Lokales

Kindheitstraum von frisch duftenden Broten

„Schmeck die Teck“: Für Bäckermeister Frank Bohnacker ist global denken und regional handeln kein Widerspruch

Qualitativ hochwertige Lebensmittel herstellen, deren Rohstoffe von Landwirten und Mühlen aus der Region um die Teck stammen, das haben sich Bäcker im Verein „Schmeck die Teck“ auf ihre Fahnen geschrieben. In einer lockeren Serie stellt der Teckbote die Vereinsmitglieder vor. Heute: die Bäckerei-Konditorei Bohnacker in Unterlenningen.

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richard umstadt

Lenningen. Er hat sich von klein auf in der wohlig warmen Backstube im Oberlenninger Burgtobelweg inmitten von frisch duftenden Brotlaiben am wohlsten gefühlt. 2003 erfüllte sich Frank Bohnacker, 36, ein Kindheitstraum und er übernahm in der fünften Generation den elterlichen Betrieb von Alfred und Monika Bohnacker. Dabei gehen die Ursprünge der Bäckerei ins Jahr 1882 zurück. Damals stand ein gewisser Christian Baumann in der Backstube. Ihm folgte dessen Sohn Gottlieb, der Urgroßvater von Frank Bohnacker, mütterlicherseits.

Der junge Bäckermeister und Konditor hält nicht nur die Tradition des Familienbetriebs aufrecht, sondern fühlt sich auch dem Handwerk in einer sich wandelnden Welt verpflichtet. Als „Schmeck die Teck“-Mitglied besinnt er sich in Zeiten der Globalisierung auf das zurück, was die heimische Region bietet. Durch die Vernetzung der Anbieter im Verein wird die regionale Vermarktung belebt. Frank Bohnacker ist überzeugt von der Regionalität, Ökologie und Förderung der lokalen bäuerlichen und handwerklichen Strukturen. Deshalb bezieht er das Getreide für seine Vollkornprodukte vom Biolandhof Armin Kächele in Unterlenningen, der ebenfalls Mitglied von „Schmeck die Teck“ ist. Der Bioroggen, -weizen und -dinkel wird unmittelbar vor der Verarbeitung auf der Steinmühle der Bäckerei gemahlen. Daraus entstehen dann in sorgfältiger Handarbeit mit Meersalz, Hefe, Saaten, Wasser und einem Natursauerteig oder Vorteig eine der vielfältigen Brotsorten der Bäckerei-Konditorei Bohnacker. Dabei wurde das Sortiment an Vollkornbackwaren aus Kächele-Mehl stark ausgeweitet. Mehl aus konventionell angebautem Getreide kauft der Oberlenninger Bäckermeister in der Sting-Mühle in Jesingen, einem anderen „Schmeck die Teck“-Mitglied. Insgesamt, so schätzt Frank Bohnacker, verarbeitet er rund 100 Tonnen Mehl im Jahr.

Die Teiglinge werden nicht als Billig-billig-Produkte aus dem Osten angekarrt, sondern von Frank und Alfred Bohnacker sowie den sechs Gesellen im Burgtobelweg selbst hergestellt. Auch kauft der Bäckermeister keine Fertigmischungen hinzu. Die Produktionskosten sind deshalb zwar etwas höher, doch wirkt sich dies nur moderat auf den Verkaufspreis aus, und dem Geschmack tut‘s allemal gut, davon ist Frank Bohnacker überzeugt, und seine Kunden bestätigen es ihm. „Wir verzichten bewusst auf Automation, sodass wir unsere Teige auf traditionelle Weise zu gesunden und nährstoffreichen Lebensmitteln verarbeiten können.“

Außer im Verkaufsgeschäft am Marktplatz 2 in Oberlenningen ist die Bäckerei Bohnacker seit November 2006 auch mit einer Filiale in Linsenhofen vertreten. „Deren Umsatz hat unsere Erwartungen weit übertroffen“, freut sich der Bäcker. Die Kundschaft kommt nicht nur aus Linsenhofen, sondern auch aus Frickenhausen, Beuren und Neuffen. Mit den Teilzeitkräften beschäftigt der Handwerksbetrieb insgesamt 25 Mitarbeiter und zwei Lehrlinge.

In den Verkaufsläden gibt es rund um die Uhr frische Brezeln, die dort, wie auch die Teiglinge, die Mittagsbrötchen, Baguettes und Snacks gebacken werden. Neben der schwäbischen Laugenspezialität, die noch nach alter Väter Sitte von Hand geschlungen wird, gehören auch das eingenetzte Bauernbrot sowie die Vollkornbrote und Körnerbrötchen zu den Hauptprodukten der Oberlenninger Bäckerei. Freilich müsste sich der Konditor sein Lehrgeld zurückzahlen lassen, würde er nicht auch die Torten, Kuchen, Anisbrote, Löffelbiskuite, Pralinen, Schokoladehasen und Weihnachtsmänner selbst herstellen. „Das Anisbrot hat schon der Großvater gebacken“, erinnert sich Monika Bohnacker und weiß, ohne das Geheimnis zu lüften, „da hat jeder seine eigene Rezeptur wie bei den Brezeln auch.“

Dass ein Bäcker mit wenig Schlaf auskommen muss, ist kein Klischee, sondern Tatsache. Frank Bohnacker kann ein Lied davon singen. Zwischen Mitternacht und 11 Uhr vormittags steppt in der Backstube der Bär. Doch für den Bäckermeister, der gegen 2 Uhr in der Hauptproduktionszeit einsteigt, ist am Vormittag noch kein Ende in Sicht. Das Büro ruft und das Bett muss warten. An Schlaf kann er erst des Nachmittags denken, bevor er dann abends wieder die Produktion des nächsten Tages vorbereitet. Sein Handwerk gelernt hat der 36-Jährige in den Bäckereien Kicherer, Jesingen, und Walz, Neckarhausen. Anschließend arbeitete er ein Jahr lang in Wengen bei Grindelwald in der Schweiz. Dann absolvierte Frank Bohnacker erfolgreich die Meisterschule und übernahm im April 2003 mit dem elterlichen Betrieb auch das Ladengeschäft der ehemaligen Bäckerei Kurfess am Oberlenninger Marktplatz.

Die Rückbesinnung auf Regionalität in Zeiten der Globalisierung schließt den Blick über den nationalen Tellerrand nicht aus. Gute, freundschaftliche Kontakte zu erfahrenen Bäckern, unter anderem aus der Schweiz und Italien, ermöglichten dem schwäbischen Bäckermeister und Konditor Zugang zu Originalrezepten ganz besonderer Genüsse. Diese bietet die Bäckerei im Rahmen von Aktionswochen an. So gab‘s unter dem Motto „Hopp, Schwiiz!“ gebackene Köstlichkeiten aus dem Land der Eidgenossen, „Bella Italia“ lockte mit Foccacia, Ciabatta sowie Mascarpone-Schnitten und weiteren italienischen Leckereien, und auch „genießen wie in Frankreich“ wurde im Lenninger Tal möglich – ganz nach dem Motto „Wer die Teck schmeckt, schmeckt die Welt“.

Der Verein „Schmeck die Teck“ wurde am 4. April 2001 gegründet und zählt heute rund 20 Mitglieder. Vorsitzender ist Klaus Lang aus Ohmden, Geschäftsführerin Anne Rahm aus Köngen. Über sie sind weitere Informationen über den Verein zu erhalten unter der Telefonnummer 07024/86 82 75 oder per Internet unter der Adresse Schmeckdieteck@web.de.