Wenn dann auch noch die Zellstoffanlieferung der Papierfabrik statt auf der Schiene auf der Straße stattfinden würde, wäre die Belastung nochmals höher", sagte er weiter. Schon allein aus diesem Grund macht er sich für den Erhalt der Teckbahn stark. Positiv überrascht ist der Schultes, dass der Maut-Schleichverkehr überschätzt wurde.

Großes Lob und Beifall für ihr Engagement erhielten die Schüler eine Abordnung hatte den Weg in die Gemeinderatssitzung gefunden von Michael Schlecht und dem Gemeinderat. Auch Michael Kohn zollte den Jugendlichen und ihrem Klassenlehrer Respekt für ihre Arbeit. "Daniel Hinze war bis auf eine kurze Pause die ganze Zeit anwesend. Auch die Schüler zeigten im Schichtbetrieb vollen Einsatz. In der Nacht war fast die Null-Grad-Grenze erreicht und trotz Ski- oder Motorradanzügen haben wir gefroren beinhart haben aber alle durchgehalten", zollte Michael Kohn den Beteiligten Respekt. Mit ihrer Arbeit für die Gemeinde hätten die Jugendlichen Sozialkompetenz bewiesen. "Mit diesen Zahlen kann man in Zukunft arbeiten", machte er den Wert deutlich.