Lokales

Keine weiteren Stellenstreichungen

Von der schweren Geburt der Neuordnung der Kreiskrankenhäuser war bei der Verabschiedung der Wirtschaftspläne nichts mehr zu spüren. Beim Stellenabbau im künftig unter dem Namen "Klinikum Kirchheim-Nürtingen" firmierenden Haus an zwei Standorten ist offensichtlich das Ende der Fahnenstange erreicht.

ANKE KIRSAMMER

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KREIS ESSLINGEN "Das Budget für die Kreiskrankenhäuser wird 2005 nur um 0,38 Prozent steigen, die Kosten gehen allerdings um rund zwei Prozent nach oben." Landrat Heinz Eininger machte im Esslinger Kreistag beim Punkt Wirtschaftspläne 2005 für die dann drei Kreiskrankenhäuser, das "Klinikum Kirchheim-Nürtingen", das Kreiskrankenhaus Plochingen und das Paracelsus-Krankenhaus Ruit, deutlich, dass die Spielräume immer geringer werden. In dem 666 Betten umfassenden, vom 1. Januar an unter dem Namen "Klinikum Kirchheim-Nürtingen" firmierenden Haus (wir berichteten), seien Stellen abgebaut worden, um Doppelstrukturen zu vermeiden. Sparen sei insbesondere angesichts der bis 2009 stufenweise eingeführten landeseinheitlichen Basisfallwerte notwendig. Von da an bekommen alle Krankenhäuser Operationen und andere Behandlungen nach demselben Schlüssel vergütet. Weiteres Potenzial für Stellenstreichungen sieht der Krankenhausdirektor des Klinikums, Siegfried Schmid, indes nicht.

Die finanzielle Situation der Krankenhäuser im Kreis Esslingen stellt sich Eininger zufolge unterschiedlich dar: Während zu erwarten ist, dass sich die Kosten im "Klinikum Kirchheim-Nürtingen" nicht völlig mit den Pauschalen decken lassen, spielt das Paracelsus-Krankenhaus in Ruit höhere Einnahmen ein. "Ich hoffe, dass wir 2004 und 2005 insgesamt ein positives Ergebnis vorlegen können", so das Resümee des Kreisverwaltungschefs.

Nachdem das Sozialministerium der im April dieses Jahres vorgelegten Zielplanung für das Kirchheimer Haus grünes Licht erteilt hat, wird nun ein detaillierter Plan erarbeitet, um die genauen Kosten berechnen zu können. Der Antrag beim Sozialministerium auf Fördermittel soll im kommenden Frühjahr auf dieser Grundlage gestellt werden. Geschätzte Ausgaben für Umbauten und Anbauten: rund 13,3 Millionen Euro. Dabei geht es unter anderem darum, die von Nürtingen nach Kirchheim umziehende Psychiatrische Abteilung mit 108 Planbetten unterzubringen und die dafür notwendigen Therapieräume einzurichten. Außerdem wird die Sanierung eines im Jahr 1970 erstellten Bettenbaus in Kirchheim als dringend angesehen. Der Umbau dieses Back-steingebäudes wird sich auf weitere sieben Millionen Euro belaufen.

Bereits zum 1. Juni wurde die Zusammenführung der Abteilung Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Standort Nürtingen umgesetzt. Zum gleichen Stichtag wurde die Neurologie von Nürtingen nach Kirchheim verlegt und dort im Rahmen der Schlaganfallversorgung mit der Inneren Abteilung ausgebaut.

Wichtigste Neuerung des gesamten Konzepts ist allerdings der Neubau eines rund 96 Millionen Euro teuren Krankenhauses in Nürtingen. Derzeit geht der Kreis davon aus, dass er 21 Millionen Euro selbst tragen muss. "Der Baubeginn ist für 2006 vorgesehen", erklärte Eininger.

In Ruit entsteht derzeit ein Vitalcenter; außerdem werden im dortigen Gesundheitszentrum für fünf Millionen Euro ein ambulantes OP-Zentrum, ein Linksherzkathetermessplatz, ein Dialysezentrum und Praxisräume für niedergelassene Ärzte eingerichtet.

"Uns geht es darum, unsere Krankenhäuser weiterzuentwickeln; es geht um Kooperation, nicht um Konfrontation", betonte Eininger. Martin Fritz (CDU) drängte darauf, Synergieeffekte zwischen den einzelnen Häusern zu nutzen. Eugen Beck (Freie Wähler) sprach von einer erfolgreichen Krankenhauspolitik im Landkreis und mahnte, man müsse das "Großunternehmen Kreiskrankenhäuser" mit 2 300 Beschäftigten und 140 Millionen Euro Jahresumsatz auch als Wirtschaftsfaktor sehen. Als positives Signal wertete Gerhard Remppis (SPD), dass es erneut gelungen sei, eine Balance zu finden zwischen der Versorgungssicherheit auf der einen und der Wirtschaftlichkeit auf der anderen Seite.