Lokales

Kinder in der City erwünscht

Günter Riemer verhehlte weder den Techniker im Bürgermeister noch das berühmte Kind im Manne: "Es macht einen Heidenspaß, physikalisch-technische Spielgeräte auszuprobieren", rühmte er die Spielpunkt-Konzeption für die Innenstadt und versprach: "Das ist auch für Erwachsene geeignet!" Positiv nahm der Technische Ausschuss (TA) die Planung auf. Kritik gab's am Spielplatzstandort hinter der Bastion.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Gemeinsam mit Grünflächenamtsleiter Jürgen Völker hatten die Garten- und Landschaftsplaner Marion Thiede, Stephan Eurich und Jochen Köber die Kirchheimer Innenstadt unter die Lupe genommen. "Unser Ziel ist, die gesamte Innenstadt zum Spielraum zu machen, unter Einbeziehung aller Generationen", fasste Jochen Köber die Ergebnisse zusammen. Die Alt-Kirchheimer im Rund konnten bestätigen: Manche Nischen, in denen sie früher als Kinder noch gespielt hatten, sind für die heutige Jugend verloren gegangen. Dafür soll Ersatz geschaffen werden. Die Fachleute denken an einzelne Spielpunkte, wollen jedoch die eigentliche Fußgängerzone unberührt lassen.

"Wir haben den Schwerpunkt auf den Alleenring gelegt", erläuterte Marion Thiede. Vorgesehen sind etliche einzelne Spielpunkte, die zu Bewegung motivieren, mit dem Element Wasser konfrontieren oder auch den Forschergeist wecken. Eine Art Spielpfad könnte von der Martinskirche über das Schloss bis zum Wachthaus führen. Im westlichen Bereich wird vor allem im Schlossgraben großes Potenzial gesehen. So liebäugeln die Planer in der Nähe des bestehenden Spielplatzes mit einer Boulebahn, damit die Gegend auch für Ältere attraktiv wird und durch mehr Betrieb "bessere Sozialkontrolle" stattfindet, wie Köber ausführte.

Redner mehrerer Fraktionen lobten die Planung. "Ich habe mir immer beiläufiges Spielen in der Innenstadt gewünscht", offenbarte Sabine Bur am Orde-Käß von den Grünen Alternativen und hob eine kinderfreundliche Innenstadt als wichtigen Standortfaktor hervor.

Bürgermeister Günter Riemer bezeichnete die Gesamtkonzeption als ausgesprochen reizvoll. Die Aufteilung auf viele Spielpunkte komme der städtebaulichen Situation zugute. Die ganz unterschiedlich aufgebauten Spielgeräte heben sich zudem vom Standardspielplatz ab. Überdies pr

opagierte er die Chance, Händler über Sponsoring einzubeziehen, ganz nach dem von Professor Dr. Franz Pesch unlängst im Rahmen des Stadtforums propagierten Gedanken, dass Stadt verpflichten müsse. Ähnliche Grundideen hatte auch Andreas Schwarz von den Grünen Alternativen bereits mehrfach unter dem Stichwort "Business Improvement District" eingefordert. Dabei handelt es sich um räumlich begrenzte innerstädtische Bereiche, in denen sich Eigentümer und Gewerbetreibende mit dem Ziel zusammenschließen, das geschäftliche und städtische Umfeld zu verbessern. Hier, bei der Spielplatzkonzeption, könnte der Gedanken von der Selbstverpflichtung des Einzelnen zum Wohle des Ganzen konkrete Gestalt annehmen.

Problematischer als die Spielpunktkonzeption gestaltete sich im TA die Planung, einen Kinderpielplatz hinter der Bastion für Sechs- bis Zwölfjährige einzurichten. Förderung im Rahmen des Sanierungsgebiets Vogthausviertel sind sicher. Jochen Köber stellte ein Kletterensemble mit Brückenelemten am äußeren Rand des Rollschuhplatzes vor, das vielfältige und fantasievolle Nutzung zulässt.

Das Modell überzeugte, allein der Platz missfiel. Von einem "schwierigen Standort" sprach Hagen Zweifel, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, und Tonja Brinks (SPD) hielt den Ort für zu dunkel, zu wenig einsehbar. Der usprünglich als Alternative angedachte Vogthausgarten scheidet allerdings nach Meinung der Planer aus, ist doch dieser Bereich eher Kleinkindern vorbehalten. Jürgen Völker wies darauf hin, dass hinter dem Rollschuhplatz weniger Störungen für die Innenstadt zu erwarten seien.

Ulrich Kübler (Freie Wähler) schlug vor, den Spielplatz wenigstens näher an den Alleenring und an den Eingang der neuen Tiefgarage zu rücken, wo er sozusagen am Tor der Stadt gut platziert sei. Ebenso wie Albert Kahle (FDP/KIBÜ) erinnerte er sich daran, dort schon zu Kinderzeiten gespielt zu haben. Allgemein überwog im Rund das schlechte Gefühl beim Standort in der aktuellen Planung. Die Fachleute sollen nun andere Möglichkeiten für den Spielplatz für Schulkinder ausloten.