Lokales

Kleiner Traktor als Problemlöser

Kunstrasen löst ungeahnte Investition aus

Nägel mit Köpfen machte der Notzinger Gemeinderat. Statt nur ein Pflegegerät für den Kunstrasen zu ordern, bestellte das Gremium gleich den passenden Traktor dazu.

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Iris Häfner

Notzingen. „Der Holder P 20 ist 23 Jahre alt und ein ganz wichtiges Gerät im Winterdienst“, zeigte Notzingens Bürgermeister Jochen Flogaus die Dimension auf. Der kleine Traktor – andernorts auch liebevoll „Holderle“ genannt – hat keine Kabine, weshalb die Mitarbeiter des Bauhofs beim Räumen von Gehwegen unweigerlich auch bei klirrender Kälte im Freien sitzen müssen, was nicht mehr zeitgemäßen Arbeitsbedingungen entspricht. Ins Gespräch gekommen ist der Holder P 20 in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats jedoch vor allem deshalb, weil das Anbaugerät „Turf-King“ nicht mit ihm kompatibel ist. Mit seinen 18 PS schafft er die Leistung nicht. Um den Turf-King nutzen zu können, sollte das Fahrzeug eine Aushebekraft von etwa 800 Kilogramm haben, was jedoch aber erst bei Traktoren ab 20 bis 24 PS der Fall ist.

In der Sitzung im März hat sich der Gemeinderat eindeutig für die Beschaffung eines Pflegegeräts für das Kunstrasenspielfeld ausgesprochen. Nun lagen die Angebote vor. Der Turf-King kostet rund 15 500 Euro, der Sport-Champ SC 2 BL, ein luftgekühltes, selbstfahrendes Gerät, würde rund 21 000 Euro kosten und der wassergekühlte, ebenfalls selbstfahrende Sport-Champ SC 2 B knapp 24 000 Euro.

Schon in der Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt gab Rudolf Kiltz zu bedenken, dass das Pflegegerät nur etwa einen Monat im Jahr im Einsatz, ein kleiner Traktor jedoch das ganze Jahr über einsetzbar ist. Zudem arbeitet der Turf-King schneller als die selbstfahrenden Geräte. „Da wir im Haushalt für den Kunstrasenplatz 350 000 Euro eingestellt haben und tatsächlich nur 280 000 Euro ausgeben mussten, hätten wir noch Mittel für einen Turf-King und einen Kleintraktor“, erklärte Jochen Flogaus. Da keiner weiß, wie lange der P 20 noch funktionsfähig ist, wäre der Bauhof mit einer Neuanschaffung im Winter gerettet.

Gleicher Ansicht waren auch die Gemeinderäte. Ein zweites „Holderle“ wird es jedoch nicht mehr geben. Die Metzinger Firma beginnt ihre Angebotspalette über der PS-Zahl, die Notzingen benötigt. Ohne größere Diskussion einigte sich das Gremium darauf, sich von der Schlierbacher Firma einen Kubota Allradtraktor mit 25 PS und einem Angebotspreis von rund 26 000 Euro vorführen zu lassen. Kurze Wege zum Service sprachen eindeutig für den regionalen Anbieter. „Wir müssen die Differenz von 8 000 Euro zwischen dem Anbaugerät und dem Selbstfahrer mit berücksichtigen“, gab Herbert Hiller zu bedenken. Vom Kauf des Traktors zeigte sich Günter Barz etwas überrascht. „Die Kabine, die vernünftige Arbeitsbedingungen beim Winterdienst schafft, ist aber ein schlagkräftiges Argument“, sprach er sich ebenfalls für diese Investition aus.