Lokales

"Keiner will über den Tod reden"

Die Reihe "Gebet für die Stadt" der Christlichen Initiative Kirchheim (CIK) erstreckt sich über das ganze Jahr hin und findet in unterschiedlichen Lokalitäten statt. Veranstaltungsort war diesmal die Aula der Alleenschule. Schwerpunktthemen des Abends waren der Kinderhospizdienst und die Arbeitsgemeinschaft Hospiz. Verantwortliche dieser Dienste stellten ihre Arbeit vor.

KIRCHHEIM Diakon Hug vom Kinderhospiz gab zu bedenken, dass in Deutschland 4 000 Kinder im Jahr an Krankheiten, oft genetisch bedingt, sterben. Wenn Kinder sterben, erfordert es meist eine besondere Zuwendung gegenüber den Gesunden in der Familie. Da helfen auch ehrenamtliche Patinnen und Paten. Er erläuterte dies an einem Beispiel, wo ein Dreijähriger diese besondere Zuwendung erfuhr, als seine sechsjährige Schwester sterbenskrank war. Bei Kindern ist es noch schwerer mit dem Tod umzugehen. Deshalb gibt es diese Fachstelle für alle, die damit zu tun haben. Diakon Hug möchte mehr Menschen mit einbeziehen: "Das könnten mehr, das könnten alle."

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Martina Berchtold von der Arbeitsgemeinschaft Hospiz, die 38 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat, sagte, dass es ihr am liebsten wäre, wenn alle Menschen sich mit dem Tod auseinandersetzen. Ihre Feststellung: "Keiner will alt werden, keiner sterben. Keiner in Familien darüber reden. Doch der Tod gehört wie die Geburt zum Leben." Bei vielen Sterbenden ist eine große Offenheit für das Beten vorhanden. Schön wäre es, die Hospize nicht mehr zu brauchen. Für die Mitarbeiter kommt bei ihrem Dienst viel Positives zurück. Berchtold: "Man sieht nach einem Gespräch die Blumen viel intensiver." Sehr oft wird ihr Dienst allerdings sehr spät gerufen.

Der Leiter des Amts für Familie und Soziales der Stadt Kirchheim, Roland Böhringer, berichtete anschließend über seine vielseitige Tätigkeit: Jugend, Familie, Senioren umfasst sein "Bauchladen". Nach 30 Dienstjahren, davon 25 im Bereich der Sozialhilfe, weiß er, wovon er spricht, wenn es um Integration geht: "Dass wir integrieren müssen, zeigt, dass etwas nicht stimmt in der Gesellschaft. Die Frage stellt sich: Wer ist drin? Es bedarf eines lebendigen Dialogs mit Ehrlichkeit und Offenheit bei Gesprächen mit Migrantinnen und Migranten." Eltern sollten mehr Verantwortung bei der Bildung übernehmen. Arbeit ist für den Menschen überlebenswichtig; die Nachbarschaftsnetzwerke Klosterviertel und Dettinger Weg waren Böhringers weitere Themen.

Im Anschluss an die Referate wurde für die jeweiligen Anliegen in kleinen Gruppen gebetet und die Verantwortlichen dadurch für ihre wertvolle Arbeit gestärkt. Der nächste Gebetsabend der CIK zum Thema "Schule und Bildung" findet am Mittwoch, 13. Juni, in der Auferstehungskirche statt.

pm