Lokales

Kirchheims ältester Industriebetrieb

Der Teckbote kann heute auf eine 175-jährige Geschichte zurückblicken. Die äußere Erscheinungsweise des Blattes hat sich in diesen 175 Jahren stetig verändert. Gleich geblieben ist das Bemühen, ein enges Band zwischen Leser und Zeitung zu knüpfen und ein Spiegelbild zu sein des Geschehens in unserer engeren und weiteren Heimat.

CLAUS GOTTLIEB

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KIRCHHEIM Es waren nicht immer leichte Jahre, in denen die früheren Verleger das Blatt durch manche Untiefen steuern mussten: Zwei Weltkriege, Inflation, Wirtschaftskrisen um nur die wichtigsten Daten zu nennen. Aber es ist in 175 Jahren gelungen, durch Anpassungsfähigkeit und Weitblick zu erreichen, dass der Teckbote als reines Familienunternehmen heute zu den wenigen 175 Jahre alten noch selbstständigen Zeitungsverlagen in Deutschland gehört. In Kirchheim ist das Unternehmen Teckbote GO Druck Media Verlag der älteste noch existierende Industriebetrieb.

Die Geschichte des Teckboten ist eng verbunden mit der Geschichte des Pressewesens, besonders in Württemberg. Viele Zeitungen gab es dort noch nicht, als am 20. Januar 1832 das "Wochenblatt für den Oberamtsbezirk Kirchheim unter Teck", wie die Kirchheimer Zeitung damals hieß, vor seine Leser getreten ist. Die Motive zur Gründung eines Intelligenzblatts waren verschiedener Art. Einerseits erfolgten Neugründungen auf Wunsch der Behörden, die dadurch ihre amtlichen Bekanntmachungen einfacher und billiger veröffentlichen konnten. Zum anderen wurden diese Blätter im Interesse der Drucker ins Leben gerufen, die damit einen regelmäßig wiederkehrenden Druckauftrag erhielten.

Ab dem Jahr 1856 machten die Ausdehnung des Text- und Anzeigenteils einen Übergang zu dreimaligem Erscheinen pro Woche erforderlich, im gleichen Jahr erhielt das Wochenblatt seinen jetzigen Namen "Der Teckbote". Nachdem August Gottlieb sen., der Ur-Ur-Großvater des heutigen Verlegers, 1868 als Teilhaber in die Firma eingetreten war, ging das Unternehmen am 1. April 1871 ganz in seinen Besitz über. Ein weiteres bedeutendes Datum ist der 1. Juli 1892, als die seit 25 Jahren bestehende Konkurrenzzeitung "Kirchheimer und Weilheimer Zeitung zugleich Plochinger Anzeiger" durch Kauf an den Verlag des Teckboten überging. 1894 erwarb A. Gottlieb jun. auch die Osswaldsche Druckerei, in der die Kirchheimer Zeitung hergestellt worden war.

Die kontinuierliche Entwicklung des Teckboten wurde 20 Jahre später mit Beginn des Ersten Weltkriegs stark gebremst. Nur mit äußerster Anstrengung gelang es, den Verlag über Wasser zu halten. Die Nachkriegsjahre und die Inflation brachten das Zeitungsgewerbe weiterhin in schwerste Bedrängnis. Im November 1923 betrug der wöchentliche Abonnementspreis 200 Milliarden Mark, die Einzelnummer kostete 35 Milliarden Mark.

Das Jahr 1933 brachte durch die Machtübernahme der NSDAP für die gesamte deutsche Presse außerordentlich schwierige Verhältnisse. Wie jede deutsche Zeitung, konnte auch der Teckbote in seiner Berichterstattung von der nationalsozialistischen Politik im Grundsatz nicht abweichen und musste die Wünsche und Vorschriften der Partei und des Reichspropagandaministeriums beachten, wollte man nicht Gefahr laufen, dass die Zeitung über Nacht verboten wurde. Bei einem Großteil der Zeitungen beteiligte sich die NS-Presse mit 51 Prozent, ohne finanziellen Ausgleich für die Verlage. Nur einigen wenigen württembergischen Zeitungen gelang es, sich durch hinhaltenden Widerstand aus der NS-Presse herauszuhalten. Zu ihnen gehörte der Teckbote, der bis 1945 seine wirtschaftliche Selbstständigkeit erhalten konnte.

Bis 1949 erschienen im Verlag des Teckboten dann die verschiedensten Veröffentlichungen, die jeweils von der Militärregierung im Wechsel erlaubt und wieder verboten wurden. Mitte des Jahres 1948 zeigte sich eine leichte Lockerung in der Form, dass die Militärregierung zwar noch keine Lokalzeitungen, aber wenigstens lokale Anzeigenblätter genehmigte. Nachdem die Bemühungen um Erhalt einer Lizenz immer wieder gescheitert waren, haben sich die Verleger des Teckboten zusammen mit anderen Verlagen zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen. Nur so war ein Wiedererscheinen des Teckboten im Jahr 1949 unter dem Titel "Teck-Rundschau" möglich. Mit Wirkung vom 1. November 1953 wurde die "Teck-Rundschau" Amtsblatt der Stadt Kirchheim, und am 1. Januar 1954 wurde aus der "Teck-Rundschau" wieder "Der Teckbote".

Die Verleger des Teckboten haben sich in sieben Generationen mit Erfolg bemüht, das, was sich in früheren Jahrzehnten bewährt hat, beizubehalten, andererseits aber auch sich einem gesunden Fortschritt nicht zu versagen. Tradition und Fortschritt, Gewordenes und Gewolltes miteinander zu verbinden, muss die Devise jedes gesunden Unternehmens sein.