Lokales

Kirchheimer Revolutionär besucht seine alte Heimat

KIRCHHEIM Im Dezember 1857 löste ein Besuch aus dem fernen Amerika im Seifensiederhaus im Kirchheimer "Schloßgässlein" große Freude aus. Kam doch nach siebenjähriger Emigration Friedrich Tritschler für kurze Zeit in seine ehemalige Heimatstadt zurück. Der Besuch galt dem Vater und zwei seiner Töchter. Seine Absicht, mit Frau und Kind für immer nach Kirchheim zu übersiedeln, verwirklichte er allerdings nicht.

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WERNER FRASCHDas Leben Friedrich Tritschlers hatte im Juni 1849 eine einschneidende Wendung genommen, denn er hatte in der Nacht vom 18. auf den 19. dieses Monats die Führung des Freischarenzuges übernommen. Damit war er gewissermaßen vom "Wort zur Tat" geschritten. Während er sich bisher in zahlreichen Reden zur politischen Situation geäußert und die aufkeimende demokratische Bewegung unterstützt hatte, handelte er jetzt aktiv. Der Freischarenzug bildete sich in Kirchheim spontan, nachdem das Frankfurter "Rumpfparlament" durch das württembergische Militär in Stuttgart aufgelöst worden war. Von diesem durch Volkswahl ein Jahr zuvor gebildeten Parlament erhoffte sich ganz Deutschland politische Veränderungen im Sinne einer demokratischen Entwicklung. Diese Hoffnungen wurden auf einen Schlag zunichte gemacht, nachdem die verbliebenen Abgeordneten, die von Frankfurt am Main in das vermeintlich liberalere Stuttgart auswichen, auch von dort vertrieben worden waren.

Friedrich Tritschler hatte schon früh zu den aktiven Kirchheimer Demokraten gehört; er stand an der Spitze der sich auch in weiten Kreisen dieser Stadt bildenden vaterländischen Bewegung. Auf sein Betreiben hin hatte am 2. April 1848 die erste Kirchheimer Volksversammlung stattgefunden, zu der 1500 Teilnehmer im Hof der "Caserne" dem heutigen Freihofareal zusammengekommen waren. Ihre Forderungen waren die gleichen wie allenthalben im Königreich Württemberg und darüber hinaus: Es sollten volkstümliche und volksverbundene Abgeordnete nach einem allgemeinen und gleichen Wahlrecht gewählt werden, die Meinungsfreiheit und andere Rechte sollten durch verbindliche Grundrechte gesichert werden und eine Verfassung sollte Rechte und Pflichten aller festlegen.

Zerstörte HoffnungenMit der Auflösung der Nationalversammlung schwanden die Hoffnungen der Bürger, dass sich die politischen Verhältnisse verändern ließen. Auch das Aufflackern revolutionärer Gesinnung im Kirchheimer Freischarenzug wurde, wie in anderen Teilen des Landes auch, rasch eingedämmt. Da half es auch nichts, mit der Waffe in der Hand das Kirchheimer Oberamtsgebäude zu umstellen und den Oberamtmann mit Hausarrest zu belegen.

Die Freischärler waren mit scharfer Munition ausgerüstet, als sie am 18. Juni 1849 zur Mitternacht auszogen, um unterwegs Mitstreiter zu rekrutieren. Man wollte der Nationalversammlung zu Hilfe eilen, sie vor den militärischen Maßnahmen schützen und wusste eigentlich nicht, wie dieses Unterfangen bewerkstelligt werden sollte. Die rund einhundert Wehrmänner kamen denn auch gerade bis Wiesensteig. Sie mussten einsehen, dass ihnen zwar gute Worte, aber keine wirkliche Unterstützung gegeben wurde. Am nächsten Morgen kehrten sie voller Enttäuschung und noch mutloser als vorher in die Oberamtsstadt unter der Teck zurück. Dort begrüßten die Bürger die Heimkehrenden zwar mit Hochrufen, aber der Versuch, die Reichsverfassung und die Nationalversammlung zu verteidigen, war kläglich gescheitert.

