Lokales

Keine Zeit?

Hektik, Urlaubsvorbereitungen, letzte Klassenarbeiten, allenthalben Grillfeste, Ernte in den Gärten und auf den Feldern. Da bleibt einem kaum noch Zeit!

Dabei beginnt unsere Lebenszeit so geruhsam. Als Kinder hatten wir so viel Zeit, die Jahre dehnten sich gewaltig, eine unabsehbare Zeitstrecke schien vor uns zu liegen. Doch je älter wir werden und je größer die zurückliegende Etappe geworden ist, desto schneller vergehen die Jahre, verfliegen die Lebensphasen, sodass wir plötzlich erschrecken über die begrenzte Zeit, die uns noch zur Verfügung steht.

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So kurz scheint die Zeit zu sein, die wir haben. Und wenn wir einmal vor Gott, unserem Schöpfer stehen, dann wird er uns die Frage stellen, die schon den "Hauptmann von Köpenick" bewegte: "Wat haste jemacht aus deim Lebm, Willem Voigt?" Was werden wir ihm dann zur Antwort geben?

Das Diktat der Uhren und Kalender bestimmt unseren Lebensrhythmus. Wir müssen die Zeit im Griff haben, sie ordnen und verwalten. Keine Sekunde, Minuten oder Stunde, kein Tag darf vertane Zeit sein. Und so präsentieren wir stolz unsere Zeitplaner mit den vielen Terminen, die bestätigen sollen, wie gut wir unser Leben im Griff haben. Es ist in unserer kurzatmigen Leistungsgesellschaft sogar verdächtig, öffentlich zuzugeben, dass man Zeit hat.

Menschen rasen und hetzen, um möglichst viel freie Zeit anzusammeln und diese dann zu genießen. Doch das gelingt selten. Unser Sprachgebrauch ist verräterisch. Wir sprechen von "verlorener Zeit", von der Zeit, die wir "totschlagen" oder auch "sparen". Dabei können wir gar keine Zeit ansammeln und sparen. Jeder Mensch hat eine Zeitspanne, die ihm zur Verfügung steht, und die er füllen kann.

Letztlich geht es nicht darum, die Zeit in den Griff zu bekommen, sondern zu lernen, seine Zeit bewusst zu leben. Denn die Zeit ist ein Geschenk.

Der jüdische König Hiskia erlebte einmal, wie Gott ihm Zeit schenkte. Er lag schwer krank auf seinem Bett. Er bat Gott um Verlängerung seiner Lebenszeit. Und Gott erhörte das Gebet. Noch weitere 15 Jahre gab er dem kranken König, indem er ihn nochmals gesund machte. So konnte der seine gute Regentschaft fortsetzen. (Bibel, 2. Könige 20)

Wie viel Zeit bekommen wir noch geschenkt? Wie werden wir diese Zeit nutzen?

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihre Zeit so einsetzen, dass sich Gott darüber freuen kann. Weil es für Sie und andere zur wertvollen Zeit wurde. Weil Sie Ihre Zeit mit anderen geteilt haben. Weil Sie sich Zeit für Gott genommen haben. Weil Sie sich der Hektik entzogen haben, um Zeit für Wichtiges zu haben.

So wünsche ich Ihnen eine gute Sommerzeit, Ihr Ekkehard Graf, Pfarrer in Owen