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Keine Villa Kunterbunt, aber doch immerhin Farbkleckse

Für Mut zum Risiko plädierte bei der jüngsten Sitzung des Notzinger Gemeinderats nur ein Gemeinderat, als es um den neuen Anstrich für die Grundschule ging. Wenig Mut brauchte es dagegen, den Haushaltsplan 2006 zu verabschieden, obwohl es wegen des Bauhofbrandes Veränderungen zum Ansatz gab.

IRIS HÄFNER

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NOTZINGEN Der Brand beim Bauhof Ende vergangenen Jahres sorgt für höhere Kosten als ursprünglich angenommen. Aus der allgemeinen Rücklage werden deshalb statt der geplanten 404 000 Euro nun 434 000 Euro entnommen. Der Unimog, das wichtigste Fahrzeug beim Winterdienst und auch sonst universell einsetzbar, ist nicht mehr zu gebrauchen, weshalb ein neues Fahrzeug gekauft werden muss. "Ob die eingestellten 105 000 Euro ausreichend bemessen sind, ist sehr fraglich. Hier müssen wir wohl 30 000 Euro nachfinanzieren", erklärte Notzingens Bürgermeister Flogaus.

Um die unvorhergesehenen Kosten decken zu können, wird die Sanierung verschiedener Straßen auf 2007 verschoben. Der Ausbau der alten Ötlinger Straße wird erst mittelfristig erfolgen, wenn für dieses Gebiet eine Gesamtplanung vorliegt. "Es ist im Moment nicht klar, was dort in Zukunft passiert. Eine Investition wäre recht fraglich", sagte Jochen Flogaus.

Statt der geplanten 120 000 Euro sind es nun 150 000 Euro, die vom Vermögenshaushalt gebraucht werden, um den Verwaltungshaushalt ausgleichen zu können. Insgesamt hat das Rechenwerk ein Volumen von rund 5,73 Millionen Euro, einstimmig wurde es vom Gemeinderat verabschiedet.

Die SPD-Gemeinderatsfraktion hatte zuvor einen Antrag gestellt, der jedoch keine Mehrheit im Gremium fand. Im Zuge der Dachsanierung der Grundschule in Notzingen könnte ihrer Ansicht nach auch eine Photovoltaik-Anlage angebracht werden. Die Mehrkosten von etwa 20 000 Euro hätten nach Ansicht von Hans-Joachim Heberling durch einen Leasing-Vertrag der EDV-Ausstattung der Gemeinde eingespart werden können.

"Unser Antrag dürfte nicht überraschend kommen", erklärte Heberling. Gemeinsam mit der Lokalen Agenda ist die SPD eine glühende Verfechterin dieser Anlage. Die Gegenrechnung von Bürgermeister Flogaus, die auf der Auskunft des Regionalen Rechenzentrums beruht und wonach EDV-Leasing sogar über 48 000 Euro kosten würde, konnte er nicht so stehen lassen. "Ich habe mich regelrecht geärgert. Den Mann müsste man auf den nächsten BWL-Grundkurs schicken", ärgerte er sich. Technologie-Leasing würde schlichtweg anders funktionieren als Auto-Leasing und könne daher nicht verglichen werden, argumentierte er.

"Ich habe eigentlich geglaubt, das Thema wäre endgültig vom Tisch", wunderte sich dagegen Günter Barz (CDU), nachdem er vom neuerlichen Ruf nach der Photovoltaik-Anlage gehört hatte. Er ist prinzipiell gegen diese Form der Energiegewinnung, da sie der Steuerzahler subventiert und zudem die Entsorgung in diesem Betrag nicht berücksichtigt ist. Bei zwei Ja-Stimmen und einer Enthaltung wurde der SPD-Antrag abgelehnt. "Wenn die Schule oder der Förderverein diese Anlage finanziert, wird die Gemeinde dies unterstützen das haben wir schon vor geraumer Zeit so beschlossen", erinnerte Herbert Hiller (CDU). Bei einer Enthaltung und einer Nein-Stimme stimmte deshalb der Gemeinderat zu, das Dach der Grundschule für eine mögliche Photovoltaik-Anlage kostenlos zur Verfügung zu stellen, sich aber ansonsten nicht an Kosten zu beteiligen. Überprüft werden muss jedoch auch, ob die Tragfähigkeit ausreicht. Was die EDV-Ausstattung anbelangt, soll auf jeden Fall überprüft werden, ob die Gemeinde bei einem Leasingvertrag Geld sparen kann.

Die Arbeiten für die Sanierung der Grundschule wurden in der Sitzung vergeben. In den Pfingstferien sollen neue Alufenster im Wert von knapp 88 000 Euro eingebaut werden. Um einiges günstiger wird die Dachsanierung. Sie kostet rund 26 000 Euro. Die Schicht für die Wärmedämmung muss statt der geplanten 50 Millimeter allerdings 150 Millimeter betragen, was sich auch bei den Kosten auswirken wird. An den Jalousien aus dem Jahr 1957 hat verständlicherweise der Zahn der Zeit genagt. "Ich bin gegen neue Jalousien, da sie laufend repariert werden müssen", erklärte Jochen Flogaus. Als Sonnenschutz auf der Südseite sollen stattdessen Markisen angebracht werden.

In diesem Zusammenhang kam auch der Verschönerungsvorschlag der Schule zur Sprache. Ein wunderschön gemaltes Bild konnte Jochen Flogaus den Gemeinderäten präsentieren. Die Umrisse der Schule waren mit Motiven ähnlich des Malers Friedensreich Hundertwasser gestaltet, und liebevoll mit Glitzersteinchen bereichert. Das war den meisten Gemeinderäten nun doch etwas zu bunt. "Das kann vielleicht auf die Innenseite gemalt werden, aber sicher nicht in Richtung Gemeindehalle", war Herbert Hiller leicht entsetzt. Dem Vorschlag nicht abgeneigt war der Schultes. "Da darf ruhig Farbe ran. Wenn die Kombination mit der der Halle abgestimmt ist, könnte ich mir so etwas Ähnliches durchaus auf der niederen Wand im WC-Bereich vorstellen, insbesondere wenn es von der Schule mitgestaltet ist", erklärte er. Das beruhigte Herbert Hiller noch nicht ganz. Er will die Skizze vorher sehen.

Für Rudolf Kiltz ist der Anstrich eine Geschmackssache. "Wenn die Kinder ihre Schule selbst gestalten dürfen, motiviert das vielleicht, besser auf das Gebäude aufzupassen", hofft er. Völlig cool sieht dagegen Günter Barz die Angelegenheit: "Ich kann nur sagen: Mut zum Risiko. Die Halle hat eine klare Linie die Grundschule ist jedoch etwas völlig anderes. Einen leichten Farbklecks könnte ich mir gut vorstellen und wenn es uns überhaupt nicht gefällt, können wir einen Kübel weiße Farbe kaufen und drüberstreichen."