Zu den Aktivitsten dieses Freischarenzuges gehörte auch Friedrich Tritschler. Er hatte sich nach seinen eigenen Worten an dieser Aktion "aus Schamgefühl über diesen geknechteten Volkssinn" beteiligt. Die Reaktion der Obrigkeit ließ nicht lange auf sich warten, obwohl die Teilnehmer des Zuges versprachen, jetzt wieder "in Ordnung unter den Mitbürgern leben zu wollen".

Flucht aus WürttembergDieses Versprechen bot jedoch nicht allen ausreichend Schutz vor Bestrafung. Zwei der Aktiven, Stadtpfleger Hirzel und Rechtskonsulent Härlin, entzogen sich der zu erwartenden Strafe durch die Flucht in die Schweiz. Friedrich Tritschler dagegen blieb vorläufig von Schwierigkeiten verschont. Kurze Zeit nach diesen Vorfällen wurde er sogar in den württembergischen Landtag gewählt, nachdem in Stuttgart eine liberale Regierung berufen worden war. Das Blatt wendete sich jedoch schnell, denn bereits im März 1850 liefen Untersuchungen gegen die bislang unbehelligt gebliebenen Teilnehmer des Kirchheimer Freischarenzuges, darunter auch Friedrich Tritschler. König Wilhelm hatte das liberale Ministerium unter der Führung des Ministers Rämer durch ein reaktionäres Regiment ersetzt. Der Vorwurf gegen die Freischärler reduzierte sich aber bald darauf, dass das Kirchheimer Oberamtsgebäude umstellt worden war. Der Marsch nach Wiesensteig dagegen fiel nicht unter die vorwerfbaren Handlungen, da er sogar nach den Worten des Staatsanwalts wegen seiner totalen Planlosigkeit eher als etwas Einfältiges denn Verbrecherisches angesehen wurde. Friedrich Tritschler war sich jedoch bewusst, dass es für ihn jetzt eng werden würde. Sein überwältigendes Wahlergebnis von mehr als 74 Prozent der Stimmen gegenüber seinem Konkurrenten mit knapp 20 Prozent, verschonte ihn nicht vor der drohenden Bestrafung. In der Tat wurde er zu fünfeinhalb Jahren Arbeitshaus verurteilt. Der Strafe entzog er sich allerdings durch die Flucht in die Schweiz und später die Übersiedlung nach Amerika. Die Bürger Kirchheims ließen sich durch die Verurteilung ihres Volkstribuns allerdings in ihrer Begeisterung für ihn nicht beirren. Sie verehrten ihm, wie seinem Mitstreiter Otto Hirzel, einen silbernen Pokal zur Erinnerung an den Freischarenzug.

Wenig Erfolg in AmerikaSeine Auswanderung nach Amerika war für Friedrich Tritschler mit großen Hoffnungen verbunden. Er ließ sich in Preoria im Staate Illinois nieder. Dort wollte er sein erlerntes Handwerk des Seifensieders ausüben und sich so die wirtschaftliche Grundlage für den Nachzug seiner Frau und einer der drei Töchter schaffen. Nicht zuletzt durch die finanzielle Unterstützung von Jakob Friedrich Schöllkopf, der schon seit etwa zehn Jahren in der "neuen Welt" überaus erfolgreich war, gelang es dem Neuankömmling, Fuß zu fassen; sein Geschäft sollte sich allerdings als nicht sehr tragfähig erweisen. Tritschlers Frau Babette und die Tochter Marie die Töchter Wilhelmine und Sophie waren bei den Großeltern in Kirchheim geblieben zogen 1851 nach. Die Tritschlers kamen jedoch trotz großer Anstrengungen finanziell auf keinen grünen Zweig. Ganz im Gegensatz zu ihrem Kirchheimer Landsmann Schöllkopf, in dessen finanzieller Schuld sie bald standen.

