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KIRCHHEIM "Herzlich willkommen liebe Künstler ...

KIRCHHEIM "Herzlich willkommen liebe Künstler und Künstlerinnen", begrüßt Christoph Lempp, Leiter des Kinderferienprogramms die jungen Teilnehmer, die schon erwartungsvoll Richtung Eingang drängen. Gemäß dem Motto "Stadt der

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SARAH MEDER

Künstler/innen" verwandelten die Helfer, die größtenteils ehrenamtlich für das Brückenhaus arbeiteten, zusammen mit den Kindern die Raunerschule innerhalb weniger Tage zu einer "künstlichen" Stadt um.

Mit etwa 200 Einwohnern ist "Kifepropoli" wohl eher als Dorf denn als Stadt zu bezeichnen, jedoch hat diese kleine "Gemeinde" mindestens genauso viel zu bieten wie jede andere Stadt. Um 10.30 Uhr beginnt das Leben in "Kifepropoli". Dann versammeln sich rund 170 Kinder, die die Chance wahrnehmen können, an diesem einwöchigen Ferienerlebnis teilzuhaben, zusammen mit den etwa 40 Betreuern vor dem "Stadttor", um feierlich die Fahne zu hissen. Anschließend wird die eigens geschriebene Hymne, der Kifepro-Song gesungen, wobei mit jeder Strophe des Liedes, das auf die Melodie von "Biene Maja" gesungen wird, der Enthusiasmus größer zu werden scheint. Nach der letzten Zeile tritt Christoph Lempp man könnte ihn auch als "Bürgermeister" bezeichnen vor und erklärt kurz den Tagesverlauf. Nun beginnt der Run auf das Arbeitsamt, bei dem die Kinder um die besten Workshops wetteifern. Diese Stadt wäre der Traum für so manchen Politiker, denn arbeitslos muss hier keiner bleiben. Jedes Kind kann an einem der zwölf Workshops teilnehmen, von der Gärtnerei über die Post bis zum Zirkus. Sobald jeder sein Atelier oder seine Werkstatt gefunden hat, beginnt der Arbeitstag.

So werden im Schmuckatelier fleißig Traumfänger, Perlenkrokodile und Mobile hergestellt, wobei hier, wie die Kinder stolz erklären "vor allem Fingerspitzengefühl" gefragt ist. Dagegen wird im Zirkus Schauspielkunst gefordert. Hier verwandelt sich ein kleines Mädchen durch so einfache Mittel wie ein Kopftuch und einen Gehstock in eine alte Frau.

Währenddessen machen sich die Kinder mit einem "grünen Daumen" in der Gärtnerei nützlich und auch handwerklich Begabte finden ihren Platz im Großkunstatelier oder bei der Firma Ton, Steine, Scherben, Holz.

Beim Hörkunstworkshop ist zum Herstellen von Bongos und Teufelsgitarren ein feines Gehör von Vorteil. Doch die Teilnehmer haben nicht nur das, sondern reagieren auch überaus empfindlich, wenn es ums Geschäft geht. So empören sie sich darüber, für den Auftrag, ein einfaches Holzgerüst zu bauen, das für ein Instrument benötigt wird, an das Großkunstatelier die unverschämte Summe von 100 Raunern zahlen zu müssen. Zum Glück kommt es in dieser Angelegenheit nicht zur Eskalation, denn die örtliche Polizei besteht nur aus zwei Beamten und wäre wohl überfordert. Diese sind froh über das zurzeit stattfindende Fußballturnier, "da gibt's dann nicht so viel Ärger." Die beiden können sich deshalb weiter der Entwicklung ihres eigenen Streifenwagens widmen.

Neben der Polizei gibt es noch eine zweite wichtige öffentliche Einrichtung: Die Bank. Dorthin muss jeder Bürger von "Kifepropoli" mindestens einmal täglich, um seinen Künstlerlohn in Form von "Raunern", der offiziellen Währung, abzuholen. Auch in dieser Stadt bekommen die Bürger nichts geschenkt. So kostet das Mittagessen zehn Rauner, um ein hochwertiges Papphaus zu mieten müssen drei Rauner locker gemacht werden und der Eintritt in den stadteigenen Freizeitpark beträgt einen Rauner.

Dafür bekommen die vom langen Arbeitstag erschöpften Kinder mit einer Rollerrutsche, einem Pool, einer Seifenrutsche und der wahrscheinlich längsten Murmelbahn der Welt auch einiges an Attraktionen geboten. Einer der tüchtigen Murmelbahnbauer erläutert das Projekt. "Dort oben soll sie anfangen", sagt er und zeigt auf ein Holzgerüst zwei Meter über dem Boden, "am Ende soll eine Murmel drei Minuten durch die Bahn rollen können." An Tagen, an denen die Sonne sich nicht zeigen will, bietet sich auch an, das Museum zu besuchen und die fertigen Werke der vielen Künstler und Künstlerinnen zu bewundern.

Zum Bedauern vieler Kinder gilt auch in "Kifepropoli" die Redensart "aufhören, wenn's am schönsten ist". So endet das ganze Spektakel am heutigen Samstag. Zum Ausklang des Kinderferienprogramms sind am Nachmittag Eltern, Geschwister und Freunde der Kinder nach "Kifepropoli" eingeladen.