Lokales

"Kinder brauchen Werte" klar und welche?

"Du kannst aus einer Annemone keine Rose machen pflegen, beobachten, annehmen, nur so gelingt Wertevermittlung."

ERIKA HILLEGAART

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LENNINGEN Wie groß der Wunsch nach Orientierung vor allem von Müttern im Erziehungsalltag ist, zeigte der gute Besuch des Vortrags der Familientherapeutin Rita Landenberger. Die Erzieherinnen des Tobelkindergartens und die örtlichen Kirchengemeinden hatten in das Julius-von-Jan-Gemeindehaus eingeladen zum Thema "Kinder brauchen Werte".

Bei der Aussprache und am Büchertisch des Dettinger "Büchercafes" zeigten die Besucher ein hohes Interesse am Problem der Wertevermittlung. Aktuell seien die Klagen über die respektlose Jugend ohne Tugend seit Hesiod und Sokrates schon im ersten vorchristlichen Jahrtausend gewesen. "Erziehung ist", so begann die Vortragende, "Erziehung ist auch eine Frage der Beziehung, der Gefühle und des gemeinsamen Lebens. Werte sind das Rüstzeug für die eigene Lebensgestaltung." Gegenseitiger Respekt, Ehrlichkeit, Fairness, Verantwortungsbewusstsein, Anteilnahme und Einfühlung, Streitkultur und Konfliktlösung und Naturliebe all dies gelte es beispielhaft einzuüben und gäbe Verhaltenssicherheit.

Doch Rita Landenberger zählte nicht auf. Sie bettete die Perlen der Tugend in anschauliche Geschichten und Erfahrungen, sie verknüpfte Wertvorstellungen sinnvoll miteinander. Selbstverständlich hinterfragte sie klassisch gepriesene Tugenden und sprach auch vom Wertemissbrauch, Treue, Gehorsam, Vaterlandsliebe, Fleiß und Demut sind in Misskredit geraten. Jetzt in der Erinnerung an die Agonie der letzten Kriegstage kommt dies allerorts zur Sprache und schärft in besonderem Maße die Eigenverantwortung der Erziehenden.

Die Therapeutin zitierte fragend "Werte sind sittliche Wahrheiten und das Gute ist eingetaucht in das Heilige". Sie blieb hier aber ihren Hörern eine Gedankenvertiefung schuldig. Sie belegte zwar, dass sekundäre Werte oder Tugenden dem Zeitwandel unterworfen sind die Begriffe Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit blieben undefiniert, nicht integriert in das Thema.

Umso plastischer erzählte sie aus ihrer Lebenspraxis, sprach von der Chance der Rollenspiele, der Geschichten und Bilder, von der Fantasie und Fabulierkunst im magischen Kindesalter, lauter Bausteine bei und für die Gewissensbildung. "Kinder brauchen Werte." Der englische Autor Wayne Dosick hat diesen bestimmenden und klaren Titel für sein erfolgreiches Buch gewählt. Das gleich formulierte Erziehungsthema forderte auch in Lenningen zum Hören und Diskutieren heraus.

Übrigens: Wert und Würde haben denselben sprachlichen Ursprung. Verbindet man den ursächlich kaufmännischen-Begriff des Wertes wieder enger mit seiner Zwillingsschwester Würde zusammen, so läge ein goldener Schlüssel in den Händen der Erziehenden.