Neben der Seifensiederei versuchten Friedrich und Babette Tritschler durch allerlei Handelsgeschäfte zu Geld zu kommen. Dazu gehörte auch der Handel mit Kirschengeist, von dem Babette ein Fässchen mitgebracht hatte. Dieser war so gefragt, dass sie bald eine weitere Sendung orderte. In einem ihrer ersten Briefe an die Kirchheimer Schwiegereltern gab sie für den Kauf und Versand dieser Kostbarkeit genaue Anweisungen. Im Auftrag Friedrichs bat sie dessen Eltern, sie mögen "ihm weiter ein Fäßchen mit ungefähr 30 Maß besorgen . . . das Fäßle sollte aber gut gebunden werden, auf beiden Seiten ein Reif, an den anderen Außenseiten gegen die Mitte und ums Fäßle darüber, wie bei dem Weinfaß." Diese detaillierten Anweisungen kamen nicht von ungefähr, denn beim letzten Transport waren "drei Reiflein gesprungen und hat getropfnet, es fehlten zweieinhalb Maß". Auch durch den Verkauf von mitgebrachten Zwetschgen wollte man zu Geld kommen; diese Früchte wurden wegen des hohen Preises ausgelöst durch den Zoll nur für Kranke gekauft.

Geldsorgen scheinen im Haushalt von Friedrich und Babette Tritschler an der Tagesordnung gewesen zu sein. Denn selbst Stoff für Beinkleider, eine seidene Weste und einen schwarzen Rock sollte die Schwiegermutter in Kirchheim besorgen und über den großen Teich schicken, da diese Artikel "drüben" sehr teuer waren. Vielleicht bestand auch die Hoffnung, die Schwiegereltern würden die Kosten für den Kauf übernehmen.

Ankunft in KirchheimIm Dezember 1857 war schließlich ein Besuch Friedrich Tritschlers in der alten Heimat möglich, nachdem seine Strafe kurz vorher erlassen worden war. Frau und Tochter blieben in Preoria, der Kosten und des Geschäftes wegen. Der Besuch galt dem alten Vater Tritschler die Mutter war bereits vor einigen Jahren gestorben und den beiden Töchtern, die in Kirchheim geblieben waren.

Über Friedrich Tritschlers Aufenthalt in Kirchheim haben sich einige Briefe erhalten, die Aufschluss über die Situation in der alten Heimat geben. Sie wurden von Eberhard Sieber in der Festschrift für Rainer Jooß, Varia historica Beiträge zur Landeskunde und Geschichtsdidaktik, 1988 veröffentlicht und liegen der folgenden Darstellung zugrunde.

Seinen ersten Brief nach der Überfahrt schrieb Friedrich Tritschler einen Tag nach seiner Ankunft in Bremerhaven am 5. Dezember 1857 an sein "liebes Weib". Die Überfahrt sei alles andere als angenehm gewesen und habe 35 Tage gedauert. Sturm und Regen waren ständige Begleiter auf hoher See gewesen und er sprach davon, sich wie in einem "Schweinestall" und Schlimmerem gefühlt zu haben. "Ich lebte beinahe allein von ein wenig Hirse, schwarzen Bumbernickel und Wein, war immer gesund, nur hatte ich schrecklich Verstopfung wegen meiner Lebensweise. Es ekelte mich des morgens am Kaffee, des mittags am Reis und des nachts am Tee."

Wegen der Unsicherheit, ob und wann sein Schiff ankommen würde, hatte er seinem Vater bislang keine Nachricht von dem Besuch gegeben, "denn wir hatten wenig Hoffnung, vor dem Winter zu landen; jetzt treten die starken Nebel ein, und da weiß Gott wie lang es dauert." Mit einigem Bangen sah er der Ankunft in Kirchheim entgegen, die er jetzt dem Vater ankündigen wollte, damit dieser wenigstens einen oder zwei Taghe vorher informiert sei. Auch um die Familie in Amerika machte er sich Sorgen: "Es ist mir wirklich Angst nach Hause, bete mit unserer lieben Marie, daß ich Euch wieder gesund und heiter antreffen kann."

Am 11. Dezember 1857 erreichte der Rückkehrer schließlich sein Ziel. Der erste Brief aus Kirchheim an die Frau und die Tochter Marie ist vom 21. Dezember datiert. Auch in diesem stehen die Sorgen um die Lieben im fernen Amerika im Vordergrund; der Briefschreiber schildert auch die Freude, die sein Besuch in der alten Heimat auslöste. "Heute Nacht konnte ich nicht ruhen, ich weiß nicht, was mich plagte. Ihr habt Euch so viel um mich angenommen. Ihr seid vielleicht in der Angst oder was weiß ich, ist ein Unglück passiert, vielleicht sogar Feuer ausgebrochen. Du kennst mein abergläubisches Ahnen; ich will deshalb sogleich von hier aus schreiben, obgleich ich gerne noch eine Woche hier gewesen wäre, um mehr schreiben zu können, denn ich habe noch sehr wenig Leute besucht..."

