Lokales

Kirchlein als Pilgerstätte

Der Weiler Bodelshofen, der kleinste Stadtteil von Wendlingen, hat sich, nicht zuletzt durch die verhaltene Bebauung der letzten Jahrzehnte, einen besonderen Charme bewahrt.

KIRCHHEIM Hier traf sich zu einer Nachmittagsveranstaltung die Kirchheimer Regionalgruppe des Schwäbischen Heimatbundes. Ziel war das dortige Jakobuskirchlein, das den Teilnehmern von Renate Treuherz vorgestellt wurde. Auf einem kleinen Plateau zwischen dem am Hang gelegenen Weiler und den Auwiesen der Lauter gelegen, zeichnet sich das von einem kleinen Friedhof umgebene gotische Sankt-Jakobus-Kirchlein schon durch seine bevorzugte Lage aus. Das heutige Kirchlein geht auf das Jahr 1105 zurück, die Anfänge reichen aber bis in die karolingische Zeit hinein. Untersuchungen aus dem Jahr 1964 lassen sogar vermuten, dass auf diesem Platz schon in keltischer Zeit ein Heiligtum stand.

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Die kleine Kirche war das ganze Mittelalter hindurch Sammelstelle für Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens. Hier konnten die Pilger Andacht halten vor dem Fresken-Zyklus über die Passion Christi, der im Jahr 1964 bei der Totalrenovierung entdeckt wurde. Die ausdrucksstarken, sorgfältig restaurierten Bilder lassen durch Ähnlichkeiten des Malstils mit datierbaren Bildern der Kirche in Schwieberdingen auf eine Entstehungszeit zwischen 1420 und 1430 schließen.

Neben diesen bedeutenden Wandbildern weist das Jakobskirchlein noch vier bemerkenswerte Glasfenster des Künstlers Hans-Gottfried von Stockhausen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf. Das älteste Fenster auf der Südseite des Chorraums aus dem Jahre 1953 zeigt vier Gleichnisse Jesu. Das Christusfenster auf der Ostseite des Chors von 1986 stellt vier Ereignisse aus dem Leben Jesu dar. Auf der Nordseite befindet sich das Jakobsfenster aus dem Jahre 1988. Es zeigt neben der Jakobsmuschel je zwei Szenen aus dem Alten und Neuen Testament und soll auf die verkündende Tätigkeit des Apostels Jakob hinweisen. Das jüngste Fenster über dem Eingangsportal zeigt ein Bildmotiv aus der Apokalypse: Der Erzengel Michael tötet den Drachen und schützt dadurch Mutter und Kind.

Der vor allem im Mittelalter hoch geschätzte Brauch der Jakobspilgerschaft findet auch in unserer Gegenwart wieder große Beachtung. So ist auch Bodelshofen wieder Station auf dem neu ausgeschilderten Pilgerweg von Rothenburg ob der Tauber nach Rottenburg am Neckar, wovon ein kleiner Wegweiser mit dem Muschel-Stern-Symbol an der Straße vor dem Jakobskirchlein Zeugnis ablegt.

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