Lokales

Kistenweise Bier und Sprudel an Bord

Da greift man schon mal zu Tricks, wenn die Polizei wissen will, ob das Wohnmobil oder der Wohnwagen überladen ist: "Wir sind doch so nette Frauen", eher noch ein harmloser "Trick" dieser Art. Aber auch der beeindruckt die Polizeibeamten nicht, die am gestrigen Nachmittag zur Kontrolle auf dem Parkplatz "Vor dem Aichelberg" standen. Unbestechlich ist auch die Waage, die aufgebaut war und über die vor allem Wohnwagen und Wohnmobile mussten.

RUDOLF STÄBLER

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WEILHEIM "Vor fünf Minuten sind wir in den Urlaub gestartet und schon geht der Ärger los" raunzt ein Autofahrer mit ES-Nummer die kontrollierenden Polizeibeamten an. Und gleich darauf wurde er etwas ruhiger, als ihm die Ordnungshüter klar machten, dass sein Wohnwagen um satte 20 Prozent überladen war. Umladen in den Personenwagen und Leeren des Wassertanks war angesagt, sonst wäre der Bruddler nicht weitergekommen. Recht unfreudliche Worte bekommen die Polizisten meist dann zu hören, wenn die Order kommt, den Anhänger zu entlasten und die Sachen im eh schon vollgestopften Auto unterzubringen. "Wenn es dann noch regnet, vergessen einige ihre gute Kinderstube", erzählt einer der an der Aktion beteiligten Beamten.

Der Leiter der Kontrollstelle, Polizeioberkommissar Jürgen Schaaf, hatte Verständnis für die verärgerten "Kunden", doch "wir machen das ja nicht um die Leute zu bestrafen, sondern zu deren eigenem Schutz. Stark überladene Fahrzeuge haben Probleme beim Bremsen und es besteht auch die Gefahr von Reifenplatzern," weiß der erfahrene Polizeibeamte. "Kommt so ein Wohnwagen erst mal ins Schlingern, ist nichts mehr zu machen. Zuerst donnert's diesen auf die Fahrbahn und durch die enge Verbindung mit dem Zugfahrzeug, wird auch dieses meist gekippt."

Die Sommerferien haben begonnen und viele Familien befinden sich bereits auf ihrer teils langen Reise. Immer wieder mussten die Beamten feststellen, dass die baldige Aussicht auf Erholung so manch einen Fahrzeuglenker leichtsinnig werden ließ; ein Leichtsinn, der mitunter gravierende Folgen haben kann.

Während nach Auskunft der Polizei Defekte an Motorrädern, Autos, Wohnwagengespannen, Wohnmobilen bis hin zum Bootstrailer in der heutigen Zeit immer seltener zu beanstanden sind, rückt die fehlerhafte Beladung dieser Fahrzeugtypen mehr und mehr in der Vordergrund. Grund genug also für die Kontrolltrupps der Autobahnpolizei Stuttgart, ein wachsames Auge auf die Erholung suchenden Reisenden zu werfen. Dass dabei auch noch ein sichtlich unter Drogeneinfluss stehender Mann erwischt wurde, war reiner Zufall. Dieser muss eine 24-stündige Fahrpause einlegen.

Jürgen Schaaf schüttelt den Kopf, wenn er daran denkt, dass die Leute Kistenweise Bier und Sprudel aus einer gewissen Region "mitschleifen" und dadurch das Fahrzeug noch mehr belasten. "Man könnte meinen, dass es in Österreich oder Italien ähnliches nicht gibt." Zudem sind die Wassertanks im Wohnwagen bis zum Rand gefüllt und auch Lebensmittel sind oft Kiloweise verstaut, was natürlich das Gewicht deutlich in die Höhe treibt. "Anscheinend gibt es im Ausland kein Wasser", lacht der Beamte. Eine beliebte "Erleichterung" des Gespanns war dann bei den meisten Fahrern auch das Ablassen von Wasser. Immerhin brachte es so mancher dadurch auf 70 bis 80 Kilo weniger. "Wenn Sie jetzt auf dem Rastplatz vespern, hilft das nicht unbedingt" schmunzelte einer der Beamten.

Ein Weiterer entpuppt sich als "Knotenkünstler". Ein Boot war auf dem Hänger nicht richtig befestigt und spontan kam das Angebot: "Ich kenne da ein paar tolle Knoten, rechts ran und der Fall ist schnell erledigt". Die Polizisten geben den Kontrollierten so ganz nebenbei auch noch gute Tipps für die unbeschwerte Fahrt in den Urlaub. So sollte der Zustand und der Druck der Reifen überprüft werden. Empfohlen wird auch eine regelmäßige Überprüfung bei Pausen von Dach- oder Heckklappenträgern auf deren festen Sitz. Und beim Beladen gilt, dass grundsätzlich schwere Lasten nach unten gehören. Ladung, die über die Höhe der Rücksitzlehne hinausgeht, ist darüber hinaus mit einem Gepäcknetz oder ähnlichen Vorkehrungen zu sichern. So ist gewährleistet, dass im Falle eines abrupten Abbremsens oder gar eines Unfalls freiliegende Gegenstände nicht zum Geschoss und damit zur Gesundheitsgefahr für die Insassen werden.

Die Autobahnpolizei Stuttgart, unterstützt von Kollegen des Autobahnpolizeireviers Mühlhausen und der Bereitschaftspolizei Göppingen, kontrollierte in der Zeit von 10 bis 16 Uhr auf der Autobahn 8 zwischen Stuttgart und Ulm auf dem Rastplatz "Vor dem Aichelberg". Das Ergebnis der Überprüfung wurde von der Einsatzleitung als insgesamt positiv bewertet. Bei 58 kontrollierten Fahrzeugen mussten die Polizisten in elf Fällen zum Bußgeldformular greifen. Sieben Wohnwagen waren zu schwer beladen. Mit einem Übergewicht von 28 Prozent stellte ein badischer Urlauber auf dem Weg in seine Ferien den traurigen Tagesrekord auf. Nachdem er anschließend einen Teil seiner Ladung in seinem Auto unterbringen konnte, wurde ihm die Weiterfahrt gestattet.

Bei den übrigen vier Fällen handelte es sich um zwei Verstöße gegen die vorgeschriebene Kindersicherung und um einen technischen Mangel an der Auflaufbremse.