Lokales

„Klappe 69 a 3, die erste“

Flugszene für „Wachgeküsst in Stuttgart“ auf der Hahnweide gedreht

„Ruhe bitte, Kamera läuft“, hieß es am Samstag auf dem Kirchheimer Segelfluggelände Hahnweide. In der Liebeskomödie „Wachgeküsst in Stuttgart“ spielt Alexandra Staib an der Seite des Bundesfilmpreisträgers Bernd Tauber die Hauptrolle. Regie führt der gebürtige Notzinger Jørn Precht.

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richard umstadt

Kirchheim. Es ist keine alltägliche Szene, die sich da vor den offenen Hangartoren der großen Fliegerhalle auf der Hahnweide abspielt. Eine stinksaure Frau im schwarzen Kostüm und auffallend roten Strümpfen schreit hysterisch eine jüngere an, die mit einem Piloten im trauten Gespräch vor einem Motorsegler steht: „Es ist mir egal, was du bist oder willst. Lass bloß meinen Mann in Ruh, Du Flittchen, und mach einen Abflug . . .“, brüllt die Furie. Die junge Dame im hellen Trenchcoat und den dunklen Lederstiefeln zieht die Schultern hoch und geht traurigen Blickes davon, während der Flieger seine Freundin zu beschwichtigen sucht. Würde nicht eine Filmkamera die Szene festhalten und ein Mikrofongestänge mit einer hellblauen „Pudelmütze“ über der Gruppe schweben, man hätte als unbeteiligter Zuschauer den Auftritt glatt für eine klassische Eifersuchtsszene halten können.

Doch das Ganze war „nur“ eine Sequenz aus dem Film „Wachgeküsst in Stuttgart“. In dem zweiten Teil der vom Studioleiter der Media GmbH, Jørn Precht, entworfenen Trilogie spielt Alexandra Staib, 22, die Hauptrolle als „Nelly“. In der Liebeskomödie mit Lokalkolorit muss sie sich zwischen dem Produktionsstudenten Marvin und dem türkischen Medien­designer Cem entscheiden. Doch zuvor macht sie sich auf die Suche nach ihrem Vater, und den glaubt sie eben in jenem Hahnweidpiloten Fred gefunden zu haben, in dessen Rolle Bundesfilmpreisträger Bernd Tauber („Das Brot des Bäckers“) am Samstag schlüpfte. Dessen „Freundin Britta“, gespielt von Alexandra Staibs Mutter Marina Salland-Staib, weiß allerdings das Wiedererkennen von Vater und Tochter durch ihren Auftritt zu verhindern. Die Filmmutter von Alexandra Staib, Katy Karrenbauer, die beim Drehteam Hahnweide nicht dabei war, ist den Fernsehzuschauern hauptsächlich durch ihre Rolle der „Christine Walter“ in der RTL-Serie „Hinter Gittern“ bekannt.

„Klappe 69a3, die Erste“. Immer wieder muss die Eifersuchtsszene vor dem weißglänzenden Motorsegler gespielt werden. „Marina, schrei noch etwas lauter. Denk an alle Strafzettel, die du bislang bekommen hast“, motiviert Jørn Precht „Britta“. Wiederholung. Jetzt wirft ein paar Meter weiter ein Flieger seine Maschine an und der Motor dröhnt los. Der Mann mit dem Mikrofon winkt ab. Dann passt das Licht nicht, oder aber ein Versprecher sorgt für befreiendes Gelächter und die Szene ist geschmissen. Trotz des launischen Aprilwetters und des kühlen Windes, der über das offene Hahnweidgelände bläst, lassen sich die Mimen die Stimmung nicht verderben. Geduld ist angesagt. Und zwischendurch Regenschirme und warme Jacken.

Währenddessen schiebt Günter Voss, Mitglied des Aero Clubs Stuttgart, die viersitzige, rot-weiße Zlin mit dem Kennzeichen D-EIWE in den vorderen Teil des Hangars. Voss hat 4 500 Flugstunden im Logbuch und fliegt seit 1965 auf der Hahnweide. Er durfte für Bernd Tauber alias „Fred“ am Steuerhorn doubeln und Tochter „Nelly“ über das Segelfluggelände fliegen, während sich vom Rücksitz aus die Kamera auf sie richtete. Gott sei dank, war es nicht bockig in der Luft, so war die Flugszene nach etwa einer viertel Stunde im Kasten.

„Es macht Spaß und ich mach‘ das öfters“, verrät der gebürtige Göppinger Bernd Tauber, der jetzt in der Nähe von Rottweil wohnt. Durch seine gagenlose Gastrolle unterstützt er das Filmprojekt. Jørn Precht schickte ihm das Drehbuch und der Profi-Schauspieler fand‘s „lustig und lebendig.“ Bernd Tauber, der für seine Hauptrolle „Werner Wild“ in dem Kinofilm „Das Brot des Bäckers“ den Bundesfilmpreis erhielt, ist dem Publikum unter anderem auch bekannt durch den Kinofilm „Das Boot“ und die Fernsehserie „Lindenstraße“. Als nächstes wird er mit der Bremer Shakespeare Compagnie mit einem Stück über Shakespeare auf der Bühne des Berliner Renaissance-Theaters stehen.

Für Alexandra Staib, die für das Low-Budget-Projekt auch die Produktionsleitung übernahm, drehte zum ersten Mal mit Bernd Tauber. „Es ist toll, die Profis motivieren, noch besser zu spielen und geben einem auch Tipps“, freut sich die Stuttgarterin, die von Klein auf schauspielerte, unter anderem auch im Jungen Ensemble Stuttgart für das Musik­theaterstück „Funkenflug“ (2005) und die szenischen Impulse der ­„Global Players“ (2007/2008) und am Theater Kornwestheim im Musical „Anatevka“. Außerdem stand Alex vier Jahre für die ARD-Jugendserie „fabrixx“ als Jeanette Köber vor der Kamera. Nach ihrem Abitur sammelte sie Erfahrungen „auf der anderen Seite“ hinter der Kamera bei SWR-Produktionen wie „Tatort“ und „Bloch“. Seit Herbst 2007 studiert sie Medienwirtschaft an der Hochschule der Medien in Stuttgart.

Wie „Abgedreht in Stuttgart“, der erste Teil der Trilogie, wird auch „Wachgeküsst in Stuttgart“ im Metropol-Filmtheater zu sehen sein und zwar bei der Filmschau Baden-Württemberg am 5. Dezember.

„Isch des in Hollywood au so?“, fragte ein Zaungast auf der Hahnweide etwas desillusioniert. Noi, do goht‘s auf englisch.