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KIRCHHEIM Das Seebeben, das am 26. Dezember ...

KIRCHHEIM Das Seebeben, das am 26. Dezember 2004 riesige Flutwellen im Indischen Ozean ausgelöst hat, wird als Jahrhundertkatastrophe in die Geschichte eingehen. Die Zahl der Toten schwankt zwischen 160 000 und 300 000, Millionen wurden obdachlos und verloren ihre Existenz.

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Die Überlebenden sprechen vom "Schwarzen Sonntag". Es ist so, als hätte für sie eine neue Zeitrechnung begonnen. Viele kämpfen gegen die Armut. Allein in Sri Lanka haben 14 000 Menschen den Arbeitsplatz in der Tourismusbranche verloren. Wer in die betroffenen Gebiete reist, unterstützt den Wiederaufbau. Die Hotels und Ayurveda-Zentren an der Westküste sind wieder geöffnet.

Roland Kilgus aus Neckartenzlingen ist einer, der die Notwendigkeit von langfristiger Hilfe erkannte und auch entsprechende Beziehungen nach Sri Lanka hat. Der ehemalige Leiter der Gewerbli-chen Schule Metzingen und frühere Direktor des "Ceylon German Technical Training Institute" baute von 1970 bis 1976 in Colombo eine Berufsschule auf. Seit 20 Jahren gibt es zwischen dieser Schule und der Gewerblichen Schule in Metzingen eine Schulpartnerschaft. Nach der Katastrophe rief Kilgus beim Direktor der Schule an. Was der 68-Jährige hörte, klang schlimm. Ein Schüler war getötet worden, viele Angestellte und Schüler hatten große Schäden zu verzeichnen. Kilgus beschloss zu helfen. Zusammen mit dem Lions-Club reagierte er schnell. Ziel war es, einige Menschen so zu unterstützen, dass sie wieder auf ihren eigenen Füßen stehen können.

Als Roland Kilgus seine Hilfsaktion startete, ahnte er noch nicht, welche Kreise diese ziehen würde. Inzwischen ist das Spendenkonto des Lions-Clubs Nürtingen-Kirchheim auf 120 000 Euro angewachsen. Bislang wurden mit dieser großenSumme beachtliche Ziele realisiert. Ein Haus wurde wieder aufgebaut, vier Häuser für Geschädigte gekauft. Drei Mal gab es Zuschüsse für den Wiederaufbau von zerstörten Häusern. Für eine weitere Familie wird ein Haus gesucht. Kilgus und sein Team kümmerten sich aber nicht nur um Häuser. Sie gewährten auch sonstige Zuschüsse und erbrachten andere Hilfeleistungen. Vier Mal wurden mit den Spenden Zuschüsse für den Lebensunterhalt von Eltern, deren Werkstätten durch den Tsunami zu Schaden kamen, gezahlt.

Ein Fischer, ein Schneider, ein Schweißer sowie ein Kfz-Mechaniker wurden mit für ihren Beruf unabdingbaren Utensilien ausgestattet. Für 16 Familien wurden Haushalts- und Küchenutensilien angeschafft. Zwei Grundschulen wurden mit dem Kauf von Büchern, Schulmöbeln und Gaskochern unterstützt. Die Größe der gespendeten Summe und ein durchdachtes Konzept haben namhafte Partner davon überzeugt, sich an der Hilfe mitzubeteiligen.

Das baden-württembergische Umweltministerium, die Speidel-Stiftung Stuttgart sowie das Diakonische Werk in Stuttgart, das eine Niederlassung in Colombo betreibt, unterstützen den Bau eines Dorfes mit 120 Häusern. Der Staat stellt ein zirka zehn Hektar großes Gelände bei Walahanduwa, östlich von Galle an der Südspitze der Insel, kostenlos zur Verfügung. Noch im Oktober reist eine Delegation nach Sri Lanka, um die Verträge mit der Regierung zu unterzeichnen.

Der Verein der Lions-Freunde Nürtingen-Kirchheim erhielt für seine Tsunami-Hilfsaktion in Sri Lanka Geldspenden unter anderem von Privatpersonen, anderen Lions-Clubs, vom Rotary-Club Kirchheim-Nürtingen, von Firmen, Schulen, Vereinen und Kirchen der Region.

pm