Lokales

Kino Frech in die Kulissen geschoben

Die Filmförderung Baden-Württemberg prämiert engagierte Kinobetreiber und anspruchsvolle Programme. Kirchheims "Kino-Fossil" Eberhard Frech wurde mit anderen Prämierten aus dem ganzen Ländle nach Ludwigsburg zur Preisübergabe eingeladen.

ALEXANDRA BOGER

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KIRCHHEIM "Hätte ich das Kino! Was ist daneben das Buch? Was ist daneben das Theater?", meinte im Jahr 1920 Carlo Mierendorff über dieses besondere Medium. Damals flimmerten die Filme noch in schwarz-weiß und stumm über die Leinwand. Um so bunter und lauter ging es jetzt zu, als im Schloss Favorite in Ludwigsburg die Preise der Medien- und Filmgesellschaft, Filmförderung Baden-Württemberg verliehen wurden.

Unter den 45 Preisträgern mit einer Gesamtdotierung von rund 170 000 Euro war dieses Jahr zum zweiten Mal die Kirchheimer Kinofamilie Frech. Vater Richard Frech gründete zur Zeit des Wirtschaftswunders das Unternehmen im Jahr 1952 als Wanderkino. Mit einem Projektor zog er durch die Dörfer rund um die Teckstadt. Das Central-Kino in der Dreikönigsstraße war aus einer alten Scheuer entstanden und damals ein Nebenerwerb "heute hat das mit Erwerb nichts mehr zu tun, das ist eher ein Hobby", so Eberhard Frech. Der Filmliebhaber, vor allem bei Actionklassikern wie "Ben Hur", betreibt das Kino aus Spaß und Leidenschaft, vielleicht auch aus Tradition, wie er meint. Eigentlich ist er Diplom-Ingenieur für Maschinenbau und arbeitet bei Bosch in der Projektleitung. So findet seine Passion für Film und Maschinen in den beiden Frech'schen Kinos in Kirchheim ihre Umsetzung: "Klar, ich reparier alles selbst," bestätigt Eberhard Frech, der mit seinem Bruder Wolfgang das Central- und das Tyroler-Kino betreibt.

Die Fähigkeit, vieles selbst zu machen, Autodidakt zu sein und improvisieren zu können, ist bei solchen kleinen gewerblichen Kinos laut Eberhard Frech elementar, wenn man anspruchsvolles Kino zeigt, das eben kein Massenprodukt ist. So arbeiten sie stark mit Kultureinrichtungen der Stadt, wie der Volkshochschule oder amnesty international zusammen. Die Familie Frech spricht mit ihrem Programm, einer Mischung aus "Arthouse" und Progammkino, ein bestimmtes Publikum an, das ausgewählte Qualität und niveauvolles Kino erwartet. Damit fallen Filme, in denen brutale Gewalt zu sehen ist oder die reißerisch alle Filmeffekte auskosten, für die Kinofamilie weg und damit auch viel Publikum von 15 bis 30 Jahren.

Für mittelständische gewerbliche Kinobetreiber ist somit der Preis der Filmförderung gedacht. Die Medien- und Filmgesellschaft des Landes will durch die Urkunde und die damit verbundene Preisdotierung das Engagement um hochwertige Filme, das regionale Kino und die so entstehende Vielfalt in der Kinolandschaft würdigen.

Zur Verleihung lud die Medien- und Filmgesellschaft die Kinobetreiber ins Ludwigsburger "Jagd- und Lustschlösschen Favorite" und holte so manchen damit von der Leinwand weg in ein Ambiente, das wie im Film anmutete. Auf dem leicht zum Schloss ansteigenden Weg, den Rehe kreuzten, standen Kerzen Spalier. Orangegelb angestrahlt, mit weißen Pavillons und Oleanderbäumen, wirkte die Szenerie des Schlosses, das auch die Kulisse zu Wieland Backes' Nachtcafe bildet, wie ein Märchenfilm. Unter den Anwesenden waren auch solche, die sonst eher zweidimensional aus Presse und Fernsehen bekannt sind. Der Minister des Staatsministeriums für europäische Angelegenheiten in Baden-Württemberg, Willi Stächele und Markus Brock vom Südwestfernsehen, an diesem Tag Moderator der Preisverleihung, boten einen Teil des prominenten Rahmens. Markus Brock, selbst Filmliebhaber, erinnerte sich an seinen letzten Kinobesuch: "Ich habe 'Der ewige Gärtner' gesehen." Der Moderator meint: "Ein paar Themen werden erst durch Satire spannend. Es müsste zum Beispiel mehr Filme über das Filmgeschäft an sich geben."

Vor der Preisverleihung war Familie Frech zu lockeren Scherzen im Gespräch mit Ministers Stächele aufgelegt, der vorab prophezeite: "Sie werden heute auch in die Kulisse geschoben."

Nach den ersten Prämierungen stieg die Spannung bei Eberhard Frech und Frau Ulrike, die für das Programm und zusammen mit ihrem Mann für die Filmauswahl verantwortlich ist. "Umso später, desto besser," erhoffte sich Eberhard Frech seinen Auftritt, denn die Dotierungen reichten gestaffelt von 1 000 bis 7 500 Euro. Der Preis für das "herausragende Filmprogramm" wurde sogar mit 15 000 Euro prämiert, der an den "Gloria-Film" in Heidelberg ging. In den Kategorien "spannende Filmreihen", "besonderes Kinder- und Jugendprogramm" sowie "qualitativ bemerkenswertes Jahresfilmprogramm" wurden die etwas anderen "Helden des Films" geehrt.

Eberhard und Ulrike Frech nahmen den Preis in der Kategorie "besondere Filmreihen" im Wert von 2 500 Euro für das "Tyroler" und "Central" entgegen. Dieses Geld muss im Kinobetrieb investiert werden, und Eberhard Frech hat schon einige Ideen. Beide Kinos wurden in letzter Zeit teilweise erneuert, zum Beispiel mit einer besseren Tonanlage und Renovierung einer T

oilette im "Tyroler", das seit diesem Jahr eine neue Dachterrasse hat, die bald eröffnet wird und für die Zukunft steht die Anschaffung einer neuen Projektionstechnik an.