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Kirchheim hat „a g‘mähts Saile“

Pfingsten kann kommen: Badesee an den Bürgerseen ist vom Krausen Laichkraut befreit

Wer die Pfingstferien am heimischen Badestrand verbringen möchte, kann jetzt aufatmen: Zum einen verkünden die Meteorologen ideales Badewetter für das verlängerte Wochenende, und zum anderen will die Stadt Kirchheim den Badesee an den Bürgerseen am heutigen Freitag wieder freigeben. Die Schlingpflanzen sind auf das passende Maß zurechtgestutzt.

Kirchheim hat „a g‘mähts Saile“
Kirchheim hat „a g‘mähts Saile“

Andreas Volz

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Kirchheim. Bianka Wötzel ist beim Kirchheimer Amt für Grünflächen und Tiefbau die zuständige Fachkraft für Gewässer- und Uferpflege. Was darunter alles zu verstehen sein kann, zeigte sich in den vergangenen Tagen exemplarisch am Beispiel der Bürgerseen: Vor allem der untere der drei Seen, der auch als Badesee dient, war ziemlich zugewuchert mit Schlingpflanzen. Ganz genau ist unter der „Schlingpflanze“ das „Krause Laichkraut“ zu verstehen, erläutert Bianka Wötzel. Die Pflanze ist unter ganz verschiedenen Gesichtspunkten zu betrachten. Es handelt sich dabei nämlich nicht ausschließlich um Unkraut. „Für die Fische ist das wichtig“, sagt Bianka Wötzel, „die finden dort ihren Unterschlupf.“ Deshalb ist das Krause Laichkraut auch nicht komplett aus dem großen See entfernt worden.

Andererseits ist ein übergroßes Ausbreiten der Wasserpflanze nicht einmal für die Fische gut: „Zu viel Krauses Laichkraut bedroht die Fische sogar“, weiß Bianka Wötzel zu berichten. Hinzu kommt, dass die Pflanze später im Jahr braun wird und auf den Seeboden sinkt. Wenn der Boden aber mit zu viel Biomasse bedeckt sei, „dann könnte der See vielleicht umkippen“. Auch diese Gefahr sei nun durch die Unterwasser-Rodungsaktion erfolgreich gebannt.

Warum aber war der See in den vergangenen Tagen für Badegäste und Schwimmer gesperrt? Auch dafür hat Bianka Wötzel eine einfache Erklärung: „Die Unfallgefahr war zu groß.“ Wer durch die dichten Unter­wasser-„Wälder“ schwimmt, die das Krause Laichkraut bildet, kann sich leicht in den Schlingpflanzen verheddern. Eine größere Entfernung vom Ufer, fehlende Schwimmpraxis, leichte Erschöpfung – und schon kann der Schwimmer in Panik geraten, wenn er sich im Grünzeug verfängt und die Wasserpflanzen ihn umschlingen. Aus diesem Grund war der Badesee gesperrt, bis gestern endgültig so viel Grün aus dem See geholt war, dass vom heutigen Freitag an das Baden wieder freigegeben ist.

Um das Laichkraut zu entfernen, gibt es zwei Möglichkeiten, die beide an den Bürgerseen schon seit vielen Jahren angewandt werden: Zunächst sind da die Taucher der DLRG. „Die nutzen das als Tauchübung und reißen die Pflanzen mit der Wurzel raus. Das ist die beste und wirkungsvollste Methode“, sagt Bianka Wötzel. Die Tauchaktion der DLRG sei auch bereits erfolgreich zu Ende gegangen: „Die haben ganze Berge aus dem Badesee herausgeholt.“

Trotzdem war die Überwucherung so groß, dass noch zusätzlich das Mähboot zum Einsatz kommen musste. „Das muss man sich wie ein Amphibienfahrzeug vorstellen, das auf dem Wasser schwimmt und einen Kettenantrieb hat“, erklärt Bianka Wötzel. Ausgerüstet sei das Boot mit einem Balkenmäher, der den Grünbewuchs bis hinunter in etwa zwei Meter Wassertiefe abrasiert. Danach kann die Pflanze zwar wieder nachwachsen. Aber immerhin ist die Oberfläche für die Schwimmer vom Krausen Laichkraut befreit.

Eigentlich ist die ganze Angelegenheit nichts Besonderes. Das kommt immer wieder vor, und immer wieder kämpfen die DLRG-Taucher und das Mähboot gegen das Kraut. Einziger Unterschied dieses Jahr: „Wir sind viel früher dran als sonst.“ Die Ursache für das frühere und schnellere Wachstum sei aber noch nicht ganz klar. Einerseits könne es damit zusammenhängen, dass die Bürgerseen vor einigen Jahren entschlammt worden waren. Somit bekommen die Pflanzen unter Wasser mehr Licht. Andererseits hat Bianka Wötzel auch den milden Winter im Verdacht, dass er für das Krause Laichkraut förderlich war.

Der mittlere See sei übrigens bereits im vergangenen Jahr gemäht worden, sagt Bianka Wötzel. Deshalb sei für dieses Jahr dort nichts geplant, obwohl auch im mittleren See die Schlingpflanzen schon wieder damit beginnen, mächtig an die Oberfläche emporzuranken.

Einen abschließenden Tipp für alle Badefreunde, die das Pfingstwetter an den Bürgerseen nutzen wollen, hat Bianka Wötzel übrigens auch noch parat: Entfernt wird nämlich nur der Hinweis, dass der Badesee wegen Schlingpflanzen gesperrt sei. Das Schild darüber gilt nach wie vor: „Baden auf eigene Gefahr“. Bianka Wötzel: „Es handelt sich hier um einen Natursee, mit Wasserpflanzen und Wassertieren. Es ist kein überwachter Badesee. Das ist auch nach der Freigabe zu beachten.“

Kirchheimer Bürgersee / Badesee , ist wegen Schlingpflanzen für den Badebetrieb gesperrt
Kirchheimer Bürgersee / Badesee , ist wegen Schlingpflanzen für den Badebetrieb gesperrt
Kirchheimer Bürgersee / Badesee , ist wegen Schlingpflanzen für den Badebetrieb gesperrt. Eine Mutter spielt am Ufer mit ihren z
Kirchheimer Bürgersee / Badesee , ist wegen Schlingpflanzen für den Badebetrieb gesperrt. Eine Mutter spielt am Ufer mit ihren zwei Kindern