Lokales

Kirchheimer trotzen den herbstlichen Verhältnissen

"Wann wird's mal wieder richtig Sommer?" Dieses Lied drängt sich bei diesem verregneten Sommer geradezu auf. Betreiber von Biergärten und Eiscafes wünschen sich mal wieder Sonnenschein von Juni bis September. Das Freilichtmuseum Beuren freut sich über "Museumswetter", und beim Sommernachtskino trotzen die Besucher der schlechten Witterung mit dem Regenschirm.

LISA STRAUSS

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KIRCHHEIM Es scheint, als habe sich die Sonne pünktlich zum Ferienbeginn ebenfalls in den Urlaub verabschiedet: Laut Jochen Bläsing von der Wetterstation am Schnarrenberg wird der August dieses Jahr mit ungefähr 115 Stunden Sonnenscheindauer aller Wahrscheinlichkeit nach der sonnenärmste seit langer Zeit werden. Trotzdem kann Jochen Bläsing Gerüchte über den kältesten und regenreichsten August seit fünfzig Jahren nicht bestätigen.

Bei diesem nasskalten Wetter verspüren die Kirchheimer Bürger jedenfalls keine große Lust auf kalte Süßspeisen: "Die Leute essen bei dem Wetter kein Eis, es wird nach Kuchen und Waffeln gefragt", erzählt Andrea Lauenroth vom Eiscafe "Italia" am Kirchheimer Rossmarkt. Kurt Kaiser vom Eiscafe "Venezia" für ihn bedeutet Sommer "draußen sitzen" klagt: "Die Leute bestellen kleinere Portionen, es wird weniger Eis gegessen, weil die Leute halt net so lang sitzen wollen. Erfrischungsgetränke fallen auf Null ab, die Leute trinken bloß einen Capuccino. Der Umsatz geht locker um 50 bis 60 Prozent zurück", befürchtet er.

Auch die Kassierer der regionalen Freibäder haben bei diesem verregneten Sommer nicht viel zu tun: Waldemar Pesahl sitzt im Kassenhäuschen des Kirchheimer Freibades, er erinnert sich: "Ich bin jetzt seit sechs Jahren da, und das ist bisher der langweiligste August. Durch den heißen Juli waren wir irgendwie verwöhnt, und jetzt sitze ich halt seit ein Uhr da und hab' 17 Badegäste. Im Juli waren es täglich 3 500 Besucher im Durchschnitt. Da sieht der August im Vergleich mit rund 250 Besuchern pro Tag doch sehr mager aus. "Es ist zwar kein Weltuntergangsaugust, aber es ist halt ein mieser August."

In Lenningen sieht es auch nicht viel besser aus, das Freibad ist dort bei Regen nur vormittags geöffnet, weil es ein paar hartgesottene Bahnenschwimmer gibt, die weder Wind noch Wetter scheuen. Bei Regen schließt das Freibad aber ab dreizehn Uhr. Auch hier nahmen die Besucherzahlen im August drastisch ab: Im Juli planschten insgesamt noch 17 754 Besucher in den Becken des Freibades, im August schrumpfte die Anzahl auf jämmerliche 1 341 Badegäste. Auch Tibor Schneider, seit 17 Jahren Bademeister im Weilheimer Freibad, ist alles andere als glücklich über den Sommermonat, der im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fiel: "Natürlich habe ich meine Stammgäste, die bei Wind und Wetter kommen, aber es kommen ein paar Leute, und man muss trotzdem ,volle Pulle' heizen."

Das Wetter ist alles andere als biergartentauglich, das bestätigt auch Daniel Rau, Betreiber des Kirchheimer "Wachthauses": "Es ist ein Hochsommermonat, wie man ihn sich eigentlich als Biergartenbetreiber nicht wünscht." Klaus Huber von der Villa Steingau hofft, dass der nächste Monat wieder besser wird, denn als Biergartenbetreiber ist er der Ansicht: "Jeder Tag, an dem man schlechtes Wetter hat, ist ein verlorener Tag".

Das Freilichtmuseum in Beuren profitiert von den herbstlichen Temperaturen: Die Museumsleiterin Steffi Cornelius ist sehr zufrieden mit der durchwachsenen Witterung: "Zur Zeit herrscht ,Museumswetter' es ist nicht zu heiß. Wir hatten, was die Besucherzahlen angeht, den besten Monat." Ansonsten herrscht aber sogar bei diesen herbstlichen Temperaturen kein spürbar großer Andrang auf Museen: Barbara Stierle vom städtischen Museum "Kornhaus" in Kirchheim ist verwundert darüber, dass auch bei diesem Regenwetter nicht mehr Leute die Ausstellungsräume besichtigen als sonst die Besucherzahlen sind durchgängig gleichbleibend. Sie vermutet, dass es den Leuten schlicht und ergreifend zu kalt ist, um vor die Tür zu gehen.

Diese Vermutung macht sich aber zum Glück nicht überall bemerkbar: Obwohl das derzeit in Kirchheim stattfindende "Sommernachtskino" ohne "richtige Sommernächte" auskommen musste, ist der Veranstalter Reimund Fischer zugleich begeistert und erstaunt über die zahlreichen Besucher: "Die Bürger von Kirchheim sind hart im Nehmen, trotz schlechtem Wetter kommen die Leute ins Sommernachtskino. Sie bringen ihre Decken mit, spannen die Schirme auf und schauen einen Film", berichtet er. Reimund Fischer stellt zudem eine interessante Prognose auf, die dem Wetter ganz und gar nicht entspricht: "Wir werden auf jeden Fall das Ergebnis von letztem Jahr übertreffen." Er fügt hinzu: "Es zeigt sich, dass das schlechte Wetter die Kirchheimer Bürger nicht davon abhält, Kulturveranstaltungen zu besuchen."

Sabine Dielefeld vom Stuttgarter Wetteramt arbeitet in der Wetterstation am Flughafen. Sie versichert, dass die Wetterverhältnisse für einen normalen, mitteleuropäischen Sommer eigentlich völlig im Rahmen liegen. Die Durchschnittstemperaturen sind zwar etwas kälter als die Norm, aber sonst ist das wechselhafte Wetter für August nicht ungewöhnlich. Die Meteorologin erläutert, dass dies früher auch nicht anders gewesen sei, die Leute wären einfach sensibler geworden, was das Wetter angeht.