Lokales

Kickstarter, coole Knatterkisten, knackige Kombis und Kaiserwetter

BISSINGEN Die Morgensonne lässt das lackierte und verchromte Metall blitzen und blinken. Da stehen sie, aufgereiht und bestaunt von ihren Fans: die alten Motorräder der Marken Adler, BMW, DKW, Horex, Maico, Puch, Scott, Standard, Triumph, Zündapp und wie sie alle hei-

Anzeige

RICHARD UMSTADT

ßen. Alle warten sie darauf, von ihren Besitzern per Kickstarter angeworfen zu werden und zum Start der 11. Oldtimer-Rallye der Bissinger Oldtimer-Veteranen-Gemeinschaft in der Stahlbrunnstraße zu knattern und zu tuckern.

Eine Reihe weiter parken Autos, die man entweder vom Hören-Sagen oder aus der Kindheit kennt: ein DKW, ein Karmann Ghia, ein Opel Diplomat, ein Austin Healey, ein Opel Olympia, ein Daimler Benz 170 VA, zwei tschechische Aeros, ein Triumph Spitfire, ein Chevrolet und ein Ford T, Baujahr 1911, das älteste Fahrzeug der 11. Bissinger Oldtimer-Rallye, gefahren von Friedrich Kayser aus Schorndorf.

Um 10 Uhr ist es so weit. Die rund 120 Motorräder mit und ohne Beiwagen, Motorroller, alten Autos und Traktoren werden nach einer kurzen Vorstellung und mit viel Applaus auf die rund 60 Kilometer lange Tour von Bissingen über Weilheim, Gruibingen, Mühlhausen, Gosbach, Bad Ditzenbach, Auendorf, Gammelshausen, Heiningen, Bezgenriet, Hattenhofen, Zell und Weilheim wieder zurück nach Bissingen geschickt. Zwei Runden müssen die Oldies drehen und dabei Wertungsprüfungen ablegen. Etwas kürzer ist der Rundkurs der Fahrer von Lanz & Co. Ausnahmen gibt's für Fahrer des Jahrgangs 1933 und früher wie zum Beispiel für den ältesten Teilnehmer, den 80-jährigen Erwin Walter aus Esslingen. Er braucht ebenso wie die Fahrer der Uraltklassen sowie Fahrer von Omnibussen, Lkw, Unimogs und Feuerwehrfahrzeugen die große Strecke nur einmal zu fahren.

Annerose Bayer, 43, mit der Startnummer 18 aus Diegelsberg bei Uhingen, eine der wenigen Frauen im Fahrerlager, fährt zwei Runden und belegt schließlich den dritten Platz in der Damenwertung hinter Kornelia Kunkel und Rosemarie Weber. Ihre schwarze NSU D, Baujahr 1934, bringt mit ihren sechs Pferdestärken eine Höchstgeschwindigkeit von 75 Stundenkilometern auf die Straße. Die Maschine ist sehr gepflegt und seit 26 Jahren im Familienbesitz. Annerose Bayers Mann fand das kostbare Stück auf einem Bauernhof in Boll, eingegraben im Hühnermist. Bereits als Kind durfte die blonde Annerose im Beiwagen des Oldie-Motorrads ihres Vaters bei den Rallyes mitfahren. Deshalb stand für sie fest: Wenn ich 18 bin, mache ich den Motorradführerschein. Gesagt, getan. Danach fuhr sie eine alte Standard, "dann kam die Familie dazwischen". Seit rund zehn Jahren tuckert sie mit der schwarzen NSU bei den Oldtimer-Rallyes mit. Vier bis fünf Mal war sie in Bissingen damit am Start. "Das ist von Diegelsberg gut per Achse erreichbar", sagt die 43-Jährige. Bei Zuverlässigkeitsfahrten, die weiter weg sind, lädt Annerose Bayer ihren Oldie auf den Anhänger. Die Fahrer der alten Gefährte kennen sich. "Da herrscht Hilfsbereitschaft. Wir sind wie eine große Familie."

Apropos Familie: Auch der Vater der Diegelsbergerin war bei der 11. Oldtimer-Rallye in Bissingen mit einem BMW-Gespann mit dabei. Und in zwei Jahren wird vielleicht ihre Tochter ebenfalls starten, vermutet Annerose Bayer. Dann pflegen drei Generationen ein gemeinsames Hobby: Die Liebe zu alten, "fahrbaren Untersätzen".

Dass sie damit nicht allein sind, belegen die Teilnehmerzahlen der OVG-Rallyes der vergangenen Jahre. Konstant steigerte sich die Zahl der Oldtimerfreunde. Für den ersten OVG-Vorsitzenden Herbert Hummel ein erfreuliches Zeichen. Freilich bedeutet dies mehr Arbeit für den Verein. Mit der Organisation der diesjährigen Veranstaltung wurde deshalb bereits im Oktober 2004 begonnen. Bei der Rallye selbst haben die Helfer am Start, im Büro, an der Kasse und in der Küche alle Hände voll zu tun. Doch die Zuverlässigkeitsfahrt selbst verläuft trotz der mörderischen Hitze ohne Ausfälle.

Gesamtsieger wurde übrigens Karl-Heinz Mayer aus Burgberg auf BMW. Er fuhr auch in der Gruppe B nach vorne.

In der Gruppe A siegte Franz Abele aus Ellwangen auf NSU Max, in der Gruppe C Roland Brökel aus Herxheim, in der Gruppe D Wolf Dambach aus Brucken auf Daimler Benz und in der Gruppe E Uwe Binder aus Nabern auf Porsche junior.

Daniel Haas aus Bissingen ging mit 17 Jahren auf einem Eicher-Schlepper als jüngster Teilnehmer an den Start. Der älteste Bus, ein Renault-Bus, Baujahr 1935, kam aus Degerloch und wurde von Klaus Maier chauffiert. Hans-Peter Kiltz aus Jesingen steuerte den ältesten Traktor, einen Lanz Aulendorf, Baujahr 1941. Aus dem Jahre 1919 stammte das älteste Zweirad, eine Omega Sport, gefahren von Günter Henrici.

Die weiteste Anreise hatte Rüdiger Feil. Er kam mit seiner BMW R25/2 aus Anger im Bayrischen Wald.