Lokales

Kirchheimer im Einsatz für die Menschenrechte

Weltweit setzen sich viele Menschen für die Einhaltung der Menschenrechte ein, und zum heutigen Tag der Menschenrechte werden zahlreiche Veranstaltungen stattfinden. Aus diesem Anlass kommen im folgenden Text einige der Menschen in Kirchheim, die sich für die Menschenrechte engagieren, zu Wort.

KIRCHHEIM Nach Informationen von Dr. Roswitha Alpers möchte die Kirchheimer Gruppe von amnesty international besonders auf das Engagement und die Schutzbedürftigkeit von Menschenrechtsverteidigerinnen aufmerksam machen. Durch ihren Einsatz schaffen sich Menschenrechtler Feinde in Regierungen und dominanten Gesellschaftsgruppen. In vielen Ländern werden sie von Militär, Polizei und anderen Staatsorganen bedroht, willkürlich verhaftet, misshandelt oder ermordet. Frauen sind dabei besonderen Gewaltfolgen ausgesetzt. Dazu gehören ungewollte Schwangerschaften und Fehlgeburten nach Vergewaltigungen auf Polizeistationen oder im Gefängnis. Die internationale Menschenrechtsbewegung verdankt den Menschenrechtsverteidigern viel. Sie gehen oft hohe persönliche Risiken ein, um die Verletzung von Menschenrechten zu verhindern oder an die Öffentlichkeit zu bringen. Wer sich an Briefaktionen zum Tag der Menschenrechte beteiligen möchte, findet Informationen unter www.amnesty.de.

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Klaus Pfisterer von der Deutschen Friedensgesellschaft Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Regionalgruppe Neckar-Fils erinnert an die zahlreichen Kriegsdienstverweigerer, die weltweit im Gefängnis sitzen. Immer noch werden junge Menschen zu Gefängnisstrafen verurteilt, weil es in ihren Ländern kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung gibt. Für diese Menschen setzt sich die DFG-VK ein. Mit Briefen und Postkarten an die Inhaftierten wird Solidarität und Ermutigung vermittelt und deutlich gemacht, dass sie nicht vergessen sind. Gleichzeitig ist damit an die verantwortlichen Politiker die Forderung nach einem weltweiten Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung verbunden. "Gewissensfreiheit muss straffrei sein", meinen die Mitglieder der DFG-VK.

Auch dem Türkischen Volkshaus in Kirchheim sind die Menschenrechte ein besonderes Anliegen. So berichtet Hasan Savas, der seit vielen Jahren als Vertreter des Volkshauses in der Kirchheimer "Zukunftswerkstatt" mitarbeitet, dass immer wieder Menschen in der Türkei ihrer politischen Meinung wegen inhaftiert und misshandelt werden. Wie zum Beispiel zwei Medizinstudenten aus Istanbul, die sich auf Plakaten gegen den Krieg ausgesprochen hatten und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurden. Im Zusammenhang mit den EU-Beitrittsverhandlungen natürlich ein schwieriges und unliebsames Thema.

Wie Pfarrer Küster von der evangelischen Kreuzkirche erklärt, sind auch für die Kirche die Menschenrechte wichtig geworden. Im Namen von Religionen wurden und werden Menschenrechtsverletzungen begangen. In einigen Ländern werden Menschen unterdrückt oder verfolgt wegen ihres Glaubens. Der Glaube an Gott als den Schöpfer des Menschen führt unmittelbar zu den Menschenrechten. Er hat den Menschen weder evangelisch, katholisch oder muslimisch geschaffen, sondern jeden als Ebenbild Gottes. Wer einen Menschen in seiner Würde verletzt, verstößt gegen seinen Schöpfer. Die Größe der Menschenrechte besteht aber auch darin, dass sie allen Menschen gelten, Opfern und Tätern. Die Beachtung der Menschenrechte spiegelt die von Jesus gebotene Nächsten- und Feindesliebe wider.

"Asylrecht ist Menschenrecht", sagt Eva-Maria Abele, Mitglied im Kirchheimer Arbeitskreis Asyl und beruft sich damit auf Artikel 14 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. In der Praxis sieht der Arbeitskreis in Deutschland die Rechtsstaatlichkeit nicht immer gewahrt. So gab es bis jetzt keinen Schutz für Flüchtlinge vor nichtstaatlicher Verfolgung. Abschiebungen trotz Folter- und Todesgefahr, verzweifelte mehrfache Selbstmordversuche der Abzuschiebenden und Übergriffe der abschiebenden Behörden geschehen in einer rechtlichen Grauzone und bleiben der Öffentlichkeit verborgen. Geplante "Ausreisezentren", weit ab gelegen und ohne die Möglichkeit einer Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, nehmen Menschen ihre Würde. Außerdem setzen sich die Mitglieder des Arbeitskreises für ein Bleiberecht für langjährig geduldete Flüchtlinge ein, die wegen der politischen Situation in ihrem Herkunftsland nicht abgeschoben werden können.

Die Mitarbeiterinnen des Kirchheimer Frauenhauses machen die Erfahrung, dass Frauen besonders oft Opfer von Gewalt werden und deshalb speziellen Schutz durch den Staat brauchen. Die Sozialpädagogin Renate Dopatka: "Menschenrechtsverletzungen betreffen in großem Maße Frauen. Dabei steht häusliche Gewalt ganz oben. Sie ist die häufigste Ursache für Verletzungen bei Frauen, häufiger als Verkehrsunfälle, Überfälle und Vergewaltigungen zusammen. Nach Schätzungen erfährt in der EU jede dritte Frau in ihrem Leben Gewalt von einem Partner, ein Drittel davon regelmäßig und ein Fünftel aller Frauen wird dabei schwer verletzt. Die Nachfrage nach einem Platz im Kirchheimer Frauenhaus ist groß. "Wir können hilfesuchende Frauen nicht immer aufnehmen, bieten aber in jedem Fall Gespräche an, um Möglichkeiten für die betroffenen Frauen zu finden."

Der Tag der Menschenrechte erinnert an die Unterzeichnung der Erklärung der Menschenrechte am 10. Dezember 1948 durch die Vereinten Nationen. "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren", heißt es im Artikel 1 der Erklärung. Grundrechte wie das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit, Meinungsfreiheit, Schutz vor staatlicher Willkür oder der Anspruch auf wirksamen Rechtsschutz scheinen in Deutschland seither selbstverständlich. Doch müssen diese kostbaren Rechte immer wieder neu verteidigt werden.

pm