Lokales

Kirchheimer "Kurs" hat sich stabilisiert

Wenn eine Aktie nach längerer Abwärtsbewegung kaum noch an Wert verliert, sogar ab und an leichte Aufwärtstendenzen zeigt, sprechen die Börsianer von einer Bodenbildung.

Übertragen auf den VfL, nach dem Abstieg aus der Regionalliga 1998 und dem Abschied aus der Oberliga 2001 immer weiter nach unten rutschend, war die vergangene Saison ein Beweis, dass sich der "Kurs" der Kirchheimer in der Verbandsliga stabilisiert hat.

Trotz eines erneuten personellen Aderlasses glückte nicht unbedingt erwartet der Ligaverbleib, wenn auch nur per Sieg im Relegationsspiel gegen den FSV Bissingen. Hungrige Spieler, angeführt von einem nicht weniger ehrgeizigen und engagierten Spielertrainer Michael Rentschler, schafften das fast Unmögliche. Der nicht nur von Dauerpessimisten unter der Teck vor der Saison 2004/05 zum Absteiger Nummer eins deklarierte VfL zeigten allen Kritikern eine lange Nase.

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Nun gibt es, zumindest was die personelle Situation betrifft, einen weiteren Hoffnungsschimmer am Horizont. Das Gros der wichtigsten Akteure blieb unter der Teck jene Spieler, die den VfL nach dem Abschluss der vergangenen Runde verließen, waren meist Ergänzungsspieler oder hatten alles andere als eine leistungsmäßig gute Saison hinter sich. Selbst der etwas überraschende Wechsel von Stammkeeper Patrick Gühring zum Verbandsliga-Vizemeister TSG Balingen erscheint angesichts der guten Perspektiven des neuen Torwart-Talents Norman Volber (18) verschmerz-bar.

Seit dem 6. August kämpft der VfL wieder einmal um den Ligaverbleib. Höhere Ambitionen verbitten sich vor allen Dingen aus einem Grund: Den Kirchheimer Verantwortlichen gelang es nicht, das Team entscheidend zu verstärken. Gespräche wurden zwar zahlreiche unter der Teck geführt, doch spätestens als es um eine etwaige attraktive Entlohnung des jeweiligen Akteurs ging, schieden sich die Geister und alsbald auch die Wege. Denn: Der VfL ist trotz des jüngsten Geldregens, resultierend aus dem Freundschaftsspiel gegen den VfB Stuttgart am 1. Juli, immer noch nicht in der Lage, finanziell große Sprünge zu machen. Dass trotzdem Defensivakteur Ferdi Er an die Jesinger Allee zurückkehrte, ist aus VfL-Sicht natürlich erfreulich.

So bleibt den Kirchheimern auch in dieser Saison wieder einmal das Prinzip Hoffnung. Dass beispielsweise einige der Aufsteiger nicht verbandsligatauglich sind oder auch andere etablierte Clubs mangels finanzieller Möglichkeiten ebenso nicht zu Überfliegern werden. VfL-Spielertrainer Michael Rentschler ("ich werde in dieser Saison nur noch nach Bedarf spielen") musste jedenfalls schon vor dem ersten Anpfiff einen Rückschlag hinnehmen. Verteidiger Marko Lovric, Neuzugang vom SV Sandhausen, zog sich in der Saisonvorbereitung einen Kreuzbandriss zu.

So rekrutieren sich die aktuellen spielfähigen Neuzugänge (mit Ausnahme von Er) weitestgehend aus den eigenen Reihen wieder einmal ein Beweis für die gute Nachwuchsarbeit unter der Teck, aber wie häufig in solchen Fällen, auch mit einem Restrisiko behaftet. Der VfL muss mit einem überschaubaren Kader erneut einen Kraftakt stemmen. Behilflich sein soll dabei der neue Co-Trainer Bernd Hummel (46). Für den früheren Landesligakicker des TB Neckarhausen ist die neue Aufgabe "eine große Herausforderung". Als Spieler stand der heutige Trainer-B-Lizenzinhaber in den achtziger Jahren öfters in Kontakt mit der VfL-Vereinsführung, "aber zu einem Wechsel ist es nie gekommen."

Rentschler, Hummel, ein sportlicher Leiter Norbert Krumm und ein Kader aus überwiegend jungen Kickern dieses Team soll das Schiff schaukeln und am Ende der Runde soll es dann wunschgemäß ein "gesicherter Mittelfeldplatz" sein.

Mit dem SV Fellbach, dem FV Ravensburg und dem FC Eislingen gesellen sich altbekannte Clubs zur Liga hinzu. Mit dem SV Bonlanden und der SpVgg Ludwigsburg erhielt die Verbandsliga namhaften Zuwachs aus der Oberliga.