Lokales

"Kennst du die Heimat?"

NEIDLINGEN Eine Bereicherung ebenso wie eine Herausforderung stellten die Städte Heubach und Aalen im Ostalbkreis dar, wo Sehenswürdigkeiten von Weltrang und individuelle Attraktionen, die für sich sprechen, geradezu zum Besuch herausfordern. Entspannt, trotz kühler Witterung, fuhr man vom heimatlichen Albtrauf durch die vielseitige Mittelgebirgslandschaft der Schwäbischen Alb mit Wäldern, Ebenen, Bergen, Städten und Dörfern mit ihren trutzigen Burgen und ließ sich dabei über Sondernamen für Teile der Landschaft, wie "Kuchalb", "Rehgebirge" und gar "Furtlepass" informieren.

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Erster Halt galt der Stadt Heubach, die auf eine reiche Vergangenheit zurückblickt und eng mit der Burgruine Rosenstein, dem Wahrzeichen dieser Gegend, verknüpft ist. Wirtschaftlich in Schwung gekommen ist Heubach im 19. Jahrhundert durch Gründungen der Korsettmanufakturen Spießhofer & Braun oHG, heute Triumph International und Gottfried Schneider's Susa-Gründung. Das heute denkmalgeschützte Heubacher Schloss wurde 2005 behutsam einer neuen Nutzung zugeführt. Es beherbergt ein Miedermuseum, das einzige seiner Art in Deutschland.

Gut vorbereitet auf die dortige Führung waren die Landfrauen, denn Kulturwissenschaftlerin Kerstin Hopfensitz hatte bei ihrem Vortrag "Vom Schnürkorsett zur zweiten Haut" theoretisch kundgetan, was einst ab dem 16. Jahrhundert bis in unsere Zeit vor allem Unterwäsche mit dem Zeitgeist zu tun hat. Bei der gelungenen Führung wurde offenbart, "was die Damen im Laufe der Jahrhunderte verborgen hielten" und augenscheinlich bestätigte sich das geläufige Wort, dass, "wer schön sein wollte, wahrlich leiden musste". Auch der Wandel der verwendeten Materialien von Leinen über Baumwolle bis hin zum knisternden und knallbunten Perlon ist beeindruckend. Heute noch ist Heubach Stammsitz der bekannten Unternehmen "Triumph International" und "Susa".

Der Nachmittag gehörte der Römerstadt Aalen. Der Besuch im Limesmuseum mit einer kompetenten Führung gewährte Einblicke in die Welt der Römer vor knapp 2000 Jahren. Eine Tafel im Foyer des Museums weist darauf hin, dass seit Somer 2005 der obergermanisch-rätische Limes das längste Bodendenkmal Europas ist und dadurch zum Weltkulturerbe der UNESCO wurde. Die antike Grenze genießt dadurch internationalen Schutz und Limes-Touristen, die sich für die Römer und ihre Hinterlassenschaft interessieren, scheint es und das hat der Nachmittag bewiesen zuhauf zu geben.

"Spion von Aalen"Stadtinterne Informationen und die Sicht über die Stadt selber mit ihrem Umland galt es, vom siebten Stock des neuen Rathauses aus zu entdecken. Der anschließende Weg in die autofreie Fußgängerzone, vorbei an schmucken Fachwerkfassaden, Marktbrunnen, historischem Rathaus, Gassen, in denen das Flanieren Spaß macht, war mehr als interessant. Schon mit dem Ausflugsprogramm erfuhren die Frauen in Gedichtform etwas über den "Spion von Aalen", einer Symbolfigur aus dem Mittelalter, die das sagenumwobene Aalener Handwerksgeschick charakterisiert, wodurch es einst gelang, den Kaiser durch besänftigende, diplomatische Worte davon abzuhalten, Waffengewalt gegen die Stadt anzuwenden.

"Aalen hat keine Sehenswürdigkeiten Aalen ist eine"! Diese Worte stammen von keinem geringeren, als dem bekannten Landeskundler Professor Hermann Bausinger und die Landfrauen konnten dem uneingeschränkt zustimmen. Der von Ulrike Braun und Elsbeth Linsenmayer vorbereitete Ausflugstag präsentierte nicht nur verschiedene Blickwinkel in das Früher und Heute, sondern ließ auch ein wohltuendes, vertrautes Miteinander spüren.

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