Lokales

Kinderkrippen besonders beliebt

Sollmarke an U 3-Betreuungsplätzen bis 2013 im Landkreis nur schwer zu erreichen

Ab August 2013 haben Kinder bis unter drei Jahren einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Kinderkrippe oder Kindertagespflege. Inzwischen schufen die Kommunen im Landkreis Esslingen knapp 16 Prozent an Betreuungsplätzen. Die Belegung liegt bei 13,3 Prozent. Das Land geht von einem Bedarf bis 2013 von 34 Prozent aus.

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richard umstadt

Esslingen. Eltern greifen in den Städten und Gemeinden des Landkreises besonders gerne auf Kinderkrippen zurück. Dies geht zu Lasten altersgemischter Gruppen und der Tagespflege. Als Gründe nennt der Bericht hierfür die kleineren Gruppengrößen und die homogene Zusammensetzung in den U 3-Krippen im Vergleich zu altersgemischten Gruppen. Eine Betreuung durch Erzieherinnen einer kommunal eingerichteten Kinderkrippe erleben viele Eltern transparenter als die Tagespflege, auch die Anbindung an einen Träger mag aus Elternsicht für eine Einrichtung sprechen.

Deshalb startete die Kindertagespflege im Landkreis Esslingen eine Offensive und nahm am bundesweiten „Aktionsprogramm Kindertagespflege“ teil, strukturierte den Tageselternverein Esslingen neu (siehe oben) und erarbeitete Konzepte zur Kooperation zwischen Kindertagespflege und institutioneller Betreuung, unter anderem auch am Modellstandort Dettingen. Ziel dabei ist, beide gleichrangigen Angebote miteinander zu vernetzen, Kindertagespflege in den Kommunen noch mehr zu verankern und diese familiennahe Betreuungsform für Eltern transparenter und attraktiver zu machen.

Den Rückgang in der Kindertagespflege führt die Kreisverwaltung „aller Erfahrung nach“ nicht auf eine zu geringe Vergütung zurück, sondern sieht den Grund in steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Änderungen. Um unter der Bemessungsgrenze zu bleiben, werden weniger Kinder aufgenommen. Aufgrund der Neugründung des Tageselternvereins wird für 2010 von einem Ausbau der Plätze ausgegangen.

Wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, gibt es in fast allen altersgemischten Gruppen noch freie Plätze. Dies fällt besonders in Kommunen auf, die Betreuungsplätze in Krippen anbieten. Es könnte aber auch mit örtlichen Bedingungen wie Öffnungszeiten, konzeptionellem Angebot oder mit dem „Image“ einer Einrichtung zusammenhängen.

Landkreisweit ist das Verhältnis zwischen Betreuungsplätzen in Kinderkrippen und der Kindertagespflege 71 zu 29 Prozent. Das entspricht der fachlichen Einschätzung auf Bundes- und Landesebene, die von 70 zu 30 Prozent ausgehen.

Ausgehend von den Planungen der Kommunen bis 2013 werden dann tatsächlich knapp 25 Prozent an Betreuungsplätzen im Landkreis vorhanden sein. Für die Kreisverwaltung ist es allerdings fraglich, ob mit dieser Planung, abweichend von der vom Land gesetzten Marke von 34 Prozent, der Bedarf der Tagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren im Landkreis tatsächlich gedeckt werden kann.

Für die Planung der Kleinkindbetreuung in den kommenden Jahren empfiehlt die Projektgruppe einen parallelen Ausbau von institutioneller Betreuung und Kindertagespflege. Dies führe zum einen zu mehr Planungssicherheit und trage zum anderen dem Wunsch- und Wahlrecht der Eltern Rechnung. Insbesondere Krippenangebote sollen ausgebaut werden.

Im Kreis wurden im Rahmen des Investitionsprogramms des Bundes 2,7 Millionen Euro für 547 Plätze in U 3- und altersgemischten Gruppen und 165 Kita-Plätze bewilligt.

Aktuell wird diskutiert, ob der Rechtsanspruch angesichts leerer Kassen der Kommunen zu halten ist. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes fehlen in Baden-Württemberg rund 50 000 Plätze. Die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände prognostiziert für 2013 einen weit höheren Betreuungsbedarf als bundesweit 34 Prozent. Länder und Bund sollen sich stärker beteiligen, so ihr Wunsch.