Lokales

Kirchheim liegt nicht in Timbuktu

Nach 16 Jahren als Weilheimer Pfarrer geht Walter Veil in den Ruhestand – Herzlicher Abschied

Sie entlasse ihn aus dem Geschirr, aber nicht aus dem Dienst, meinte Dekanin Renate Kath bei der festlichen und fröhlichen Verabschiedung von Pfarrer Walter Veil in der Peters­kirche. Er sei nun in dem beneidenswerten Zustand, sich die Arbeit selbst suchen zu können. Die Frage „Däded se ned...?“ werde noch öfter kommen.

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PETER DIETRICH

Weilheim. Für ihren Abschied nahmen sich die Weilheimer drei Stunden Zeit: Zum Gottesdienst gehörten Beiträge von Chor, Posaunenchor und Flötenkreis. Die Kindergartenkinder brachten den Veils lauter einzelne Rosen, zwischen den vielen Grußworten sang die von Pfarrer Veil so geliebte Kinderkirche und Adrian Planitz spielte Saxofon. Mittendrin gab es in und um die Peterskirche einen ausgiebigen Ständerling mit Gebäck und Getränken.

Für ihn sei es „ein Abschied von vielen freundlichen Gesichtern und der wunderschönen Peterskirche“, meinte Veil. „Meine Familie und ich waren gerne in Weilheim, fanden uns gut aufgehoben“, betonte der vierfache Vater, der in Tübingen, Bonn und Zürich Theologie studierte und vor 16 Jahren aus Grafenau-Döffingen nach Weilheim kam. Dekanin Kath lobte unter anderem Veils Wirken als „alter Hase“ im Kirchenbezirksausschuss und als langjähriger stellvertretender Dekan.

Veils katholischer Amtskollege Hermann Ehrensperger meinte, das Kürzel „i. R.“ stehe für „in Reichweite“. Kirchheim, wo Veil seinen Ruhestand verbringt, liege ja nicht in Timbuktu. Er habe Veil, der ihm schnell das Du anbot, immer als älteren Bruder gesehen. Ehrensperger erinnerte an gemeinsame Gottesdienste, aber auch an ökumenische Sitzungen, die manchmal viel mehr als Sitzungen waren und spät und fröhlich endeten.

„Wir werden ohne Dich auskommen müssen, und dieser Gedanke gefällt mir gar nicht“, meinte Pfarrerin Ute Stolz, die für den Distrikt Limburg sprach. An Veil habe sie die Verbindung von Glauben und Lebensfreude gelernt. Auch wenn sie sich manchmal genervt hätten, seien sie Freunde geworden. Stolz dankte ­Kathrin Veil für ihre Gastfreundschaft und wünschte dem Paar: „Gott erhalte euch euer fröhliches Gemüt.“

„Veil mag die Menschen, und die Menschen mögen ihn“, unterstrich Bürgermeister Hermann Bauer, der seit Langem mit Veil und weiteren Freunden eine jährliche Bergtour mit Berggottesdienst unternimmt. Das Vertrauen zwischen ihm und Veil habe der Stadt gut getan. Bauer beschrieb Veil als aufgeschlossenen und gütigen Menschen, den er nur ein einziges Mal als Heißsporn erlebt habe – beim leider einzigen gemeinsamen Besuch beim VfB Stuttgart. Die Goldene Gedenkmünze der Stadt, die er nun überreiche, habe der Gemeinderat einstimmig beschlossen.

Der Kirchengemeinderat schenkte Veil unter anderem ein grünes Gummiboot, gedacht für künftige Erkundungen der Lauter. Jürgen Hildebrandt als Zweiter Vorsitzender dankte Veil für sein Wirken auch an seltenen Kirchenbesuchern, für Kinderbibelwochen und besonders gestaltete Ewigkeitssonntage, für stets ausgebuchte Gemeindereisen mit ihm als virtuosen Reiseleiter. Hildebrandts Dank an Kathrin Veil galt einer „vorbildlichen Pfarrfrau“, die für den Weltgebetstag wirkte, im Flötenkreis spielte, Kinder durch die Peters­kirche führte und die Filme für „Kirche und Kino“ auswählte.

Wie stark Veil in Weilheim verwurzelt war, zeigte Dieter Bischoff, der für die Weilheimer und Hepsisauer Vereine sprach. Er erinnerte an die gemeinsame Arbeit an der Agenda 21, an Städtlesfeste und den Aufbau der Konfirmanden-Fußballmannschaft. Als Geschenk hatte er zwei Pfeifen der alten Orgel der Peterskirche mitgebracht. Schulleiter Christian Birzele-Unger betonte, seine Schüler hätten Veil immer als „Prediger eines lieben und gütigen Gottes“ erlebt.

Um Gottes Liebe ging es Veil auch in seiner Abschiedspredigt, die sich mit der Darstellung des Jüngsten Gerichts über dem Altar der Peterskirche beschäftigte: „Hier richtet Christus als der Gekreuzigte, das ist an seinen Nägelmalen zu sehen. Wir haben nicht von Höllenqualen zu reden, sondern von der einladenden Liebe Christi, die sich unser erbarmt.“