Lokales

Kirchheimer kämpft für afrikanische Bauern

Melchior Landolt hilft Landwirten in Burkina Faso mit Steindämmen gegen die Dürre

Viele Länder in Afrika leiden darunter, dass ihre Böden austrocknen. Der Kirchheimer Melchior Landolt kämpft mit seinem Verein „Terra Verde“ gegen das Vorrücken der Wüste und die Erosion der Böden.

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Alexander Kappen

Kirchheim. „Wir wollen das größte Beschäftigungsprogramm Westafrikas auf die Beine stellen“, sagt Melchior Landolt. Der 57-jährige Schwei­zer Agrarökonom ist mit ei­ner Schwä­bin verheiratet und Gründer des gemeinnützigen Vereins „Terra Verde“, was so viel wie „Grüne Erde“ bedeutet. Mit sechs anderen Gründungsmitgliedern un­terstützt er Bauern im französischsprachigen Burkina Faso. Mithilfe vieler Lkws und der einheimischen Landwirte bauen die Entwicklungshelfer Steinwälle und verhindern so das Versickern des Regenwassers. Damit wird eine Begrünung des wüstenartigen Landes möglich.

Über 20 Jahre hat Landolt Hilfsprojekte in Afrika betreut. Er widmete sich dabei vor allem ländlichen Entwicklungsprojekten, der Privatisierung landwirtschaftlicher Produktionsbetriebe und der Bekämpfung von Aids.

Das Pilotprojekt „Patecore“ des Bundesministeriums lief von 1988 bis 2006. Melchior Landolt war als Projektleiter in dem westafrikanischen Land tätig, das Anfang der 70er-Jahre unter einer großen Dürre mit anschließender Hungersnot litt. Mithilfe der Steinwälle dringen bis zu 200 Liter Regenwasser mehr pro Quadratmeter Boden ein. „Wir haben in den letzten 20 Jahren rund 20 000 Bauern mobilisiert und auf dem Feld ausgebildet. Pro Tag und Hektar wurden täglich bis zu 150 Arbeitskräfte eingesetzt, um die Landfläche mit Steinwällen zu bebauen. Die Länge von allen errichteten Wällen beträgt etwa 40 000 Kilometer. Das entspricht dem Volumen einer Cheops-Pyramide“, erinnert sich Landolt. Mit seinem Verein „Terra Verde“ will er nun das Volumen sogar verdoppeln.

„Wir benötigen dafür 125 Millionen Euro. Bisher haben wir gemeinsam mit der Welthungerhilfe immerhin 1,8 Millionen Euro von der Europäischen Union erhalten“, berichtet Melchior Landolt, der in Afrika ehrenamtlich arbeitet. „Ich habe bereits einiges an Geld in die Arbeit investiert. Wenn ich damit bis zu drei Millionen Leuten helfen kann, die alle davon profitieren, bin ich zufrieden“, sagt der 57-Jährige. Er selbst bleibt als „helfende Hand“ lieber im Hintergrund.

„Über die Medien will ich nun weitere Sponsoren für „Terra Verde“ mobilisieren“, sagt der Agrarökonom. Auch in Kirchheimer Schulen plant Melchior Landolt Vorträge über seine Arbeit. „Ich habe in Burkina Faso viel Dankbarkeit erlebt. Die Bauern dort sind sehr stolze Menschen, die ihren Lebensunterhalt selbst verdienen möchten, falls sie die Chance dazu bekommen. Sie haben bereits 30 000 Unterschriften gesammelt, um sie in Form einer Petition der Regierung und internationalen Hilfsorganisationen vorzulegen, damit mein Hilfsprojekt unterstützt wird“, sagt Melchior Landolt.

Das Misstrauen der Bürger gegenüber vielen Hilfsaktionen kann er verstehen: „Ein Großteil meiner Bekannten war skeptisch, ob wir das Geld sinnvoll verwenden. Als Sohn eines Dachdeckers weiß ich aber jeden Cent zu schätzen. Die Europäische Union, die Welthungerhilfe und der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung unterstützen uns“, versichert der 57-Jährige.

Weitere Infos gibt es im Internet auf der Seite www.terra-verde.de oder unter der Telefonnummer 0 70 21/48 05 19.