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"Keiner soll sich überfordert fühlen"

"Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir": Dieser Vorwurf ist eigentlich so alt wie die Schule selbst. Inzwischen lehrt aber das Leben vieles nicht mehr so wie früher, sodass die Schule einspringen muss. Kooperierende Einrichtungen wie das Kirchheimer "KiZ" können dabei helfen.

ANDREAS VOLZ

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KIRCHHEIM Das "Kommunikationszentrum für interkulturelle Zusammenarbeit (KiZ)" ist aus der

O:STERN.TI_Christlichen Arbeiterjugend (CAJ) in Kirchheim entstanden. Zunächst begann es mit einem offenen Jugendtreff am Nachmittag im Bohnauhaus. Frühzeitig kam auch der Kontakt zu Schulen zu Stande, allen voran zur benachbarten Raunerschule. Von Anfang an war es ein Bestreben des "KiZ", die Jugendlichen auf das Erwachsenwerden und das Leben nach der Schule vorzubereiten.

So bietet das KiZ-Team an der Schule "Tage der Orientierung" an oder Berufsvorbereitungsseminare (BVS). "Alle unsere Angebote sind immer aus der praktischen Arbeit heraus entstanden", sagt Diplomsozialarbeiterin Doris Kurka. Schülerinnen und Schüler werden im BVS intensiv auf den Übergang von der Schule zum Beruf vorbereitet und bekommen auch Unterstützung beim Schreiben von Bewerbungen. Das hat sich als besonders gefragt und notwendig erwiesen. Der Berufsinformationstag (BIT) wiederum, den das KiZ über viele Jahre hinweg im Programm hatte, ist mittlerweile gestrichen, weil es genügend andere Anbieter gibt, die Jugendliche unmittelbar vor der Berufswahl mit Ausbildern und Auszubildenden zusammenbringen.

Besonders wichtig ist es für KiZ-Leiter Wolfgang Schinko, mit vergleichbaren Einrichtungen vor Ort zusammenzuarbeiten statt sich Konkurrenz zu machen: "Wir sind Mitglied der Jugendagentur Kirchheim-Nürtingen." In diesem Verband haben sich verschiedene Jugendhilfeträger der Umgebung zusammengeschlossen. Die engste Kooperation besteht zurzeit mit dem Brückenhaus, dem Träger der Schulsozialarbeit an der Raunerschule. "Unsere Angebote ergänzen sich", lobt Wolfgang Schinko die Zusammenarbeit, und Doris Kurka fügt hinzu: "Die Zuständigkeiten sind klar geregelt. Jeder hat sein Aufgabenfeld, und bei Überschneidungen würde es Absprachen geben."

Wichtigstes Kooperationsgebiet zwischen KiZ und Brückenhaus ist das Schülercafé an der Raunerschule. Entstanden war es vor einigen Jahren während der Projekttage. Inzwischen hat das Schülercafé an zwei Tagen in der Woche in der Mittagszeit geöffnet: dienstags und donnerstags. Schülerteams verkaufen jeweils Snacks und Getränke, geben die Billardkugeln oder die Dartspfeile aus und kassieren dafür Pfand. So gut es geht, erledigen die Teams, die in der Regel aus vier Schülerinnen oder Schülern bestehen, diese Aufgaben selbstständig.

Hin und wieder ist aber Hilfe von außen gefragt, sei es beim Rausgeben von Wechselgeld, bei Streitigkeiten unter den Gästen oder auch bei der Zubereitung einfacher Speisen. "Keiner soll sich überfordert fühlen, vor allem die Jüngeren nicht", erklärt Wolfgang Schinko das Grundprinzip. Nebenbei lernen die Teammitglieder des Schülercafés auch ganz praktische Dinge, beispielsweise dass man Lebensmittel-Instantpulver im Normalfall mit heißem Wasser übergießt.

Die Betreuung des Schülercafés teilen sich Schulsozialarbeit und KiZ in stetem Wechsel: Donnerstags ist das KiZ-Team zuständig. "Wie viele Gäste im Durchschnitt das Schülercafé besuchen, lässt sich nur schwer sagen", erzählt Doris Kurka, "mal sind es 30 bis 40, manchmal auch nur fünf oder sechs. Das hängt vom Stundenplan ab, oder auch vom Freibadwetter." Wenn ein besonderes Essen angekündigt sei, etwa ein Nudelgericht mit Soße und Salat, gebe es in der Regel sehr viele Anmeldungen dafür. Für manche Schüler sei das Café im Keller der Raunerschule auch deshalb ein wichtiges Angebot, weil sie sonst in der Mittagzeit allein zu Hause wären.

Ob Schulsozialarbeit oder KiZ: Jugendliche können sich im Schülercafé auch mit ihren Problemen an die Betreuer wenden. "Das reicht von banalen Dingen wie Schulranzen verstecken bis hin zu Prügeln daheim", schildert Wolfgang Schinko die Bandbreite dessen, was die Jugendlichen bewegt. Mit viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl versuchen die Erwachsenen, den Schülern mit ihren jeweiligen Schwierigkeiten zu helfen.

Vom kommenden Schulhalbjahr an möchte das KiZ sein Engagement an der Raunerschule ausbauen und an drei Tage in der Woche zur Verfügung stehen natürlich weiterhin mit dem Schülercafé, aber auch bei einem "Aktionstag" an der Schule sowie an einem Tag im Bohnauhaus. Alle Angebote orientieren sich am tatsächlichen Bedarf und werden direkt mit der Schule abgesprochen. Wolfgang Schinko berichtet von einer Lehrerin, die bereits eine Hausaufgabenhilfe plant. Ansonsten ist auch daran gedacht, häufiger ein warmes Essen anzubieten. Im Schülercafé gibt es entsprechende Kochmöglichkeiten.

Alle neuen Angebote müssen natürlich finanziert werden. Dafür sind dieses Mal insbesondere unsere Leserinnen und Leser zuständig, die mit ihrer Spende für die Weihnachtsaktion auch das KiZ unterstützen. "Als jugendhausähnliche Einrichtung sind wir ein wichtiger Träger vor Ort", sagt Wolfgang Schinko, "aber bei den Mitteln werden die kleineren Einrichtungen oft vergessen. Die Teckboten-Weihnachtsaktion rettet unser Leben, unsere Existenz."

Wer unsere Aktion und damit auch das KiZ unterstützen möchte, bekommt hier noch einmal die Nummern unserer Spendenkonten aufgelistet:

Kreissparkasse 48 333 344 (BLZ 611 500 20) Volksbank 30 4777 005 (BLZ 612 901 20) Deutsche Bank 0700 500 00 (BLZ 611 700 76) BW-Bank 8 642 202 (BLZ 600 501 01) Commerzbank 9 100 009 00 (BLZ 611 400 71)