Lokales

Kirche hält Guggenmusik stand

Von der Empore schallt Guggenmusik, während Pfarrer und Ministranten durch die Kirche schreiten: Fasnet und Lebenslust harmonierten bei der Narrenmesse in Wernau bestens mit dem Bekenntnis zu Gott. Rund 1400 Besucher feierten in der Kirche Sankt Magnus ein fröhlich-närrisches "Fest des Glaubens".

KARIN AIT ATMANE

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WERNAU Regelmäßig alle drei Jahre ziehen in Wernau die Narren in die Kirche ein, samt Farbenpracht und Festlaune. Gelbe Heckarutscher und rot-schwarze Gesgassdeifel füllten gestern die vorderen Kirchenbänke, Narrenfahnen und ein Netz mit Masken und Saxofon hingen im Altarraum. Im eigens für diesen Anlass gegründeten Narrenchor mischten sich Hästräger verschiedenster Gruppen.

Auch zu hören war Ungewöhnliches. So begrüßten nicht nur Zunftmeisterin Rita Zink und "Till" Eberhard Lauer die Kirchgänger in Reimen, sondern auch Pfarrer Wolfgang Schrenk. Klamauk war das trotzdem nicht, denn die Messe knüpfte zahlreiche Verbindungen zwischen dem ausgelassenen Treiben, dem Glauben und dem Gottesdienst-Motto "Begegnungen".

Auch im Häs sollte keiner vergessen, dass Gott einen Narren gefressen habe an den Menschen, meinte die Zunftmeisterin während der Pfarrer daran erinnerte, dass in der Kirche jede Woche eine frohe Botschaft verkündet werde.

"Häs" und "Larve" lassen soziale und andere Unterschiede verschwinden, schaffen Gemeinschaft und fröhliche Feste. Davon berichteten verschiedene Zunftmitglieder, denen "die Menschen hinter der Maske am wichtigsten sind." Die Fasnet als Zeit, aufeinander zuzugehen, sich auf Augenhöhe zu begegnen, war ihre Botschaft. In diesem Sinn wanderten symbolische Netze über dieKöpfe in den Kirchenbänken hinweg.

Singend und klatschend standen die Besucher, teilweise von weit her angefahren, bei den mitreißenden Liedern des Narrenchors auf. Auch Gospel- und Rap-Klänge waren in der Kirche zu hören. Umgekehrt überraschten die Bodenbachsymphoniker mit einem neuen Stück: "Freude schöner Götterfunken" spielten sie im ersten Durchgang sogar richtig harmonisch, bevor es dann ordentlich in Guggen-Manier trötete.

Übringens wollen die Wernauer Hästräger in der Fasnetszeit weiterhin auch Ernstes im Auge behalten. Sie sammeln an Ständen und bei Festen für den leukämiekranken Tobias, dem auch die Kollekte aus der Messe zugute kommt.