Lokales

"Kernstadt" als "Unwort des Jahres"

Zur ÖBI-Jahresversammlung konnte der Vorsitzende, Hermann Kik, eine große Anzahl von Bürgerinnen und Bürger im "Rößle" begrüßen.

KIRCHHEIM Erster Tagesordnungspunkt war der Jahresbericht des Vorsitzenden, in dem er auf die Besichtigungen unter dem Begriff "ÖBI on tour" einging. Danach berichtete die Fraktionsvorsitzende Gundis Henzler über die Arbeit im Ortschaftsrat. Generell, so Henzler, ist festzustellen, dass es auf der Investitionsseite für den Ötlinger Stadtteil katastrophal aussehe. Weder in den letzten, noch in den kommenden Jahren gab es nennenswerte Projekte für den Stadtteil. Dies wäre unter der Prämisse "sparen" mitzutragen, gäbe es nicht millionenschwere Projekte in anderen Teilen der Stadt. Insbesondere die Beschlusslage bei der Eduard-Mörike-Mehrzeckhalle zeige sehr deutlich, dass es keine erkennbare Bewegung seit Jahren gebe.

Anzeige

Trotzdem, so Henzler, sind die zehn ÖBI-Ortschaftsräte sehr aktiv und dies nicht nur bei den Sitzungen. Auch bei Projekten wie "Frei- und Bewegungsräume", bei der Mitgestaltung der "Ötlinger Nachrichten", oder bei der Markungsputzete arbeitet die ÖBI tatkräftig mit.

Nach den Tätigkeitsberichten gab es den Kassenbericht von Kassier Gerhard Etzel. Danach erfolgte die einstimmige Entlastung des Kassiers. Bei den Wahlen gab es keine Veränderungen, der Vorsitzende Kik und sein Stellvertreter Joachim wurden einstimmig in den Ämtern bestätigt, ebenso Kassier Etzel.

Im Anschluss nahm der alte und neue Vorsitzende detailliert Stellung zum Haushalt 2007 und dem Haushaltsplan der Stadt für die kommenden Jahre. Er hatte sein Referat bewusst provokativ unter den Titel "Aktuelles aus der Kernstadt und dem Rest von Kirchheim" gestellt. Er zeigte auf, wo die Schwerpunkte bei Investitionen lagen und liegen werden.

Der Begriff "Kernstadt", so sei in der Ötlinger Bevölkerung vermehrt zu hören, werde verstärkt als "Unwort des Jahres" definiert. Kik zitierte den neuen Oberbürgermeister in Schwetzingen, der nicht zuletzt die Wahl für sich entscheiden konnte, weil er erklärte: "Man darf nicht nur in der Innenstadt klotzen und die Außenbezirke verkommen lassen."

Damit leitete Kik über zu den Ötlinger Dauerbrennern, die da sind Umbau des Bahnhofumfeldes in Verbindung mit der S-Bahn, die Sanierung der Eduard-Mörike-Mehrzeckhalle, der trotz Gemeinderats-Beschluss noch nicht überarbeite Bebauungsplan "Halde 1", oder der seit Jahren nicht vermarktete städtische Bauplatz am Rathaus, den überfälligen Umbau des Sandrasenplatzes im "Rübholz" oder auch die Planungen um die XXL-Logistikhalle der Stadt Wendlingen. Für den Umbau des Bahnhofsumfeldes seien zwischenzeitlich wieder Gelder im Finanzplan enthalten, es bleibe zu hoffen, dass dies auch entsprechend dem Zeitplan so bleibe.

Bezüglich der Planungen der Stadt Wendlingen über den Bau einer XXL-Logistikhalle auf einer Fläche von fünf Hektar nicht weit von der Kirchheimer Markung müssten eigentlich bei der Verwaltung und den Gemeinderäten die Alarmglocken schrillen, meinte der Redner, auch die Abgeordneten dürften beweisen, wie bürgernah sie sind. Bisher gibt es allerdings von keiner Seite entsprechende Signale. Die ÖBI fordert, dass dieses Riesenbauvorhaben zur Chefsache und geklärt wird, wie viele Lkw auf die Ötlinger zukommen. Weiter wird erwartet, dass, analog dem Postfrachtzentrum in Köngen, geklärt wird, welche Möglichkeiten es gibt, die An- und Abfahrtsrouten oder auch die Zeiten festzulegen. Auch eine vorgezogene Südumfahrung von Ötlingen darf nicht tabu bleiben, immerhin haben die Wendlinger und Köngener damals erreicht, dass an der B 313 eine extra Aus-Einfahrt gebaut wurde.

Im Vordergrund der Ausführungen stand natürlich die seit Jahren laufend nach hinten geschobene Sanierung der Eduard-Mörike-Mehrzweckhalle. Zwischenzeitlich könne man nicht mehr von Renovierung sprechen, so heruntergewirtschaftet sei diese Halle. Nach wie vor wartet die ÖBI auf die Vorschläge aus der Klausurtagung, die da hießen "verpachten, verkaufen, verschenken". Kik machte deutlich, dass eine Renovierung oder der Betrieb mit einem angedachten Genossenschaftsmodell mit ihm nur machbar sei, wenn auch die übrigen Hallen der Stadt nach dem gleichen Modell künftig betrieben werden. Es könne nicht sein, dass die Ötlinger Halle, die unstrittig die am besten ausgelastete Halle im gesamten Stadtgebiet ist, im Ehrenamt renoviert und betrieben wird, während andere Hallen unter der Regie der Stadt betrieben werden. Dies hätte, wenn es so kommen sollte, mit fairem Steuergeldeinsatz in der Gesamtstadt nichts zu tun.

Der Bebauungsplan "Halde 1" wurde von der ÖBI in der jetzigen Form noch nie mitgetragen, im Wesentlichen wegen zu hoher Wohndichte und zu wenig Parkplätzen. Die mehr als schleppende Vermarktung zeige aber deutlich, dass am Markt vorbei beschlossen wurde. Der Gemeinderat hat auf Antrag des Ortschaftsrates eine Überarbeitung des Bebauungsplanes im Dezember 2005 beschlossen mit dem Ziel, auch den Bau von kleineren Wohngebäuden, wie Ein- oder Zweifamilienhäuser, zu ermöglichen. Brach liegt auch der Bauplatz südlich des Rathauses. Gerade in der heutigen Zeit fehlen diese Einnahmen der Stadt.

Kik bedankte sich abschließend bei allen ÖBI-Ortschaftsräten und den vielen Helfern im Hintergrund für ihren Einsatz.

pm