Lokales

"Kinder stark machen und immer aufs Neue Vertrauen schaffen"

Es sind nicht nur die verheißungsvoll klingenden Namen wie Rigio, Premix, Bibop, Pusckin Vibe, Viala Carma und andere. Es sind auch Farben rot, blau oder giftgrün, die als "hippes Getränk" für viele Jugendliche aber auch schon Kinder "in und geil" sind.

NEIDLINGEN Alcopops, die modernen und leider sehr gefährlichen Mixgetränke aus hochprozentigem Alkohol in mit viel Zucker angereicherten Limonaden gelten als das aktuelle Kultgetränk unter Jugendlichen.

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Die Neidlinger Landfrauen holten sich zu dieser Thematik Christiane Heinze, Suchtbeauftragte in der Jugend- und Drogenberatung des Landkreises Esslingen, um sich informieren zu lassen. Ein Teil der Arbeit der Referentin zielt in Richtung Präventation.

Ihre deutlich gemachte berufliche Realitätsnähe zu diesem gesellschaftlichen Problem spiegelte sich in ihrem Impulsreferat wider, das knallhart bewies: Handlungsbedarf ist akut vorhanden. Von Verharmlosung kann nicht gesprochen werden und eine Debatte über Folgen und Alcopopsmissbrauch ist dringend vonnöten.

Für Eltern, Großeltern, Erzieher, aber genauso für Politker und in der Jugendarbeit Verantwortliche ist das Wissen über die Gefahren von Alcopops als Verführer die veritable Chance, nicht nur informiert zu sein, sondern auch als aufklärende und verantwortungsvolle Multiplikatoren zu agieren.

"Jungen probieren zwar, bleiben aber beim Bier", so die Referentin, "doch speziell für Mädchen wird das Getränk gefährlich." In jüngster Zeit ist die Zahl der Mädchen, die wegen Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus gebracht werden mussten, um 40 Prozent gestiegen. Viele Konsumenten haben zudem längst nicht das Mindestalter von 18 Jahren erreicht, wenn sie Alcopops kaufen und zu sich nehmen. So wird eine Tür für einen immer früheren und regelmäßigen Alkoholkonsum aufgestoßen und nur selten lässt sie sich wieder schließen.

Die erfindungsreiche Werbung bezeichnet diese Getränke als "junge, freudige Stimmungsheber" und die damit gewünschte Verkaufsstrategie scheint aufzugehen, denn es werden über 300-prozentige Umsatzsteigerungen verzeichnet. Alkohol gehört nicht nur bei Jugendlichen in unserer Gesellschaft dazu, doch werden die Regeln für den Umgang und den Verzehr meistens außer Acht gelassen. In Deutschland leben vier Millionen Alkoholiker und erschreckend ist das regelmäßige Trinken, wie oftmals das Vorleben und der Umgang in Familie und Gesellschaft. Suchtvorbeugung kann in der Praxis nicht mit "Drohen" geschehen, wenn damit keine konsequente Haltung beim Trinken wie beim Rauchen einhergeht. Jugendliche beobachten mit hellwachen Augen das Vorleben der Erwachsenen und reagieren entsprechend.

Eltern, Lehrer und vor allem auch Jugendleiter in Vereinen sind zur Aufklärung gefordert. Die "Präventation" als solche war und ist Christine Heinze ein großes Anliegen. Ein wichtiger Punkt dabei: "Kinder stark machen", den Kindern ihr Selbstwertgefühl, ihre Konfliktfähigkeit stärken, immer aufs Neue Vertrauen schaffen und mit ihnen immer wieder reden.

Die Fragen und Antworten in der Aussprache haben ergänzend und aufbauend zu allem, was an diesem Abend zum Thema gefallen ist, mehr als deutlich gemacht, dass noch unheimlich viel zu tun bleibt, damit die Kinder und Jugendlichen von heute nicht zu Alkoholikern von morgen werden, die sich selber zerstören, ihre Familien, so sie denn solche haben, in schlimme, ausweglose Situationen bringen und nicht zuletzt der Allgemeinheit die Folgekosten ihrer Sucht aufbürden.

rr