Lokales

Kinder werden fundiert beobachtet

In den Kindergärten tut sich was: Die Mitarbeiterinnen betätigen sich nicht nur erzieherisch, sondern zunehmend auch dokumentarisch. Darüber informierte die Owener Stadtverwaltung den Gemeinderat in dessen jüngster Sitzung.

ANDREAS VOLZOWEN Anlass der Diskussion im Owener Gemeinderat war die Neufassung der Benutzungsordnung für die Kindergärten. Änderungen hätten sich unter anderem dadurch ergeben, dass jetzt auch Kinder unter drei Jahren die Owener Kindergärten besuchen können, erklärte Bürgermeister Siegfried Roser.

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Interessierte Nachfragen ergaben sich dann aber vor allem aus dem Punkt, dass mindestens einmal im Jahr ein "strukturiertes Elterngespräch" stattfinden soll. Grundlage dieser Gespräche sind laut Benutzungsordnung "systematische Beobachtungen des pädagogischen Fachpersonals und deren fundierte, schriftliche Dokumentation sowie Bild- und Videodokumentationen".

Während Stadträtin Karin Warth fragte, wie eine solch umfangreiche Dokumentation auf das dokumentierte Kind wirke, das eventuell den Erwartungen und Ansprüchen an ein Kind seines Alters nicht genüge, sah ihr Ratskollege Thomas Kerssens in dieser Dokumentation auch eine Chance für die Kinder. Fehlentwicklungen ließen sich dadurch erkennen und rechtzeitig korrigieren, und außerdem müssten die Beobachtungen ja nicht vor den Augen der Kinder niedergeschrieben werden.

Bürgermeister Roser wiederum wollte die Gefahr nicht von der Hand weisen, dass die Vision eines totalen Überwachungsstaats nach George Orwells Roman "1984" durch Bilddokumentationen ein Stück weit Realität werden könne. Andererseits sieht er darin auch einen Vorteil für die Erzieherinnen, obwohl die Dokumentation für sie wesentlich mehr Arbeit bedeute: "Eltern glauben viele Dinge einfach nicht, und wir müssen sie dann beweisen können." Motorische Störungen beispielsweise könnten sich am besten anhand von Videosequenzen aufzeigen lassen.

Nach Ansicht von Kämmerer Werner Kazmaier hat die Dokumentation überwiegend Vorteile: "Das ist richtig, was da läuft. So viel wie Kinder in den ersten fünf Jahren lernen, lernen sie nie mehr. Da müssen wir in der Betreuung aufholen." Natürlich bringe die ausführliche Dokumentation viel zusätzlichen Aufwand für die Erzieherinnen mit sich, aber die Eltern bekämen somit auch ihrerseits die theoretische Möglichkeit, die grundsätzliche Arbeit in den Kindergärten kontrollieren zu können.

Was die mögliche Furcht vor einem Überwachungsstaat angeht, versicherte Werner Kazmaier, dass die einzelnen Akten nach dem Ende der Kindergartenzeit an die Eltern übergeben werden, ohne dass eine Kopie davon im Kindergarten bleibe. Die Eltern bekommen dann also nicht nur eine Mappe mit Kunstwerken und kunsthandwerklichen Arbeiten ihrer Sprösslinge, sondern auch noch eine Art Familienalbum aus dem Kindergarten.