Lokales

Kirche muss mit Kindergärten präsent bleiben

Angesichts knapper Finanzen kommen immer mehr kirchliche Kindergärten auf den Prüfstand. In der Synode der württembergischen Landeskirche wurde leidenschaftlich über die Zukunft christlicher Kindertagesstätten diskutiert. Die Synodale der "Lebendigen Gemeinde" Sibylle Lehmann berichtet.

OWEN Trotz knapper werdender Finanzen sollen die Kirchengemeinden unbedingt ihre kirchlichen Kindergärten weiterführen. Der synodale Ausschuss für Bildung und Jugend, dem Sibylle Lehmann angehört, forderte die Kirchengemeinden auf, die eigenen Kindereinrichtungen nicht nur als Last, sondern auch als Chance zu begreifen. Die Kindergartenarbeit sollte Teil einer Gemeindekonzeption und mit anderen Aktivitäten der Gemeinde vernetzt sein. 515 evangelische Kirchengemeinden betreiben in Württemberg noch Kindergärten, davon fünf im Dekanat Kirchheim.

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Sibylle Lehmann ist der Meinung, dass es im Land möglichst flächendeckend erreichbare evangelische Kindergärten mit klarem christlichem Profil geben solle. Nun solle jede Kirchengemeinde und jeder Bezirk selbst vor Ort prüfen, ob nicht ein inhaltlicher Schwerpunkt mit der Kindergartenarbeit gesetzt und finanziert werden könne. "Wichtig ist eine enge Verbindung der Kirchengemeinde mit ihrem Kindergarten. Regelmäßige Besprechungen und gemeinsame Veranstaltungen sollten üblich sein."

Erfreut begrüßt die Synodale aus dem Kirchheimer Dekanat, dass die Arbeit der "Bildungsinitiative" weitere Anerkennung erfahren wird. Die im deutschsprachigen Raum tätige Organisation mit Sitz in Kirchheim bildet in Seelsorge und Lebensberatung aus. Während die Landeskirche bislang nur die Seelsorgeausbildung anerkannt habe, habe die Synode nun den Oberkirchenrat aufgefordert, auch die Ausbildung für ehrenamtliche Lebensberatung durch die Bildungsinitiative anzuerkennen. Lehmann: "Ich freue mich darüber, wenn sich noch mehr Christen ausbilden lassen, weil ich schon Menschen, die mit ihren Problemen nie zur Diakonischen Bezirksstelle oder zum Pfarrer gegangen wären, an solche Lebensberaterinnen vermitteln konnte."

Zur bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft informierte sich die Synode über die damit verstärkt einhergehende Zwangsprostitution und erklärte sich entschieden dagegen.

Das schon lange zuvor festgelegte Schwerpunktthema "Der Islam in Württemberg miteinander leben lernen" war durch die Vorfälle der letzten Monate hoch aktuell geworden. Landesbischof Frank July sprach die Situation des mit der Todesstrafe bedrohten afghanischen Christen Abdul Rahman an. Er forderte die Glaubensfreiheit ein und verlangte die Einstellung des in Afghanistan laufenden Gerichtsverfahrens. Auch die Ausschreitungen im Zusammenhang mit den dänischen Mohammed-Karikaturen prägten den derzeitigen Eindruck vom Islam. Als erfreulich empfand die Synode die Gesprächsbereitschaft von in Deutschland lebenden Muslimen.

Der Kirchenbeauftragte der Landesregierung, Staatssekretär Rudolf Böhmler, machte in seinem Grußwort die Bedeutung der Kirchen für das Zusammenleben mit Muslimen im Land deutlich. Der ehemalige Kirchenrat Albrecht Hauser betonte in seinem Vortrag die "gravierenden Unterschiede" zwischen dem christlichen und dem muslimischen Glauben. Sie bestünden nicht nur in Randfragen, sondern im Zentrum. Im Westen dürfe nicht vergessen werden, dass der Islam keine Trennung von Staat und Religion kenne. Daher sei diese Religion immer zugleich politisch und nie eine rein persönliche Angelegenheit, wie es in Europa seit der Aufklärung der Fall sei. Christen sollten im Kontakt mit Muslimen "bekennen, warum wir Christen sind und auch angesichts des Islams unbeirrt Christen bleiben wollen".

Die Aussprache zum Thema schildert Sibylle Lehmann als teils sehr emotional, aber mit der Bemühung, sachlich zu bleiben. Für ihren Gesprächskreis "Lebendige Gemeinde", der die Mehrheit im Kirchenparlament stellt, sprach der Tübinger Theologe und Journalist Steffen Kern. Er betonte, dass ein gemeinsames Gebet nicht möglich sei, da Jesus im Islam als Sohn Gottes abgelehnt werde, aber Christen immer mit Gott als dem Vater Jesu Christi sprächen.

Er ermutigte dazu, auf muslimische Mitbürger zuzugehen, freundlich und ohne Berührungsängste oder Vorurteile. Man solle einander nachbarschaftlich begegnen und auch vom eigenen Glauben sprechen. In den Gesprächen bleibe wichtig, dass sich Christen und Muslime in Deutschland für Religionsfreiheit in islamischen Ländern einsetzen, auch für das Recht auf Religionswechsel. Weitere Synodale beklagten die verheerende Situation verfolgter Christen in islamischen Ländern. Sie forderten die Verantwortlichen in Kirche und Politik dazu auf, sich verstärkt für verfolgte Christen einzusetzen.

eg