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Kirchheim soll aufräumen

Stadtplaner Jochen Richard informierte über erste Erkenntnisse in Sachen Verkehrskonzept

Kirchheim soll aufräumen. Das ist der wichtigste Ratschlag von Stadtplaner Richard. Er entwickelt das lang ersehnte „integrierte Verkehrskonzept“. Ziel sei, vieles besser zu machen, erläuterte der Ingenieur und konfrontierte seine Zuhörer gnadenlos mit reichlich Kritik.

Kirchheim soll aufräumen

Kirchheim. Eine Vielzahl von nicht aufeinander abgestimmten Plänen, jede Menge Lücken in einzelnen Planungen, eine hoffnungslose „Übermöblierung“ mancher Plätze . . . ­Al

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lzu schön war es nicht, was Jochen Richard den weihnachtlich gestimmten Stadträten zu verkünden hatte. Mag sein, dass der Aachener vieles bewusst überzeichnete, weil es ihm nach eigenen Aussagen nur darum ging, in dieser ersten Vorstellung die Zuhörer „emotional mitzunehmen“. Es gelte, kritisch das Bisherige unter die Lupe zu nehmen, stets mit dem Blick nach vorn.

Für Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker stellt die integrierte Verkehrsplanung ein Dach dar, unter dem nun vieles zusammengefasst wird. Die Planung soll kontinuierlich weiterentwickelt werden, wobei alle Verkehrsarten eine Rolle spielen.

Die einzelnen Verkehrsarten nahm Richard umgehend ins Visier. Lob hatte er dabei allenfalls für den Radverkehr übrig, der sich entscheidend verbessert habe (siehe Bericht unten). Eine große Lücke machte er beispielsweise beim Güterverkehr aus: „Nötig wäre ein positives L

kw-Leitkonzept“, warnte er die Stadträte davor, nur über Ansätze nachzudenken, wie man Brummis ganz aus der Stadt verbannen könne. Vieles liegt nach Meinung des Aachener Fachmannes auch beim ÖPNV im Argen. So präsentierten sich mancherorts scheinbar grundlos Bushaltestellen, der Busbahnhof wiederum sei eine Art „Betriebshof mit Publikumsverkehr“. Beim Stichwort Fußgängerverkehr forderte der Kritiker eine bessere Verknüpfung der City mit den umliegenden Wohngebieten. Was ihn jedoch am meisten zu stören schien, war die „Übermöblierung des öffentlichen Raumes“. So kritisierte er beispielsweise das Nebeneinander von Busbucht, Betonpollern, Schildern und mehr am Eingang der Marktstraße am Wachthaus. „Der Schwabe addiert, er schmeißt nichts weg“, gab er seine persönliche Erkenntnis preis und riet den Kirchheimern vor allem zum Aufräumen.

Angelika Matt-Heidecker nahm die umfassende Kritik nicht krumm: Sicher sei es richtig, mit kleinen und somit umsetzbaren Dingen anzufangen, dennoch müsse man sich in Kirchheim auch mit den Verkehrsmengen befassen, fasste sie diplomatisch zusammen. Sabine Bur am Orde-Käß von den Grünen sah Grund zur Hoffnung auf viele neue Impulse, kombiniere der Planer doch die analytische Gesamtschau und genaue Ortskenntnis mit dem heilsamen Blick von außen. Eva Frohnmeyer-Carey von der Frauenliste freute sich über neue Querverbindungen zwischen einzelnen Planungsbereichen.

Kritik wurde jedoch vor allem aus den Reihen der CDU und FDP laut. Mehr Respekt gegenüber den bisherigen Planungen hielt CDU-Mann Dr. Thilo Rose für angebracht. Vor allem anderen müssten erst mal die handfesten Verkehrsprobleme gelöst werden. An der reinen Negativ-Sammlung von Kritikpunkten stieß sich auch Bernd Most von der FDP. Hagen Zweifel von den Freien Wählern fürchtete, dass viele Ideen Streitpunkte bergen und zudem gewaltig in die Kasse einschlagen dürften.

Über den Status quo kann trefflich gestritten werden. Das zeigt sich unter anderem am Zankapfel Paradiesstraße: Seit die untere Max-Eyth-Straße zur Fußgängerzone wurde, hat sich dort der Verkehr erhöht. „Die Paradiesstraße ist belastet, aber das System funktioniert“, verteidigte Bürgermeister Günter Riemer die neue Situation. „In der Paradiesstraße geht zeitweilig gar nichts mehr“, lautet dagegen das Urteil von Dr. Thilo Rose und anderen Kritikern.

Eines ist klar: Das Verkehrskonzept wird noch weit hitzigere Diskussionen im Ratsrund hervorrufen als die provozierenden Aussagen des Planers zum Auftakt. 2011 geht‘s ans Eingemachte.