Lokales

Kirchheims Flieger sind fassungslos

Trauer über den Tod des Wolf-Hirth-Mitglieds und Kunstflugpiloten Klaus Lenhart – Unternehmen wird in seinem Sinne weitergeführt

Die Fahnen der Kirchheimer Fliegergruppe Wolf Hirth und des Baden-Württembergischen Luftfahrtverbandes BWLV auf der Hahnweide hängen auf Halbmast. Fassungslos haben Kirchheims Flieger die Nachricht vom Tod Klaus Lenharts aufgenommen.

Sie machte den Kunstflugpiloten Klaus Lenhart (kleines Foto) bekannt: Die rote Extra 300¿L vor der Teck, mit der der Unternehmer
Sie machte den Kunstflugpiloten Klaus Lenhart (kleines Foto) bekannt: Die rote Extra 300¿L vor der Teck, mit der der Unternehmer tödlich verunglückte.Foto: Jean-Luc Jacques/privat

Richard Umstadt

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Kirchheim. „Wir sind alle geschockt“, sagte Siegmund Maier, langjähriger Vorsitzender der Fliegergruppe Wolf Hirth und BWLV-Vize von 2000 bis 2006, gestern in einer ersten Reaktion. „Es ist niederschmetternd“. Dabei erinnert er an den tragischen Tod von Klaus Holighaus am Rheinwaldhorn 1994. „Und nun die Tragödie im Talwald.“ Sowohl der Unternehmer und Kon­strukteur Holighaus als auch der Firmeninhaber und Kunstflugpilot Klaus Lenhart waren Aushängeschilder der Fliegergruppe Wolf Hirth und der Stadt Kirchheim.

Klaus Lenhart, der Anfang der 1970er Jahre in einem Grunau Baby auf dem Dettinger Segelfluggelände das Fliegen erlernte, erwarb 1995 die Motorfluglizenz. Drei Jahre später stieg er in den Motorkunstflug ein. Fortan war seine knallrote Extra 300 L mit dem „LEKI“-Schriftzug, mit der er am Montag tödlich verunglückte, bei Flugschauen und Kunstflugwettbewerben am Himmel zu sehen. Mit Begeisterung und angehaltenem Atem verfolgten tausende Menschen bei Oldtimer-Fliegertreffen und anderen Flugveranstaltungen die Kunstflugschau von Klaus Lenhart mit der großen „Roten“ und dem Modellflugspezialist Albert Winter mit der kleinen „Roten“.

Im Jahr 2000 nahm Klaus Lenhart zum ersten Mal an der Kunstflug-Weltmeisterschaft in Großenhain teil. Bereits drei Jahre später erflog er sich den Deutschen Meistertitel in der „Advanced“-Klasse. Insgesamt wurde er in verschiedenen Klassen noch sechs weitere Male Deutscher Meister, gewann ebenso oft den Internationalen Karlsbad-Pokal und belegte bei der Europameisterschaft 2006 in der Schweiz den sechsten Platz.

Dennoch verlor der Kirchheimer Flugsportler die Bodenhaftung nicht. Rainer Schmidt, der Vorsitzende der Fliegergruppe Wolf Hirth, sah in Klaus Lenhart nicht nur das sportliche Aushängeschild, sondern den sehr guten Fliegerkameraden auf dem Platz – „einer aus der Mannschaft“, der in „einzigartiger Weise“ den Verein und vor allem die Jugend förderte. „Er hat für unsere jungen Flieger ein Kunstflugsegelflugzeug angeschafft und dem Verein ein Grunau Baby zur Verfügung gestellt“, sagte der Wolf-Hirth-Vorsitzende. Es war jedoch nicht Klaus Lenharts Art, davon großes Aufheben zu machen. „Er war offen und uneigennützig“, charakterisierte Rainer Schmidt das Wolf-Hirth-Mitglied, dessen Tod für die Kirchheimer Flieger einen „Riesenverlust“ bedeutet. „Wir werden es wohl erst in ein paar Jahren realisieren, was wir mit ihm verloren haben“, so Rainer Schmidt.

Die Nachwuchsförderung lag Klaus Lenhart aber nicht nur in der Fliegergruppe Wolf Hirth sehr am Herzen. Er war auch großzügiger Gönner der Jugend im Bereich Ski und Basketball, wie sich Doris Imrich, VfL-Geschäftsführerin, erinnerte. Ebenso engagierte er sich für behinderte und in Not geratene Menschen und soziale Einrichtungen der Region, denen er jährlich die Einnahmen aus seinen Kunstflugvorführungen zukommen ließ.

Klaus Lenhart war nicht nur als Sportler geachtet. Mit 19 übernahm er die LEKI-Geschäftsführung mit seiner 21-jährigen Schwester und seinem 23-jährigen Bruder. Seit 1984 hatte er mit seiner Frau Waltraud die alleinige Geschäftsführung inne und führte LEKI konsequent zum weltweiten Technologie- und Marktführer. Inzwischen beschäftigt das Un­ter­nehmen 250 Mitarbeiter am Firmensitz Kirchheim und im tschechischen Tachov. Auch sein Sohn Markus arbeitet in der Technikabteilung mit.

Weltweit sind die Produkte mit dem rot-gelben Logo bekannt und gefragt, nicht nur unter der Alpin-Ski-Elite. „Tüftlertum“, Mut und Energie waren sein Antrieb für unzählige Innovationen und Patente bei Stöcken und Handschuhsystemen. Das drückte sich nicht nur in den weltweiten Verkaufsziffern, sondern auch in zahlreichen Preisen aus, mit denen das Unternehmen ausgezeichnet wurde. Hierbei sei unter anderem an den Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg und des Landkreises Esslingen erinnert, den Klaus Lenhart im November 2010 aus den Händen von Landrat Heinz Eininger erhielt, oder an die zahlreichen Preise auf der Internationalen Sportmesse ISPO in München wie den „ISPO Outdoor Award“, den „ISPO Skiing Award“ und die Ehrentafel der ISPO Group, die LEKI als eine der einflussreichsten Firmen der Sportindustrie auszeichnete. So war es auch kein Wunder, als der Stock- und Handschuhhersteller im März von den Sportartikel-Händlern auf der ISPO zur attraktivsten Sportartikelfirma gewählt wurde. Klaus Lenhart gehörte auch zu den 68 Unternehmern aus ganz Deutschland, die in die Endrunde des Titels „Entrepreneur des Jahres 2010“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young kamen.

Klaus Lenhart galt als Mentor und inspirierte alle, die ihn kennenlernen durften. Er führte mit einem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein sein Unternehmen, das durch seine starke Unternehmerpersönlichkeit geprägt wurde. „Es wird in seinem Geiste weitergeführt“, wie Marketing-Leiterin Heidi Kreusel bestätigte. „Mit Klaus Lenhart starb eine der charismatischsten und erfolgreichsten Persönlichkeiten der Outdoorbranche.“

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