Geschäftliche SorgenAus der Ferne gibt Tritschler seiner Frau den Rat, die "factory" versichern zu lassen. Auf dem Nachbargrundstück stand eine Brauerei, die wohl nicht sehr erfolgreich war. Daher befürchtete er, "die Leute werden... die ganze Geschichte anzünden" und seine Seifensiederei dadurch in Mitleidenschaft ziehen.

Wichtiger als diese geschäftlichen Mitteilungen mögen Babette Tritschler die Berichte über die Kirchheimer familiären Verhältnisse gewesen sein. Darüber berichtet der Brief relativ kurz: "Meine Ankunft war für mich sehr ergreifend; mein lieber Vater und Kinder sind wohlauf, Gott sei Dank; der Ehni kann es gar nicht hinunterbringen, dass die Marie nicht gekommen ist, er sagt, ihr müßt heraus, ich dürfe nicht mehr hinein, aber Du weißt ja, daß es jetzt unmöglich ist unter diesen Umständen mit der "factory" und ich würde Euch nie allein hier reisen lassen." Endlich kommt er nochmals auf die beiden in Kirchheim gebliebenen Töchter zu sprechen, was die Mutter am stärksten interessiert haben dürfte. "Meine große Freude ist hauptsächlich, daß ich meine Kinder ansehen darf, ich muß sie immer angucken." Außer Grüßen von den Kindern und der Mitteilung, dass Wilhelmine "stark" also rundlich geworden sei und einen netten Ehemann habe, enthielt der Brief keine weitere Nachricht über die Töchter. Marie in Amerika dürfte sich darüber gefreut haben, dass ihr "Küchengeschirrle" aufbewahrt worden sei und der Kirchheimer Großvater ihr zehn Gulden "zum Christkindle" geben wolle.

Vier Wochen später ging wieder ein Brief, datiert vom 17./20. Januar 1858, von Kirchheim nach Preoria an Frau und Kind. Friedrich musste von übler Krankheit berichten, die ihn und den Vater befallen habe: "Er hat Husten und die Grippe, woran auch der König sehr krank war und beinahe alle Leute; ich bin auch nicht frei, und die Verkältung hat mir wieder einen Rotlauf herbeigezogen, ist aber wieder gut, seither habe ich Husten, Schnupfen usw". Viel Zeit verbrachte er mit Tochter Sophie; "bloß Samstag abends" ging er aus und zwar in den "Drei König".

Ansonsten konnte Friedrich Tritschler dem Kirchheimer Aufenthalt wenig Angenehmes abgewinnen. Der Jammer des Vaters, dass seine Enkelin Marie in Amerika geblieben war, war entsetzlich und "natürlich ist der Mann schon hie und da etwas kindisch". Friedrich bat seine Frau auch, nichts Verräterisches über ihre Situation zu schreiben, denn der Vater las deren Briefe selbstverständlich auch. "Wenn Du etwas schreibst, das er nicht wissen darf, hast bloß mit einigen Worten Dich auszudrücken, daß ich es verstehe, womöglich nimm Dich in acht. Der Mann hat mich sehr gut bisher behandelt und ist ungeheuer empfindlich, wenn ich vom Fortgehen spreche. Es hilft aber nichts, ich muss als Mann wissen, was ich zu tun habe und daß ich Dich und meinen lieben Engel verließe, werdet Ihr nicht träumen. Mir kommt es jetzt darauf an, wie ist es das Beste für unsere Zukunft, ich werde tun, was in meiner Kraft steht."

Kein Ende der SchuldenFriedrich Tritschler war während seines Kirchheimer Aufenthalts in unterschiedlichen Missionen unterwegs. So führte er in Stuttgart mit Minister von Linden und anderen angenehme Gespräche über die Berufung eines württembergischen Konsuls in Amerika. Um dieses Ziel zu verwirklichen, wollte er sich später um die Unterstützung angesehener deutscher Bürger bemühen. Von Gesprächen mit alten Bekannten war er dagegen alles andere als begeistert. Es ging immer wieder um die "Geldbrisanz" und die fehlenden Mittel für die Versicherung der "Seifenfactory". Zu leiden hatte Tritschler auch unter ungebetenen Ratschlägen, die ihm zuteil wurden. Seiner Frau schrieb er: "Du kannst Dir gar nicht denken, welchen Überlauf ich habe und wie die Leute so wißbegierig sind und alles besser wissen als ich, was ich zu tun habe und eigentlich doch nicht von mir erfahren und wie gemein dann die Stimmung über Amerika ist. Dort gibt es jetzt lauter Lumpen und wenn sie selbst die größten sind."

