Lokales

Klangvoller Abschied am Beginn einer neuen Amtsperiode



RICHARD UMSTADT

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BISSINGEN Harmonischer hätte der Abschied im Ratsrund des Sitzungsaals nicht sein können: Rolf-Rüdiger Most stellte den Kassettenrekorder auf den Tageslichtschreiber, packte sein Saxofon aus und spielte seinen ausscheidenden Kolleginnen und Kollegen ein Ständchen "Just the way you are". Anhaltender Beifall war ihm sicher.



Bürgermeister Kümmerle hatte zuvor in seinem Blick auf die letzten fünf Jahre die Arbeit nach demokratischen Spielregeln und in gegenseitiger Achtung betont. "Diese Jahre waren geprägt von dem gemeinsamen Bemühen, unsere Gemeinde voranzubringen und die Daseinsvorsorge für unsere Bürgerschaft zu verbessern."



Der Verwaltungschef dankte den Bürgervertretern für das hohe Maß an persönlichem Engagement. Die ehrenamtliche Tätigkeit sei nicht leichter geworden. Dabei konnte er sich einen Seitenhieb nicht verkneifen. "Wir müssen uns einer kritischen und nicht immer sachlichen Öffentlichkeit stellen. Die meisten unserer Mitbürger gehen aber eher auf Distanz zur Politik, davon ist auch die Kommunalpolitik nicht ausgenommen." Umsomehr freute er sich über einen Brief von Anliegern, die der Ortskernsanierung II uneingeschränkt zustimmten und sich für die gelungene Neugestaltung bedankten.



In Zeiten knapper Finanzen hätten die Gemeinderäte Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit den eingeschränkten Haushaltsmitteln bewiesen, lobte Kümmerle. Trotzdem seien wichtige Projekte realisiert worden. Er nannte die neuen Nutzungen der Industriebrachen von Kolb & Schüle sowie FZB, die aktuelle Ortskernsanierung, die sanierte Ochsenwanger Kläranlage, die Kernzeiten- und Ferienbetreuung und nicht zuletzt das neue Rathaus: "Wir haben unser Geld gut angelegt und das Maximale herausgeholt."



9,3 Millionen Euro wurden in der letzten Legislaturperiode in der Seegemeinde investiert und auch in der Grundstückspolitik "einige Millionen Euro bewegt." Den sehr engen Investitionsspielraum auf Grund von Entscheidungen in Bund und Land bedauerte der Bürgermeister. Augenmaß bei den Einsparungen sei in dieser Phase wichtig. Ehrenamtliches Engagement in den Vereinen dürfe aber nicht ausgebremst werden. Kümmerle dankte all den ehrenamtlich Tätigen, denen das Wohl der Gemeinde in gleicher Weise am Herzen liege wie den gewählten Bürgerver-tretern.



In seiner Würdigung der ausscheidenden sechs Kommunalparlamentarier charakterisierte der Bürgermeister deren besondere Fähigkeiten. IT-Spezialist Helmut Ollhäuser, der eine Amtsperiode dem Gremium angehörte, habe als "Mann der freien Wirtschaft" aus kaufmännischer Hinsicht wertvolle, aber auch konstruktiv-kritische Anregungen gegeben.



Heinz Reinöhl, er scheidet ebenfalls nach einer Amtsperiode aus, gab als Insider der ministeriellen Verwaltung wichtige Hinweise im Umgang mit der Landesverwaltung und den Zuschussstellen. "Seine Anliegen trug er mit Fachwissen und großer Beharrlichkeit vor," sagte Kümmerle. Sein reichhaltiges technisches Know-how brachte Hans Schlatter in den vergangenen fünf Jahren vor allem im Bauausschuss ein. Er habe stets Wert auf einen verantwortungsvollen Umgang mit den Steuergeldern gelegt, die Gebührenkalkulationen sehr genau geprüft und damit die Verwaltung zu sorgfältigem Arbeiten angehalten.



Traude Link-Oesterles Schwerpunkt bildete der Sozialbereich. In vielen Diskussionen um Jugendarbeit, Schule, Kindergarten und Krankenpflegewesen habe sie ihre Position vertreten. Schon früh wies sie auf demografische Änderungen hin und forderte zum Umdenken auf. Sie arbeitete zehn Jahre im Gemeinderat mit.



Auf eine bald 15-jährige Ratstätigkeit zurückblicken kann Hannelore Stiefelmeyer. Beschaffungen, Baumaßnahmen und neue Entwicklungen habe sie kritisch unter die Lupe genommen und gefragt: "Brauchet mir des?" Dabei galt ihre Sorge den geordneten Gemeindefinanzen. Mit ihrem phänomenal guten Gedächtnis war sie das lebende Protokoll der Ratsrunde.



Über den größten Erfahrungsschatz als Gemeinderat verfügt Dr. Walter Weber, der über 26 Jahre dem Gremium angehörte. "Als Seniorpräsident ist er eine Institution," wusste Wolfgang Kümmerle. Dr. Weber habe stets zielführend und sachlich argumentiert, Wogen geglättet, die überzuschäumen drohten und Brücken gebaut. "Damit prägten Sie das Erscheinungsbild des Gemeinderats wesentlich und positiv."



"Die gesunde und ehrliche Streitkultur" zeichne den Bissinger Gemeinderat aus, erwiderte Dr. Walter Weber und ergänzte: "Wir sind keine Abnicker". Der erfahrene Ratskämpe hoffte, dass auch die nachfolgenden Gemeinderäte in diesem Stil die Reihen schließen würden. Es gehe da-rum, nicht eigene Süppchen zu kochen, sondern der ganzen Bevölkerung zum Wohle seine Wünsche hintanzustellen. Für die Zukunft wünschte er dem Ratsgremium ein "glückliches Händchen".



Zu Beginn der Sitzung hatte Bürgermeister Kümmerle Lidwina Heppner und Niko Moll für ihre zehnjährige Gemeinderatstätigkeit geehrt.

Gruppenbild mit Damen: Bürgermeister Kümmerle (3.v.r.) verabschiedete die Gemeinderäte Helmut Ollhäuser, Heinz Reinöhl, Hannelore Stiefelmeyer, Hans Schlatter, Traude Link-Oesterle und Dr. Walter Weber.