Lokales

Klare Fronten bei einem überaus emotional besetzten Thema

Wie bereits im April den O2-Richtfunkmasten auf dem Wasserhochbehälter Bühl, so hat der Bissinger Gemeinderat auch in jüngster Sitzung mehrheitlich eine solche Anlage von O2 im Brucker Hölzle auf Gemarkung Ochsenwang abgelehnt.

RICHARD UMSTADT

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BISSINGEN Das Thema Mobilfunk und Strahlenbelastung ist nach wie vor emotional besetzt. Dies musste Bissingens Bürgermeister Wolfgang Kümmerle zur Kenntnis nehmen. Bereits in der Einwohner-fragestunde, dem ersten Tagesordnungspunkt der Gemeinderatssitzung in der Alten Schule von Ochsenwang, bewegte das Thema Funkmast die Gemüter. Dabei drehten sich die Fragen der Bürger der Eduard-Mörike-Gemeinde um die Kundenzahl von O2, um die Miete, die die Gemeinde erhalten würde, eine Zuhörerin wollte wissen, weshalb ein solcher Funkmast vom Lenninger Gemeinderat abgelehnt worden sei, und eine andere interessierte sich dafür, was man tun könne, um den Bau einer solchen Richtfunkanlage zu verhindern. Vor allem beschäftigte die Fragesteller die Strahlungssituation und die Gefährdung der Ochsenwanger dadurch. "Unser höchstes Gut ist unsere Gesundheit", betonte eine Bürgerin. Dem wollte Wolfgang Kümmerle nicht widersprechen. Auch wehrte er sich dagegen, in Verdacht zu geraten, "fahrlässig mit der Gesundheit der Bürger umzugehen". Deshalb schlug er vor, die von dem Funkmast im Brucker Hölzle ausgehende Strahlenbelastung von dem Umweltstressanalytiker Norbert Honisch er arbeitete bereits für die Kommune untersuchen zu lassen und das Ergebnis im Mitteilungsblatt zu veröffentlichen.

Der Bürgermeister stellte in seinen Antworten jedoch auch klar, dass für die Beurteilung der Bauanfrage von O2 weder deren Kundenzahl noch die Höhe der Miete ausschlaggebend sei. Der Bissinger Gemeinderat habe dem Mobilfunknetzbetreiber zugesichert, sich erneut mit dem Thema zu befassen, wenn es O2 gelänge, den Mast optisch im Wald "verschwinden" zu lassen. Dies sei nach den vorliegenden Aufzeichnungen der Festnetzplaner der Fall. "Mit 35 Metern ist das kein Allmachtsmasten", meinte der Bürgermeister. "Im Brucker Hölzle fällt der kaum auf." Den Verweis auf Lenningen ließ Kümmerle nicht gelten. "Wir müssen für uns entscheiden." Im Übrigen lag dem Verwaltungschef eine Strukturverbesserung am Herzen, zumal er einen Brief der in Ochsenwang ansässigen Firma Clauss Markisen erhalten hatte, aus dem hervorging, dass sich das Unternehmen durch den geplanten Bau des Funkmastens für UMTS-Technik eine bessere Datenanbindung mit höherer Bandbreite und zu günstigeren Betriebskosten erhoffe.

Wolfgang Kümmerle befürchtete: "Wenn sich die Gemeinde nicht bereit erklärt, mit O2 zu verhandeln, dann stellt der Betreiber irgendwo im Ort den Masten hin, und wir haben keinen Einfluss darauf." Denn bis zu zehn Metern Höhe bedarf eine solche Antenne keiner Baugenehmigung.

Sehr sachlich befasste sich das Ratsgremium unter dem Tagesordnungspunkt "Funkmast Ochsenwang Antrag O2" mit dem Thema. Auf die Frage von Rolf-Rüdiger Most nach dem Nutzen des Funkmastens für die Ochsenwanger Handybesitzer musste Bürgermeister Kümmerle einräumen, keine Informationen darüber zu besitzen, ob die Versorgung den ganzen Ort betreffe oder aber auch nach der Installation der Antennen noch Funklöcher bestünden.

Ein klares Veto gegen die Mobilfunkanlage gab das Ochsenwanger Ratsmitglied Uli Hoyler ab. Er stellte dabei die Gesundheit der Bürger "die Strahlen kann man nicht ausschalten" und den Erhalt einer schützenwerten Landschaft in den Vordergrund. Zwar hielt Wolfgang Schneider den gesundheitlichen Aspekt ebenfalls für wichtig. Er verwies jedoch darauf, dass es inzwischen fast keinen Berg mehr gäbe, auf dem kein Masten stünde. Er betrachtete die finanzielle Seite Zahlen wurden keine genannt und die technische Notwendigkeit eines Mastens für den Mobilfunk auf der Alb und wollte sich nicht als Bremser betätigen. "Ich stehe dem positiv gegenüber."

Für Schneiders Ratskollegen Siegfried Nägele war klar: "Egal, wie wir entscheiden, es ist falsch." Auch er lehnte einen Richtfunkmasten im Brucker Hölzle aus landschaftsschützerischen Erwägungen ab und sah im Kabelanschluss die Alternative.

Sowohl Bürgermeister Kümmerle als auch Gemeinderat Uli Berger plädierten wiederholt dafür, den Umweltstressanalytiker Norbert Honisch nach Ochsenwang einzuladen, um die Strahlensituation zu erläutern. "Es wird sich dadurch nicht viel ändern", vermutete Rainer Merkle, der sich wie Schneider für die Mobilfunkanlage im Brucker Hölzle aussprach. "Die Fronten sind klar". Er trat deshalb für ein Ende der Debatte und dafür ein, abstimmen zu lassen.

Mit acht Nein bei drei Ja-Stimmen lehnte der Bissinger Gemeinderat den Antrag von O2 ab, im Brucker Hölzle einen Mobilfunkmasten errichten zu dürfen.

Zur Erinnerung: Die Untere Naturschutzbehörde hatte die Wunschstandorte des Netzbetreibers Breitenstein und Auchtert zurückgewiesen, auch auf dem Bühl war er nicht zum Zuge gekommen.