Lokales

Keine Sprünge durch Hochhausfenster wie in der TV-Serie

LEINF.-ECHTERDINGEN Wenn sich Charly von Schumann in den Super-Hubschrauber AK-1 setzt, startet wilde Action. Im Kampf gegen die Bösewichte verfügt der "Helicop" aus der gleichnamigen Fernsehserie

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REGINA SCHULTZE über einen kugelsicheren Flieger mit In-frarotsensoren, starken Richtmikrofonen und einer Impulskanone. "Die sind mit viel futuristischer Technik ausgestattet, die es gar nicht gibt", grinst Rolf Gröner, seines Zeichens echter Helicop bei der Hubschrauberstaffel der baden-württembergischen Polizei. Er und seine 47 Fliegerkollegen sind auf dem US-Airfield beim Flughafen Leinfelden-Echterdingen stationiert, ein kleinerer Teil auf dem Flughafen Söllingen bei Baden-Baden.

Ein Beispiel der tollen TV-Technik: "Die können mit einer Anti-Voice-Taste auch die Hubschraubergeräusche unterdrücken", lacht der Polizeihauptkommissar. In der Realität lässt sich das nicht machen: Die 50 000 Umdrehungen der Rotoren werden immer zu hören sein, sagt der Pressesprecher der Hubschrauberstaffel. Obwohl sein großer Brummer EC 155 keine Heckrotoren mehr besitzt und dadurch erheblich leiser ist als frühere Modelle. Die Sat-1-Serie "Helicops Einsatz über Berlin" hat Gröner ein paar Mal gesehen. "Sie hat eine gehörige Portion Unterhaltungswert, aber sie ist unrealistisch", urteilt er. "Ich hab' da keine negativen Emotionen, aber ich guck's einfach nicht an." Krimis interessieren den 54-Jährigen im Fernsehen generell nicht, ob mit oder ohne Hubschrauber.

In der jüngsten Folge kam es zwar nicht vor, aber was Gröner an der Serie amüsiert: "Die fliegen auch zum Hangartor raus! Was glauben Sie, was da los wäre!" Ein Wirbelsturm würde einem Dreck und Werkzeuge nur so um die Ohren hauen. Während die Berliner Helicops vermutlich aus Schönheitsgründen nur mit Headsets (Kopfhörern) fliegen, starten die Stuttgarter prinzipiell mit weißem Fliegerhelm. "Der bietet doch einen gewissen Schutz". Während des Flugs rede man schon auch mal über Privates. Aber "auf gar keinen Fall" würde man deshalb die technische Checkliste ausfallen lassen, wie es Karl von Schumann (Christoph M. Ohrt) und sein Kollege Stephan Rubelli (Matthias Matz) machen, als sie zum nächtlichen Bankraub gerufen werden. Der Fall an sich ist allerdings authentisch. "Bei jeder Ringalarmfahndung sind wir automatisch dabei. Das ist aber selten so spektakulär wie im Film", sagt Gröner. Aber drei, vier Mal rücken die Piloten pro Woche schon zur Fahndung aus. Im wilden Schusswechsel blockieren die Helicops den Fluchtweg der Räuber. Bei Nacht gehe man üblicherweise nicht auf "Ameisenkniehöhe", wie es Gröner nennt. "Schon bei Tag sieht man Hochspannungs- und Telefonleitungen kaum." Üblicherweise koordinieren die Kommissare mit sechsjähriger Spezialausbildung den Einsatz von oben. Schusswechsel hat Gröner in seinen 21 Jahren als Pilot noch nie erlebt. Weder wurde er beschossen, noch hat er je vom Flieger aus geschossen wobei die Pistole im Schulterholster über dem grünen Overall dabei ist. Auf Umweltstreife oder bei der Suche nach Vermissten ist die Knarre aber unnötig.

Die Rolle von TV-Cop Rubelli ist unklar. Zwar mimt er den Co-Piloten, sitzt aber auch mal in der zweiten Reihe und gibt dort den Meister am Computer. "Wir fliegen zu dritt", erklärt Gröner. Auf dem rechten Sitz der Pilot, links der Co-Pilot und dahinter der FLIR-Operator, wobei die Abkürzung für Forward Looking In-fra Red steht. Gemeint ist der Mann an der Wärmekamera, auch ein Polizeibeamter, allerdings ohne Fluglizenz. "Laptops haben wir zwar an Bord, aber nicht die Software, um in den Daten von Banken rumzuturnen." Dagegen nimmt die Besatzung der Polizeihubschrauber Fotos von Unglücksorten auf und übermittelt sie, könnte aber auch Stadtpläne oder Architektenpläne von Häusern einspielen, um Peileinsätze zu fliegen, mit denen das Signal des berühmten präparierten Geldkoffers zu empfangen wäre. Unrealistisch, wenn Charly und Rubelli in der Spielbank recherchieren. "Wir machen keinerlei Ermittlung und keinerlei Sachbearbeitung. Sonst müssten wir ständig bei Gericht auftreten und kämen nicht mehr zu unseren eigentlichen Aufgaben." Toller Clou zum Schluss: Super-Charly springt vom Hubschrauber aus per Seil ins Hotelzimmer, um im Alleingang die Geiselnehmer zu überwältigen.

"Der Schwebeflug am Hotel ist schon schwierig", zollt der Hauptkommissar der Pilotenleistung Res-pekt. "Aber wir gehen nicht fensterln und schauen, wo der Täter ist. Bei uns würde auch nie einer allein reingehen, die Gefahr ist viel zu groß." Vielmehr würde die Hubschrauberstaffel mit ihrem Zwölfsitzer eine Einheit des Sondereinsatzkommandos (SEK) aus Göppingen abholen und auf dem Dach absetzen. Der telegene Sprung durchs splitternde Fenster würde in der Realität eher böse ausgehen: Die Lärmschutz- und Klimafenster wären wohl zu dick. "Die Wahrscheinlichkeit, dass er da nicht durchkommt, ist groß." Und falls er's doch schaffen sollte, würde Charly eher blutüberströmt seine Hechtrolle beenden.