Seine Schulden im fernen Amerika verfolgten Tritschler selbst in der alten Heimat. Als sein Geldgeber Schöllkopf von der Reise zu Vater und Töchtern erfahren hatte, befürchtete er offenbar, sein Schuldner könne ihm abhandenkommen. Schöllkopf beauftragte daher seinen in Kirchheim lebenden Bruder, mit dem dort weilenden Seifensieder ein "Arrangement" zur Sicherung seiner Forderungen zu treffen. Doch dieser scheint finanziell so klamm gewesen zu sein, dass ihm nichts anderes übrig blieb, als das zu erwartende Erbe aus dem Vermögen des Vaters abzutreten. Gleichzeitig bat er seinen Gläubiger inständig, davon dem Vater nichts zu sagen, da ihn eine solche Nachricht "ins Grab bringen würde". Der alte Tritschler erfuhr von diesen Machenschaften seines Sohnes in der Tat erst nach dessen Tod durch einen Brief Schöllkopfs, in dem er dem Vaten "reinen Wein einschenken" wollte: "Ich kann daher nicht anders, als an Ihr Redlichkeitsgefühl appellieren, ob Sie nicht bezahlen wollen; denn offen gesprochen, als Geschäftsmann hätte ich Ihrem Sohn kein Geld gelehnt, sonder nur als Freund... und überlasse es Ihnen gänzlich, ob Sie das Andenken Ihres Sohnes gänzlich beiseite setzen, um Ihre Enkel zu bereichern."

Die RückkehrDie Meinung Friedrich Tritschlers über die Verhältnisse hierzulande war allerdings auch nicht die beste. Er beklagte, dass die "Spießbürger" fast in Tränen vergingen ob der politischen Zustände, "eine solche demoralisierte Korruption wie man nicht denken kann". Auch die Geistlichkeit kam bei ihm nicht gut weg: "Die Pfaffen haben die beste Aussicht; man sieht auf der Straße nichts als Frauenzimmer, meistens Gebetbücher in der Hand, kurz, das Volk ist schrecklich verdummt."

Trotz des Drängens des Vaters, nicht mehr nach Amerika zu gehen, war Friedrich entschlossen, zurückzukehren. Denn "die Gesichter hier sind im ganzen genommen sehr langweilig, es ist ein furchtbares Krähwinklerleben. Wie es mir geht, weiß ich noch nicht, ich denk sobald das Frühjahr kommt, abzugehen, aber es wird einen Kampf kosten in jeder Beziehung, mein Standpunkt ist sehr hart, ich wollte, ich hätte ihn durchgekämpft". Friedrich Tritschler kehrte wieder zu den Seinen nach Amerika zurück. Seine "factory" hatte allerdings nach wie vor keinen Erfolg. Von der Seifensiederei konnte er nicht leben und die Familie drückten unverändert die Geldsorgen. Diese wurden im letzten der erhaltenen Briefe vom 16. Januar 1859 an den "teuersten Vater" offen angesprochen: "Der Geldmangel ist noch sehr groß und infolge dessen gehen die Geschäfte auch noch langsam, bekommen wir aber ein fruchtbares Jahr, so kommt alles wieder, denn die letzte Ernte war namentlich in unserem Staat eine sehr geringe". In einem Nachsatz erwähnt Friedrich noch, dass er viel Mühe und Arbeit habe. Seinem Vater machte er Hoffnung, sich "in ein paar Jahren loszumachen. Das ist alles mein Streben, um als rechtschaffener Mann gelebt zu haben". Die Hoffnung auf ein Wiedersehen hat sich nicht erfüllt. Friedrich Tritschler starb noch im selben Jahr, am 21. September 1859, kurz nach seinem 49. Geburtstag, ohne die Reise über den großen Teich nochmals angetreten zu haben.