Lokales

"Kinder sagen Ja zur Schöpfung"

Viele Sterne gingen gestern Abend vom Kirchheimer Rathaus aus auf Wanderschaft. Nach altem Brauch wollen die Sternsinger das Licht Gottes in die Welt tragen, ausgesandt wurden sie durch die beiden Pfarrer der katholischen Kirchengemeinden Sankt Ulrich und Maria Königin.

IRIS HÄFNER

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KIRCHHEIM Eine große Schar Kinder belebte gestern die Rathausarkaden. Festlich gewandet lauschten sie den Worten der Pfarrer und sangen zu Posaunenklängen die traditionellen Lieder der Aussendungsfeier. In ihren farbenfrohen Kleidern und Umhängen aufwendig gefertigte Kronen und glitzernde Kappen dürfen dabei nicht fehlen verkörpern sie die drei Weisen aus dem Morgenland. Allen voran leuchtet der Stern, der ihnen den Weg zeigt und von Hoffnung kündet.

"Tianay ny Haritanan'Atra Kinder sagen ja zur Schöpfung" unter diesem Motto steht die Sternsingeraktion in diesem Jahr. Damit soll Kindern in armen Ländern geholfen werden, ein besseres Leben zu führen, damit sie eine Zukunft haben. Dazu gehört auch, die natürlichen Ressourcen zu schützen. "Ihr helft mit, Gottes Schöpfung auf der ganzen Welt zu bewahren", sagte Pfarrer Keil in seiner kurzen Ansprache. Damit wollen die jungen Christen deutlich machen, dass Kindern überall auf der Welt der Schutz von Natur und Umwelt wichtig ist. Den Geistlichen freut es, dass sich auch viele evangelische Kinder an der Aktion beteiligen. "Dies ist ein schönes ökumenisches Zeichen", betonte er.

Madagaskar ist dieses Jahr das Beispielland. Die Abholzung des Waldes, Klimawandel und Umweltverschmutzung behindern den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt großer Teile der Bevölkerung in vielen Ländern der Dritten Welt, insbesondere auch in Madagaskar. Mit dem gesammelten Geld sollen daher konkrete Maßnahmen zur Verbesserung und für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen von Kindern verwirklicht werden. Dazu zählen beispielsweise Bildungs- und Ausbildungsprojekte, bei denen den Kindern und Jugendlichen ein sorgsamer Umgang mit den Ressourcen und somit der Natur nahegebracht wird. Zudem sollen die schlimmsten Folgen von Umweltzerstörung und Klimawandel durch Ernährungs- und Gesundheitsprojekte verringert werden.

"Die Menschen in Madagaskar sind auf die Natur angewiesen und gleichzeitig herausgefordert, Alternativen im Umgang mit den Ressourcen zu finden", sagt Pfarrer Andreas Mauritz, Bundespräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend. Vor allem Kinder und Jugendliche hätten dort die Aufgabe, Entscheidungsträger, Eltern und Großeltern davon zu überzeugen, dass beispielsweise das Abholzen der Wälder zur Gewinnung von Brennholz künftig nicht der alleinige Weg zur Energiegewinnung sein könne. Dazu sei jedoch weltweite Solidarität nötig.

Madagaskar ist ein Land von vielen. Die Erlöse aus dem Dreikönigssingen sind für Kinder-Hilfsprogramme rund um den Globus bestimmt. Es ist die weltweit größte Solidaritätsaktion, bei der sich Kinder für Kinder einsetzen. Getragen wird die Aktion vom Kindermissionswerk "Die Sternsinger" und vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend. Durchschnittlich werden etwa 3000 Projekte in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa unterstützt.

Weihrauch, Sterne und Kreide erhielten von Pfarrer Hierlemann vor dem Kirchheimer Rathaus den Segen. "20 * C + M + B * 07 Christus segne dieses Haus", dieses Zeichen schreiben die Kinder über all jene Türen der Häuser, bei deren Bewohnern sie willkommen geheißen werden. Dies ist jedoch nicht selbstverständlich. "Zugeschlagene Türen müsst ihr locker nehmen und einfach weitergehen auch wenn das im fünften Stock nicht immer leicht fällt", riet Pfarrer Keil seinen Schützlingen.

Ausgesandt werden die Kinder aber vor allem deshalb, um den Menschen in Kirchheim, in den Vororten und den angrenzenden Gemeinden Freude zu bereiten und selbst Freude an der Aktion zu haben. Auch wenn Pfarrer Keil betonte, dass es nicht allein ums Geld geht, so ist es doch für alle Beteiligten eine Bestätigung, wenn Not leidenden Kindern geholfen werden kann. So bitten die Sternsinger um Gaben, damit all denjenigen Kindern ein Stern aufgehen kann, die unter Krieg, Armut und Hunger leiden, oder zu harter Arbeit gezwungen sind.

Als ob der Himmel die Zeichen der Zeit erkannt hätte, leuchtete er den Kindern in der Max-Eyth-Straße in seltener Weise entgegen, die sich auf den Weg ins Krankenhaus machten: mal in zarten, mal in kräftigen Rosatönen, durch Schäfchenwolken durchschimmernd.